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Regional Zwischen Schmerz und Genialität
Nachrichten Kultur Regional Zwischen Schmerz und Genialität
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14:30 25.03.2017
Quelle: Linnhoff
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Göttingen

Zwischen den abenteuerlichen KategorisierungenvonMonster-Boogie über Toxic-Folk, Garage-Blues bis hin zu Psychedelic-Country bewegt sich die Musik Fai Babas. Sie führt den Blues dabei durch ein großes Kaleidoskop an musikalischen Farben.

Mal solo, im Duo oder, wie an diesem Abend, im Quartett ist das Projekt unterwegs. Drummer Domi Chansorn gehört zu den meistbeschäftigten Trommlern Zürichs. Er spielt nach eigener Aussage keine Rhythmen, sondern Musik. Gemeinsam mit Oliver Zurkirchen an den Keyboards und Rodrigo Aravena am Bass betritt da ein Quartett ganz cooler Gestalten die Bühne des gut gefüllten Kellerclubs, den diese im Laufe des Konzerts an seine akustischen Grenzen bringen.

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Eine kurze Begrüßung in leichtem Schwizerdütsch, mehr Worte gibt es nicht. Danach lassen sie ohne Pause nur noch die Instrumente sprechen. Nach einem sphärischen Intro mit westernartigen Gitarrenklängen ziehen sie das Tempo mächtig an, rocken los, als gäb's kein Morgen mehr, und enden in einer ersten wahren Soundorgie. Stück an Stück reihen sie so nahtlos aneinander. Es bleibt wenig Zeit zum Atemholen. Sigmunds Stimme klingt, stark hallunterlegt, entrückt und leicht verzerrt, als käme sie aus dem All.

Mal krachend, mit starken Rock-Attitüden, dann groovig mit pumpenden Beats, teils auch psychedelisch kommen die Kompositionen daher. Über all dem schwebt ein Hauch von Blues mit teils krachenden Gitarren-Licks. Das klingt sehr retromäßig, aber doch eigenwillig innovativ.

Gebetsmühlenartig wiederholt Sigmund den Refrain im sehr groovigen „Nobody but you“. Sein Aufruf „Find me a woman“ erschüttert die Gehörgänge. Kurz ist auch mal Zeit für große Gefühle, wenn die Band in ruhigere Gewässer steuert.

Zum Ende steigern sich die Musiker aus einem lockeren Jam heraus in eine rhythmisch-orgiastische Endlosimprovisation zwischen Gitarre und Keyboard, während Drums und Bass stoisch den Beat halten. Das Ganze ufert in bester Grateful Dead-Manier aus. Zwischendurch steigt Sigmund von der Bühne, um frontal aus dem Zuschauerraum seine Band noch mal anzuspornen.

Mit großer Leidenschaft zelebriert Fai Baba den Blues in einer sehr eigenwilligen, rohen Form und fesselt damit das Publikum. Ein berauschendes Konzerterlebnis zwischen Schmerz und Genialität wird mit großem Beifall bedacht.

Von Jörg Linnhoff