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Regional Finale mit Denis Scheck in der Lokhalle
Nachrichten Kultur Regional Finale mit Denis Scheck in der Lokhalle
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00:23 27.09.2018
Anne-Dore Krohn und Denis Scheck sprechen mit Küchenchef Frank Schaumberg auch über pietistische Vorbehalte und deutsche Nörgler. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Anne-Dore Krohn, Kulturredakteurin beim RBB, und der Literaturkritiker Denis Scheck führten durch ein Programm voller Anmerkungen und Anspielungen zu dieser genussvollen Verbindung, wunderbar von Julia Hansen vorgetragenen Texten, Musik und kulinarischen Köstlichkeiten. Der Abend in der Lokhalle war der Abschluss eines Literaturfestes, für das sie viel Publikumslob bekommen haben, wie Sabine Schormann, Direktorin der VHG-Stiftung, sagte. 23 Lesungen zwischen dem 6. und 23. September an 21 verschiedenen Orten von Cuxhaven, über Wolfsburg, Rotenburg, der Wedemark bis nach Hannover standen unter dem Festivalthema „Beziehungen“.

Nilpferdklößchen und pietistische Vorbehalte

Als Kellner und Kellnerin bei einem literarischen Degustationsmenu bezeichneten sich Krohn und Scheck, nicht ohne davor zu warnen, dass Literatur auch wackersteinschwer, so Scheck, im Magen liegen kann. Literatur sei eben nicht immer ein Betthupferl. „Am Anfang war das Rezept“, damit starten Krohn und Scheck in ihre Betrachtungen. Ob koscher oder halal, schon die allerersten Bücher warten mit Anweisungen zur Zubereitung auf.

Gewürzt werden Scheck und Krohns Tafelspitzen mit Fragen nach kulinarischen Spitzfindigkeiten wie Nilpferdklößchen an den in Göttingen geborenen Küchenmeister Frank Schaumberg. Die sind allerdings nicht so sein Ding. Nicht so gern äußert er sich auch über vegane oder vegetarische Essgewohnheiten, auch wenn er selbstverständlich eine vegetarische Menu-Variante und vegane Crème Brulée für diesen Abend serviert. Schon eher spricht Schaumberg über kulinarische Vorlieben von Politikern, für die er auch schon gekocht hat. Die von Scheck unterstellten pietistischen Vorbehalte, sich mit einem Glas Barolo und einem Teller mit Trüffeln erwischen zu lassen, werden doch seltener.

Tafelspitzen und Tischgespräche mit Denis Scheck

„Die Deutschen haben ja den Ruf elendige Nörgler zu sein“, erzählt Scheck. Als „schon sehr kritisch“, bezeichnet der Koch die deutschen Esser und Restaurantbesucher. Gleichzeitig seien sie aber oft nicht bereit, in gute Speisen zu investieren. Anders als die Franzosen. Auch von der „Ausweitung der Ekelzone“ und dem Verzehr von Innereien war noch die Rede.

Wie sich die Literatur mit dem Thema Essen und Trinken beschäftigt, dazu gaben die Texte einen Einblick, die Julia Hansen, langjähriges Ensemblemitglied des Deutschen Theater Göttingen, vortrug. Verhalten begann das mit Günter Grass, der in „Beim Häuten einer Zwiebel“ über einen Kochkurs in Kriegsgefangenschaft, dem Rühren in imaginären Töpfen und einem Küchenchef, dem Meister der Beschwörungen, schrieb. Vincent Klink hat in „Ein Bauch spaziert durch Paris“ das letzte Silvestermenu von Francois Mitterand beschrieben, Hansen trägt es genussvoll vor.

„Lasst uns den Kerl am Grill foltern“

Zu großer Form läuft die Schauspielerin dann in den beiden letzten Stücken auf. Bei „Hitze. Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling“ von Bill Buford kann der Zuhörer die Hitze am Grillposten – „er ist die Hölle“ –förmlich spüren, ebenso die Hektik an einem Hochsommerabend „Lasst uns den Kerl am Grill foltern“, die verzweifelte Angst vor der Kernschmelze, dem Punkt an dem alles zusammenbricht, die merkwürdige Atmosphäre an diesem Arbeitsplatz für Adrenalinjunkies. Das Publikum feiert ihren Einsatz begeistert.

Restaurant am Ende des Universums

Mit „Das Restaurant am Ende des Universums“ von Douglas Adams kann Hansen aber noch ein weiteres Highlight setzen. Ihre Darstellung des Tiers, das dazu einlädt gegessen zu werden, treibt den Besuchern die Tränen in die Augen – vor lauter Lachen.

Bei Quinoa-Traubensalat, zartem Rinderrücken und den wunderbaren Klängen zwischen Weltmusik und Jazz von Quadro Nuevo waren dann sichtbar auch die Tischgespräche launig.

Von Christiane Böhm

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