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Regional Frau am Telefon, Killer steht vor der Tür
Nachrichten Kultur Regional Frau am Telefon, Killer steht vor der Tür
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19:06 21.09.2009
Darstellen, Dokumentieren: Lorenz Liebold, Imme Beccard und Anna-Katharina Philippi (v.l.).
Darstellen, Dokumentieren: Lorenz Liebold, Imme Beccard und Anna-Katharina Philippi (v.l.). Quelle: Simon
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Der Journalist Joachim Gaertner sichtete rund 25   000 Originaldokumente aus den Ermittlungsakten im Fall der beiden Schüler, die vor gut zehn Jahren in der Columbine Highschool in Littleton/USA ein Blutbad angerichtet hatten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren entwickelte er daraus den dokumentarischen Roman, den Regisseur Joachim von Burchard und Dramaturgin Nicola Bongard dramatisiert und als Uraufführung im DT-Studio auf die Bühne gebracht haben.
Der Stoff ist schwierig, aus verschiedenen Gründen. Die Jugendlichen Eric Harris und Dylan Klebold waren die ersten, die ein Massaker derart präzise und langfristig planten. Es war auch die erste Tat mit derart verheerendem Ausmaß. Harris und Klebold werden noch heute von einigen Jugendlichen verehrt. Nicht unwesentlich ist dafür neben Internetkommunikation auch Medienresonanz verantwortlich. Heikel also, sich mit diesem Thema theatralisch zu befassen, auch wenn die Intetion des DT-Teams natürlich Aufklärung ist.
Drastisch auch einige der (Ton-)Dokumente aus den Akten. So hat von Burchard auch Auszüge aus dem Mitschnitt eines Telefonates aus der Bibliothek der Highschool in das Stück eingebaut. Eine Lehrerin informiert die Polizei über die Eindringlinge, einer der Täter steht bereits vor der Tür. Wenig später wird er dort Menschen erschießen.

Information und Theatralik

Sehr vorsichtig sind von Burchard und Bongard mit dem Material umgegangen. Sie haben versucht, eine Balance zwischen Information und Theatralik zu finden. Selbst bei der Kostümwahl hat Ausstatterin Jeannine Simon es vermieden, den Tätern zu nahe zu kommen. Sie wählte typisch jugendliche Outfits wie sie an US-amerikanischen High­schools oder in Deutschland getragen werden, obwohl es möglich gewesen wäre, Hemden über das Internet zu kaufen, wie sie Harris und Klebold während der Tat trugen.
Ganz gelungen ist es ihnen allerdings nicht, die notwendige Distanz über die gesamte Spielzeit von gut 100 Minuten zu wahren. Vor allem, wenn Dominik Bliefert und Lorenz Liebold in die Rollen der Killer schlüpfen, überschreiten sie manchmal die Grenze – eine Entscheidung der Regie.
Sehenswert ist die Inszenierung dennoch, denn sie berührt. Sie wirft Fragen nach den Gründen einer solchen Tat auf, die sie allerdings nicht beantworten kann. Doch wem ist das bis heute, zehn Jahre nach der Tat, schon gelungen?
Weitere Vorstellungen: 24. September sowie am 5., 9. und 14. Oktober um 20 Uhr im Studio des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05    51   / 49    69    11.

Von Peter Krüger-Lenz

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