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Regional Fotografien und skurrile Figuren in der Torhaus-Galerie in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Fotografien und skurrile Figuren in der Torhaus-Galerie in Göttingen
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12:02 23.02.2019
Der „Alicatosaurus“ von Ricardo Hiller in der Torhaus-Galerie. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der Fotograf Stefan Müller und der Skulpteur Ricardo Hiller haben am Freitag ihre Ausstellung „fooxi“ – “fotografie trifft oxi-art“ – in der Göttinger Torhaus-Galerie eröffnet. Während der eine großformatige Bilder zeigt, stellt der andere skurrile Figuren aus Schrott vor.

Die Künstler Ricarado Hiller (rechts) Stefan Müller im Gespräch. Im Vordergrund: Hillers Figur „FU der Drache“. Quelle: Hinzmann

Etwa 70 Besucher waren gekommen, um die Werke der Künstler zu sehen und Holger Schäfer an der Harfe zu erleben. „Oxi-Art“ bezeichnet das Formen und Schweißen von Figuren aus metallenen Fundstücken vom Schrottplatz, erklärte die Kulturjournalistin Tina Fibiger bei ihrer Eröffnungsrede.

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Inspiration vom Schrottplatz

Ähnlich wie der Surrealist Max Ernst lässt Hiller sich von den einzelnen Teilen, die er auf Schrottplätzen findet, inspirieren. „Ich überlege dann, was kann das werden: eine Figur, ein Tier, ein abstraktes Wesen“, erzählte der Skulpteur, der im Alter von 18 Jahren von Chile nach Deutschland kam, um zu studieren. „Dann halte ich sie aneinander und sehe, was daraus wird.“

Die Metallteile behandelt er nicht nach, um ihnen Patina zu verleihen oder sie in Form zu biegen. „Den Lampenschirm von einer der ,Drei Schwestern’ habe ich genauso gefunden“, sagte er. „Beim ,Alicatosaurus’ habe ich nur die Füße aus den Nägeln geformt.“

Etwa 70 Gäste kommen in die Torhaus-Galerie, um die Werke der beiden Künstler zu sehen. Quelle: Hinzmann

Die Dinosaurierfigur besteht aus einer Zange, den Nägeln und einem zackigen Metallstück – man sieht auf den ersten Blick, was diese scheinbar unzusammenhängenden Einzelteile darstellen. „Alicates heißt auf Spanisch Zange“, erklärte Hiller, „daher ,Alicatosaurus’.“ Die Skulpturen wirken alle figurativ und lassen doch auch Raum dafür, sich in sie hineinzudenken und die Fantasie spielen zu lassen.

Fotografien mit Nähe zur Malerei

Ebenso wie Müllers Fotografien: Einige von ihnen wirken, als schaue der Betrachter durch ein Mikroskop und betrachte etwas Unbekanntes ganz aus der Nähe. Die Farben leuchten intensiv, doch Müller bearbeitet seine Bilder nur in Tonwerten und Kontrast nach.

So seien das hervorstechende Blau und Gelb in einer seiner Fotografien durch das Sonnenlicht entstanden, sagt der Fotograf. Was zu sehen ist, ist nicht gleich zu erkennen: ein alter Holzwagen, den Müller auf einer Radtour entdeckt hat. Für den Betrachter verschwimmt durch die tiefen Farben und die mysteriösen Motive die Grenze zwischen Fotografie und Malerei. „Ich wollte die Nähe zur Malerei zeigen“, sagte der Fotograf, der seit seiner Kindheit mit der Kamera arbeitet.

Ein Besucher betrachtet eins von Müllers farbenfrohen Werken. Quelle: Hinzman

Zwischen den Figuren und den Fotografien herrschen Gemeinsamkeiten, obwohl sie doch in Kontrast zueinander zu stehen scheinen. „Ich sehe die Werke nicht in einem Zusammenspiel“, sagte dagegen ein Gast, „sondern lasse die einzelnen Werke auf mich wirken.“ Ein anderer bewunderte vor allem die Fotografien. „Da ich selbst viel fotografiere, finde ich es sehr kreativ“, meinte er.

Eine Besucherin fand sich in der Skulptur „Drei Schwestern“ wieder. „Ich habe noch zwei Schwestern und habe überlegt, wer wer ist“, scherzte sie. Bei den Fotografien gefiel ihr, dass man nicht immer sofort sehen könne, dass es überhaupt Fotografien seien.

Die Ausstellung „fooxi“ kann noch bis Sonntag, 24. März, freitags bis sonntags in der Zeit von 15 bis 17 Uhr in der Torhaus-Galerie, Kasseler Landstraße 1 in Göttingen, besucht werden. Inmitten der Kunstwerke finden zwei Konzerte statt. Am Sonntag, 10. März, präsentieren Hanna Carlson (Gesang) und Gregor Kilian (Klavier) um 17.30 Uhr Balladen, Blues und Chansons sowie Swing. Am Sonntag, 24. März, bringen Heidemarie und Klaus Faber als Duo Kaviar & Selters um 17.30 Uhr ihr musikalisches Programm „So oder so ist das Leben“ in die Ausstellung. Die Karten zu beiden Veranstaltungen kosten im Vorverkauf 9 Euro und sind in der Göttinger Tourist-Information erhältlich.

Von Norma Jean Böger