Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Fazit und Ausblick: Wie geht es weiter mit dem Soundcheck-Festival in Göttingen?
Nachrichten Kultur Regional Fazit und Ausblick: Wie geht es weiter mit dem Soundcheck-Festival in Göttingen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:19 15.09.2019
NDR2 Soundcheck: NDR 2-Programmchef Torsten Engel (r.) und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Quelle: Niklas Richter
Anzeige
Göttingen

Am Rande des NDR2 Soundcheck-Festivals in Göttingen haben NDR2-Programmchef Torsten Engel und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) gemeinsam mit Sabine Droste, NDR2-Marketingchefin, im Gespräch mit dem Tageblatt ein erstes Fazit zum neuen Standort gezogen und einen Ausblick auf das Festival 2020 gegeben.

Eine Frage, mit der sich auch die Besucher des Festivals auf dem Platz am Sonnabend beschäftigten, war, wie gut die neue Spielstätte am Schützenplatz funktioniert und welche Stolpersteine das Team in der Vorbereitung auf das Festival gemeistert hat. „Aus Sicht der Stadt geht der Plan auf. Ich glaube das Signet dafür, dass er aufgeht, war der Donnerstagabend für mich“, erklärte Köhler. Es sei etwa ersichtlich gewesen, dass ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Als spannend habe er auch empfunden zu sehen, wie es gelungen sei, Bahnreisende durch den Bahnhof zur Spielstätte zu leiten.

Lesen Sie auch

Auftakt zum Soundcheck-Festival: Johannes Oerding feiert ausgelassen mit seinem Publikum

Dass der Donnerstag einen unmittelbaren Höhepunkt darstellt, hatten die Veranstalter einkalkuliert, um das Festival unmittelbar attraktiv zu gestalten. Dabei hätte nicht nur die Verpflichtung von Johannes Oerding, sondern auch der Giant Rooks eine Rolle gespielt: „Da waren 1000 junge Mädchen“, so Droste.

Johannes Oerding lieferte dem Soundcheck-Festival gleich zu Beginn ein Highlight. Quelle: Niklas Richter

Unsicherheiten wegen neuem Standort

Dabei waren sich die Veranstalter keinesfalls zu jedem Zeitpunkt sicher, dass sich die Göttinger dazu bewegen lassen, den Schützenplatz aufzusuchen, gibt der OB zu: „Ich war am Anfang sehr unsicher, ob die Leute das genauso annehmen wie Albani. Ich hatte aber das Gefühl, es sind mehr gewesen am Donnerstag. Und ich hatte den Eindruck, es war auch zu Teilen ein anderes Publikum als sonst.“

Köhler erklärt weiter: „Man muss die Göttinger manchmal auch ein bisschen mitnehmen, hab ich das Gefühl. Die Frage, ob es innerhalb oder außerhalb des Walls ist, ist gar keine Frage.“ Doch er schränkt ein: „Ich hatte auch Sorge, ob sie sich erheben. Aber man sieht, dass sie zu Fuß kommen, sie kommen mit dem Fahrrad. Göttingen hat keine Distanzen. Und ich glaube, dass man sich hier auch neue Gruppen erschließt. Es leben mehr Menschen außerhalb des Walls als innerhalb oder im Ostviertel.“ Dass die Göttinger nicht immer leicht zu bewegen sind, erkennt auch Engel an: „Es gibt Städte, die würden die Fläche, die wir hier zur Verfügung stellen, schneller füllen. Göttingen ist schon schwer zu bespielen.“

Bestmögliche Alternative zum Albaniplatz

Während in den Planungsgesprächen viel darüber gesprochen wurde, welche Hindernisse sich den Veranstaltern in den Weg stellen könnten, zeigt sich Engel amüsiert darüber und überrascht davon, wie buchstäblich viele Göttinger ein solches interpretieren, als mit der These konfrontiert wird, dass „der Göttinger an sich“ nicht so gern den Wall verlässt. „Das habe ich gestern das erste Mal gehört.“ Doch er betont, dass man alle Eventualitäten besprochen und beleuchtet habe, um die bestmögliche Alternative zum Albaniplatz zu finden, seit klar war, dass die Stadthalle 2019 nicht mehr zur Verfügung steht.

