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Regional Festspieloper Prag begeistert mit Open-Air-Oper Nabucco
Nachrichten Kultur Regional Festspieloper Prag begeistert mit Open-Air-Oper Nabucco
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13:43 04.08.2019
Open-Air-Oper Nabucco auf dem Schlossplatz in Hann. Münden. Quelle: Peter Heller
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Hann. Münden

Eine malerische Kulisse, wunderschöne Stimmen und ein großartiges Orchester: 900 Besucher haben am Sonnabend auf Hann. Mündens Schlossplatz Giuseppe Verdis Opernklassiker Nabucco erlebt.

Begeisterten Applaus spendeten die 900 Zuschauer nach der Open-Air-Aufführung der Festspieloper Prag. ausdrucksstarke Bilder waren Regisseur Oldřich Kříž vor dem zurückgenommenen Bühnenbild gelungen. Für die Bühne und die farbenfrohen Kostüme zeichnete Olga Kokošková verantwortlich. Martin Doubravský hatte das gut 30-köpfige, in einem Zelt neben der Bühne untergebrachte Orchester unter erschwerten Bedingungen dirigiert. Genau vor seinem Pult stand einer der Zeltpfähle.

„Gefangenenchor“ als Zugabe

Die Begeisterung des Publikums wurde mit einer Zugabe belohnt. Der stimmsichere, wache Chor sang erneut das bekannteste Stück des italienischsprachigen Werks, den „Gefangenenchor“ der nach Babylon verschleppten Hebräer: „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“. Der Text hatte den patriotisch gesinnten Verdi beim Lesen von Temistocle Solera Libretto gepackt. Er erkannte in Soleras frei nach der Bibel erzählten Geschichte von der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II., Nabucco, 587 vor Christus, von der Versklavung der Juden und ihrer Befreiung Parallelen zum Schicksal der Italiener. Deren Land beherrschten damals zu großen Teilen die Habsburger. Dagegen begehrte das Volk auf.

Eine malerische Kulisse, wunderschöne Stimmen und ein großartiges Orchester: 900 Besucher erlebten am Sonnabend auf Hann. Mündens Schlossplatz Giuseppe Verdis Opernklassiker Nabucco.

Verdi zögerte zunächst mit dem Schreiben. Nach dem Misserfolg seines letzten Werks an der Mailänder Scala hatte er sich vom Dienst entbinden lassen. Der Tod seiner jungen Frau und der beiden gemeinsamen Kinder drückten ihn nieder. Doch der Scala-Intendant drängte ihn weiterzuarbeiten. Mit dem 1842 uraufgeführten Nabucco erlebte Verdi seinen Durchbruch als Opern-Komponist. In den kommenden acht Jahren, die Verdi wie „Galeerenjahre“ vorkamen, schrieb er zwölf Opern. Der Sohn eines Gastwirts, der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen war, kam zu Wohlstand. Am Ende konnte er sich ein Landgut kaufen.

Vibrierender Sängerstreit

Dominiert wird Nabucco vom vibrierenden Sängerstreit zwischen dem hebräischen Hohepriester, Zaccarias (Jurj Kruglov), seinem Gegenspieler, Babylonierkönig Nabucco (Nikolaj Někrassov), sowie dessen machthungriger, verschlagener und – wie sich im Laufe des Stücks herausstellt – unehelichen Tochter Abigaille (Liana Sass). Bass Kruglov begeisterte in Hann. Münden mit dem Volumen seiner Stimme und seiner ausdrucksstarken Gestik. Die feuerrot gekleidete Sopranistin Abigaille meisterte die tückischen Passagen ihrer Arien eindrucksvoll. Tonor Nekrassov lief nach der Pause zu Höchstform auf.

Niedrigschwelliges Angebot

„Mit der Aufführung populärer Klassiker wollen wir vor allem solche Menschen für die Musik begeistern, die selten oder nie ein Opernhaus betreten“, erläutert Nabucco-Produzent Michael Kmoch das Konzept der Festspieloper Prag. Die romantisch-schönen Orte – oft bekannte und beliebte Burgen oder Schlösser – nähmen Zuschauern die Schwellenangst. 2000 Aufführungen hätten sie in den vergangenen 15 Jahren gehabt. Viele der Künstler, die an den Opern Tschechiens und benachbarter Länder gutes Geld verdienten, machten seit langem mit.

In Hann. Münden traf der Vortrupp der Tschechen bereits morgens um 8 Uhr ein. Die Bühne wurde aufgebaut, die 900 Stühle gestellt. Im Anschluss galt es die Theatertechnik zu installieren. Später kamen die Künstler zur Stellprobe und stimmten sich auf die Akustik des Platzes zu Füßen des Welfenschlosses ein. Nach der Aufführung übernachtete das Ensemble in Goslar, wo sie bereits in der Kaiserpflalz aufgetreten sind. Am Sonntag ging es zur nächsten Aufführung nach Aurich.

Warm und schmeichelnd klang der hebräische Königsneffe Ismaele (Tenor Josef Moravec), der Fenena (Mezzosopranistin Hana Dobešová), die legitime Tochter Nabuccos, liebt. Gleich zu Beginn des Stücks weist er Fenenas Stiefschwester Abigaille zurück. Voll Eifersucht verbündet sich die Verschmähte mit den babylonischen Hoheprister, den Regisseur und Bariton Kříž darstellt.

Von seiner Macht berauscht erklärt sich Nabbuco nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des salomonischen Tempels in einer dramatischen Szene selbst zum Gott und wird mit Wahnsinn gestraft. Abigaille nutzt die Chance und reißt die Macht an sich. Doch Nabucco kommt wieder zu sich, als seine geliebte, mittlerweile zum Judentum konvertierte Tochter Fenena hingerichtet werden soll. Er bekehrt sich selbst, rettet an der Seite seines Getreuen, Abdallao (Zednek Haas), sein Kind und gibt die versklavten Hebräer frei. Die nun ganz in schwarz gekleidete Abigaille vergiftet sich.

Von Michael Caspar

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