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Regional Da schnattert die Oboe
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19:59 28.02.2017
Familienkonzert des GSO im Deutschen Theater. Quelle: Richter
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Göttingen

Mit einem Bienenkorb lässt sich die Geräuschkulisse zu Beginn des Konzertes vergleichen. Es klingelt mehr als üblich im Deutschen Theater, bevor es endlich losgehen kann. Neben dem GSO und seinem musikalischen Leiter Christoph-Mathias Mueller betritt Jan Reinartz die Bühne, bekannt als Ensemblemitglied des Jungen Theaters Göttingen und vielen auch durch seine charismatische Stimme. Er arbeitet neben der Schauspielerei als Sprecher, synchronisiert Filme und sogar Computerspiele. Heute fungiert er als gekonnter Erzähler und Moderator.

Andreas Peer Kählers „Presenting the Orchestra“ ist eine gelungene thematische Einleitung, „nur einen hat Herr Kähler vergessen“, so Rei­nartz, der auch gleich frank und frei zugibt, Noten nicht besonders gut lesen zu können. Gemeint ist der Dirigent. Recht hat er, denn ohne den läuft in dem großen Haus namens Orchester mit den vielen Instrumentenfamilien alles durcheinander.

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Namen der Perkussionsinstrumente „Gurke“ und „Eselsgebiss“ sorgen für Erheiterung

Einzeln stellen sich die Instrumentengruppen in Kählers Komposition - die durch Samba-Rhythmus geprägt ist - vor, werden auch mal hergezeigt und hochgehalten. Darüber hinaus werden Verwandtschaftsbeziehungen erläutert und die Namen der Perkussionsinstrumente „Gurke“ und „Eselsgebiss“ sorgen für Erheiterung bei den jungen Zuhörern.

Klarinette und Fagott werden danach in „Der Hase und die Schildkröte“ von Zhen-Rong Shi zu eben diesen Tieren. Eine musikalische Fabel, die den Wert von Entschlossenheit und Ausdauer gegenüber bloßer Schnelligkeit zeigt. Vorgetragen im präzisen Wechsel- und Zusammenspiel von Orchester und Sprecher. In Sergej Prokofjews Klassiker „Peter und der Wolf“ werden ebenfalls Instrumente Tieren, aber auch Personen zugeordnet. Ein beschwingtes und unbekümmertes Violinenmotiv charakterisiert den Helden Peter. Die Oboe schnattert, wie es Enten eben tun, und das Fagott gibt einen schön tief sprechenden Großvater. Aber am meisten Spannung verursacht natürlich der Wolf, vertreten durch die Hörner. Schon beachtlich, wie sehr sich die von klein auf vielerlei medialen Reizen ausgesetzte Generation, die sogenannten Digital Natives, gruselt, und das 1936 entstandene Werk Eindruck auf sie zu machen vermag.

Musikerlebnisse für die ganze Familie sollen die morgendlichen Familienkonzerte des Göttinger Symphonie Orchesters sein. Sie sind mehr als das: Musikvermittlung auf höchstem Niveau, die Freude bereitet und jungen Zuhörern Brücken in die klassische Musik baut. Kein Wunder also, das der Saal ausverkauft war.

mv

Die nächsten Konzerte für das GSO stehen am Freitag, 3., und Sonnabend, 4. März, auf dem Programm. In großer Besetzung mit einem Chor, gebildet aus den Frauen der beiden großen Stadtkantoreien, mit dem Knabenchor und einer Solistin spielt das GSO die „Himmelsmusik“, Gustav Mahlers Symphonie Nr. 3 d-Moll, ein abendfüllendes Werk. Beide Abende in der Stadthalle am Albaniplatz beginnen um 19.45 Uhr.