Lesen Sie auch

Neue Standort Schützenplatz: Vor- und Nachteile der neuen Lokalität

„Dann haben wir unmittelbar angefangen zu planen.“ Verschiedene Standorte seien geprüft worden und auch das Unigelände sei betrachtet worden. Die Entscheidung habe der Sender gefällt, so Köhler: „NDR2 hat gesagt, dies ist die beste der Möglichkeiten. Auch unter Sicherheitsaspekten.“

Erfahrung mit Großveranstaltungen

Dabei profitiert der Veranstalter von seiner Erfahrung mit Großveranstaltungen. „Wir sind sicher, dass das funktioniert, wenn wir auf der grünen Wiese etwas aufbauen. Das machen wir mit NDR2 zwei, drei Mal im Jahr.“ Doch er betont auch, dass es eine logistische und finanzielle Anstrengung für alle Beteiligten gewesen sei.

Viel Arbeit sei in das Konzept geflossen – so sei in die Außenbühne am Deutschen Theater investiert worden, um die Spielstätte attraktiv zu machen, so Engel: „Die Außenbühne ist komplett aufgewertet worden, das war ein Teil des Konzepts.“ Aus diesem Grund hätten Künstler wie etwa Freya Ridings und Sam Fender dort gespielt.

Ein Vorteil sei der verhältnismäßig lange Vorlauf gewesen, sind sich Engel und Köhler einig. „Sonst wäre es gar nicht gegangen“, ist sich Engel sicher. „Ohne den Vorlauf kriegst du das nicht hin.“ Droste gibt zu bedenken, dass der logistische Aufwand nicht allein mit dem Wechsel der Spielstätten zu tun gehabt habe, sondern auch mit deren Ausstattung. „Es ist ja nicht nur die Stadthalle weggefallen, sondern auch 120 Arbeitsplätze und die Küche.“ Auf dem Schützenplatz habe man daher das erste Mal eine Küche gebaut, ergänzt Engel.

Kritik am Eingang zur City Stage

Von einigen Besuchern war kritisiert worden, dass es nur einen Eingang zur City Stage gab und das Publikum so wiederholt durch die Taschenkontrollen musste, wenn es zwischen der Halle 2 und der öffentlichen Bühne wechselte.

Zunächst habe es einen zweiten Eingang gegeben, erklärte Droste dazu. Um den Betrieb am anliegenden Athleticum nicht zu stören, sei dieser aber geschlossen worden. Zudem sei ein weiterer Eingang auch immer ein Kostenfaktor, ergänzt Engel, während Köhler zu bedenken gibt, wie viel Spielsteine in Sachen Sicherheit bei der Großveranstaltung verzahnt werden müssen.

Beste Stimmung auf der City Stage auf dem Schützenplatz mit Lina Maly. Quelle: Niklas Richter

„Wenn ich ein Sicherheitskonzept mache, ist mir ein einzelner Zugang das liebste, was ich habe. Je mehr Zugänge es gibt, umso höher ist der Aufwand, umso höher sind die Sicherheitsauflagen. Wir haben andersrum auf dem Gelände ja sehr viele Fluchtwege aufbauen müssen. Wir müssen ja nicht nur Zugänge sichern, sondern auch Entfluchtung machen.“ Viele Ehrenamtliche seien beteiligt, das Zusammenspiel zwischen den Profis von NDR2 mit den freiwilligen Feuerwehren, der Polizei und den Rettungsdienste sicherzustellen sei ein großes Puzzle.

Lohnt sich das?

Wenn man das Gesamtfazit nach dem Festival ziehe, werde man den Aufwand und die Kosten genau betrachten, betont Programmchef Engel. „Es wird sich die Frage stellen: Lohnt sich das? Lohnt sich das für NDR2? Für die Stadt lohnt sich das alle mal.“ Engel meint damit die erhöhte mediale Aufmerksamkeit, die der Stadt im Vorfeld des Festivals zu Teil wird. Dennoch musste der Rat der Stadt darüber beschließen, die für das Festival im Vergleich zu den Vorjahren anfallenden Mehrkosten zu tragen, so der OB. Genaue Zahlen habe er nicht im Kopf.

