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Regional Hinter den Kulissen der Göttinger Händel-Festspiele
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08:00 17.05.2019
Tobias Wolff bei einem Besuch in London neben der bekannten Statue, die Georg Friedrich Händel zeigt und von Louis Roubiliac stammt. Quelle: Oppermann
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Göttingen

Intendant, Künstlerischer Leiter, Orchester, Solisten – sie sind während der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen immer im Vordergrund. Doch wer zieht vorher die Fäden, wer plant alles, damit so ein Großereignis reibungslos abläuft?

Akribisch durchgeplant

Dass es einen Plan gibt, der den Einsatz von Fahrzeugen bei den Festspielen regelt, leuchtet unmittelbar ein. Künstler müssen ihren Auftrittsort erreichen, Dirigent Laurence Cummings beispielsweise von Hann. Münden wieder zurück nach Göttingen ins Hotel. Aber einen Instrumentenplan? „Wir haben zahllose Proben und ungefähr 25 Konzerte, bei denen ein Cembalo gebraucht wird, aber natürlich keine 25 Cembali.“, erklärt Tobias Wolff, Geschäftsführender Intendant der Festspiele. Deswegen muss ein Umzugsunternehmen die Instrumente immer dahin bringen, wo sie gebraucht werden. Und dafür braucht es einen exakten Plan, damit nicht doch irgendwann ein Cembalist ohne Instrument dasteht. Dabei werden auch möglichst noch die Vorlieben der Künstler für bestimmte Instrumente berücksichtigt. Und auch Klavierhocker reisen in den Festspieltagen durch die Region.

Laurence Cummings am Cembalo Quelle: da Silva

Ein Tag ist im Vorfeld der Festspiele dafür reserviert, all diese Pläne untereinander abzugleichen, um eventuelle Unstimmigkeiten vorher zu finden. Wenn die Pläne dann abgeglichen sind, wird besser nichts mehr geändert. „Wenn dann noch jemand kommt und einen kleinen Empfang dazwischen schieben will, wird es zur Herausforderung“, sagt der Intendant.

Plan B in der Hinterhand

Selbst auf ungeplante Ereignisse ist das Team eingestellt: „Viele denken, die größte Katastrophe wäre es, wenn ein Künstler während der Festspiele krank wird. Aber darauf stellt man sich ein“, sagt Wolff. Es würden Listen geführt über Künstler, die bestimmte Partien auch schon gesungen haben. Diese Listen müssen dann im Krankheitsfall einer Erstbesetzung abtelefoniert werden.

Ab und zu gebe es kleinere Probleme mit vorher durchgegebenen Maßen der Künstler. Dann sitze das Kostüm doch etwas sehr straff. Ärgerlich, aber kein Vergleich zu dem Sturm und dem kaputten Dach beim Deutschen Theater Göttingen im Jahr 2014. Zehn Minuten vor Ende der Vorstellung musste abgebrochen werden. Ein Teil der Bühne stand unter Wasser, für die Sicherheit der Künstlerinnen und Künstler konnte nicht mehr garantiert werden, erinnert sich Wolff. Und 2016 wurde der Parcours rund um den Kiessee abgesagt. „Wir befragen am Tag vorher immer den Wetterdienst. Bei 85 Prozent Regenwahrscheinlichkeit sagen wir ab.“ So war es 2016 vorhergesagt und der Parcours fiel aus. „Und dann war den ganzen Tag schönes Wetter!“

Das Team arbeitet Hand in Hand

Zum Team der Festspiele gehören auch Petra Jans, die die Mitglieder der Göttinger Händel-Gesellschaft betreut und sich um das gesamte Ticketing kümmert sowie die Referentin der Geschäftsführung, Sophia Mayer. Ihr Metier seien Verwaltung, Buchhaltung, der Jahresabschluss und „seitenweise Anträge“, so Wolff. Drei Mitarbeiterinnen sind in der Kommunikationsabteilung tätig, Jeanine Rudat im Archiv bereitet momentan gemeinsam mit den Kuratoren des Städtischen Museums eine Ausstellung für das Jubiläum vor.

Rund 30 Hilfskräfte beschäftigen die Festspiele während der Aufführungszeit. Und die bekommen diverse Einführungen, darunter ein Blumenübergabetraining. „Dabei kann man so viel falsch machen“, sagt Wolff. Nach zwei Stunden irgendwo hinter der Bühne stünde der Mitarbeiter auf einmal im grellen Scheinwerferlicht und müsse dann genau wissen, wo es lang geht. Die Blumen müssten vor der Übergabe abgetrocknet werden, damit nichts tropft, beispielsweise auf die Instrumente. Nach der Formel „Strauß und raus“ seien auch keine übertriebenen Glückwünsche an die Künstler gewollt, keine Küsschen, es sei denn die Initiative komme vom Künstler.

Eine besondere Herausforderung werde für das Team wohl in diesem Jahr die Zeit nach den Festspielen werden, sagt Wolff. „Sonst haben wir im Juni und Juli ein bisschen Luft, können mal freie Tage nehmen. Diesmal müssen wir wegen der Jubiläumssaison gleich voll weiter arbeiten.“

Info:

Für die Premiere der Festspieloper Rodrigo am Freitagabend sind Restkarten an der Abendkasse verfügbar, die Vorstellung beginnt um 18 Uhr im Deutschen Theater in Göttingen. Eine weitere Vorstellung findet am Sonntag, 19. Mai, um 17 Uhr im DT statt, auch für diese Aufführung sind noch Karten erhältlich. Am Montag, 20. Mai, bringen die Organisatoren die Oper um 19 Uhr unter dem Motto „Rodrigo für alle!“ zudem im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben 5 in Göttingen, im Hörsaal 011 auf die Leinwand, der Eintritt ist frei.

Nach Angaben der Veranstalter sind wenige Ticket auch für das Oratorium Saul, das am Sonnabend, 18. Mai, um 18 Uhr in der St. Blasius-Kirche in Hann. Münden aufgeführt wird, verfügbar.

Ein festes Kartenkontingent steht zudem für die Inhaber des Kulturtickets bereit. Studierenden wird so die Möglichkeit geboten eigentlich ausverkaufte Inszenierungen zu besuchen.

Weitere Informationen rund um die Festspiele finden sich hier.

Von Christiane Böhm

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