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Regional Erste Ausstellung nur mit Selbstbildnissen von Paula Modersohn-Becker
Nachrichten Kultur Regional Erste Ausstellung nur mit Selbstbildnissen von Paula Modersohn-Becker
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22:00 12.09.2019
Erstmals werden rund 50 der insgesamt über 60 Selbstbildnisse von Paula Modersohn-Becker gezeigt. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Bremen

Unter dem Titel „Ich bin Ich“ zeigt das Bremer Paula Modersohn-Becker Museum erstmals eine Ausstellung nur mit Selbstbildnissen seiner berühmten Namensgeberin. Von Sonntag (15. September) an sind dort etwa 50 Selbstporträts der Expressionistin zu sehen, darunter das „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ aus dem Mai 1906, auf dem sich die Worpswederin als erste Frau der Kunstgeschichte selbst nackt malte. Die Ausstellung sei ein biografischer Rundgang durch das Leben von Paula Modersohn-Becker (1876-1907), sagte am Donnerstag Museumsdirektor Frank Schmidt.

Den Selbstakt im Besitz des Paula Modersohn-Becker Museums bezeichnete Schmidt als „Aushängeschild“ der Ausstellung. Dass es bisher noch keine derartige Schau gegeben habe, sei verwunderlich. „Das Thema umfasst in ihrem Gesamtwerk allein mehr als 60 Arbeiten und ist in jeder Monografie zu Paula Modersohn-Becker präsent.“

Die gezeigten Werke stammen aus dem eigenen Bestand des Museums, aber auch aus privaten und öffentlichen Sammlungen vornehmlich aus Deutschland. Eine weitere zentrale Arbeit - das „Selbstbildnis mit Kamelienzweig“ - kommt aus dem Museum Folkwang in Essen. Bei vielen Arbeiten bediente sich die junge Künstlerin ihres Spiegelbildes oder einer Fotografie, um das Motiv zu finden.

Selten gezeigte Frühwerke

Die Ausstellung beginnt mit den frühesten und laut Schmidt selten gezeigten Arbeiten aus den 1890er-Jahren, auf denen sich die Kunstschülerin noch bemüht, möglichst detailreich zu malen. Das ändert sich mit den Jahren, was aufgrund der Wiederholung des Motivs gut nachvollziehbar ist. Die Eheschließung mit Otto Modersohn aber vor allem ihre Paris-Aufenthalte beeinflussen ihren Stil. „Die Lust am Experimentieren und die Begegnung mit anderen Kulturen und Künstlern treiben die Suche nach der großen Einfachheit an“, erläuterte Schmidt.

Nach 1905 reduziert Paula Modersohn-Becker ihr Gesicht fast zur Maske, auch beeinflusst von den antiken Mumienporträts, die sie im Pariser Louvre gesehen hat. Die Ausstellung zeigt außerdem, dass das Jahr 1906 eine überragende Rolle im Leben der Künstlerin gespielt hat. Allein in dieser Zeit entstanden 15 Selbstbildnisse. An ihren Freund Rainer Maria Rilke schrieb sie damals einen Satz, der sich nun im Titel der Schau wiederfindet: „Ich bin nicht Modersohn und ich bin auch nicht mehr Paula Becker. Ich bin Ich, und hoffe es immer mehr zu werden. Das ist wohl das Endziehl (rpt. Endziehl) von allem unsern Ringen“.

Vertreterin des frühen Expressionismus

Paula Modersohn-Becker zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus, die schon zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn in Berlin wichtige Impulse in dieser Richtung aufnahm. Weil Frauen damals staatliche Kunstakademien verwehrt blieben, schrieb sie sich in einer privaten Malschule ein. Schon dort experimentierte sie mit Licht und Schatten, Körperlichkeit, Akt und Konturen.

Sonderausstellung „Ich bin Ich - Paula Modersohn-Becker. Die Selbstbildnisse“ vom 15. September bis 9. Februar 2020. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Montags geschlossen.

Buchhinweis: Frank Schmidt (Hg), „Ich bin ich. Paula Modersohn-Becker - Die Selbstbildnisse“, Hirmer-Verlag München 2019, 152 Seiten, 29,90 Euro

www.museen-boettcherstrasse.de

Von epd