In der musikalischen Betrachtung des Festivals sind sich die Organisatoren einig, dass es gelungen sei, ein überzeugendes Line Up an den Start zu bringen. Beeindruckt zeigte sich der Oberbürgermeister von den Gästen aus Australien: „Ich glaube, gestern Abend hab ich eine Gruppe gesehen, die in Europa durchstarten können, weil sie ein ziemlich fettes Brett spielen. Das war The Faim. Die haben eine Stunde lang voll vom Leder gespielt.“ Dies bestätigt Programmchef Engel: „Die waren sensationell gut und super präzise.“

Fotos vom Finale in der Lokhalle

Die Mischung macht’s: Lena, Michael Schulte, Nico Santos, Benne, Jeanette Biedermann und Millé standen am Sonnabend beim Finale des NDR 2 Soundcheck Festival auf der Bühne der Lokhalle. Mit einem überraschenden Auftritt.

Festival 2020 save

Ungeachtet der Bilanz aus 2019 ist der Fortbestand des Soundcheck Festivals für 2020 gesichert. „Für einmal wäre der Aufwand zu hoch“, stellt Köhler klar. „Wir sind 2020 safe“, ergänzt Engel.

Allerdings kann der Programmchef über das kommende Jahr hinaus keine Zusagen machen: „Das hängt davon ab, was sich Ministerpräsidenten einfallen lassen, was die Rundfunkgebühr angeht. Ich mache im Moment bei keiner Veranstaltung, die wir machen, eine Zusage über 2020 hinweg. Das wäre vollkommen unseriös.“ Der Frage, was mit der Rundfunkgebühr passiert, müsse man nachgehen. Auch wenn das Festival nicht aus Rundfunkgebühren bezahlt würde.

Nach einem kurzen Zwischenfazit befragt, zeigen sich die Beteiligten zufrieden. Köhler sagt, es sei ein gelungenes Festival auf einer anderen Spielstätte mit einer riesen Wirkung für Göttingen. „Es ist wirklich für uns eine tolle Sache, dass das hier in dieser Stadt stattfindet. Wir sind allen dankbar die dabei mithelfen.“ In diese Kerbe schlägt auch Engel, der froh ist, dass das „was meine Mitarbeiter sich ausgedacht haben, funktioniert. Am Ende des Tages ist es eine gute Blaupause. Wen man so ein Festival einmal auf links dreht, denn in Wahrheit sind ja nur zwei Spielorte geblieben, die Lokhalle für das Finale, und das Deutsche Theater, finde ich das total erfolgreich und bin sehr stolz auf die Leute, die das umgesetzt haben.“

Termin 2020

Unbedingt vormerken sollten sich Musikliebhaber den 17. bis 19. September – denn dann wird Göttingen 2020 wieder zur Soundcheck-City. Das Scouten der Bands und Künstler beginne direkt nach dem Festival, verrät Engel: „Unsere Leute, die Off-Air-Musikredaktion ist im Prinzip ab Montag unterwegs. Mit dem Buchen beginnen wir Ende des Jahres und am Anfang des Folgejahres.“ Nur ein, zwei Slots blieben im Line Up dann noch offen.

Lesen Sie auch

Johannes Oerding eröffnet Konzerte auf dem Schützenplatz

Singer-Songwriter gemixt mit Hip Hop: Dermot Kennedy liefert beeindruckende Live-Performance

The Faim rocken die Halle 2

Fenders Rock begeistert Göttinger Publikum

Soundcheck-Festival: Schatten und Sonne am neuen Standort

Dean Lewis lässt nicht nur Teenie-Herzen schmelzen

Lewis Capaldi: Ein „pummeliger“ Junge aus Glasgow

Freya Ridings begeistert beim NDR2-Soundcheck-Festival Göttingen

Fans treffen in Göttingen ihr Idol Michael Schulte

Von Claudia Bartels

Er selbst nennt sich „chubby“, also pummelig. Ebenso ist er aber cheeky – also frech. Beides aber wird unwesentlich, wenn er zu singen beginnt. Lewis Capaldi überzeugt mit einem besonderen Timbre.

14.09.2019

Seit dem frühen Nachmittag genießen die Göttinger bei bestem Wetter Live-Musik am Schützenanger. Über die Vor- und Nachteile der neuen Lokalität wird viel diskutiert.

14.09.2019

Die Halle 2 beim NDR 2 Soundcheck Festival ist auch am Sonnabend in australischer Hand geblieben. Nach einem umjubelten Auftritt von The Faim am Freitagabend legte der Australier Dean Lewis am Sonnabend nach. Die Herzen seiner Fans lagen dem 31-jährigen Shooting Star zu Füßen.

14.09.2019