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Regional Festspielstart mit Donner und Blitz
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20:00 22.07.2019
Die Camerata Freden beim Eröffnungskonzert der Internationalen Fredener Musiktage in der Zehntscheune mit (von links) Adrian Adlam und Edward Daniel (Violinen), Thomas Hell (Klavier), Byron Adlam (Umblätterer), Yuko Inoue (Viola) sowie Lionel Handy (Violoncello). Quelle: Michael Schäfer
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Freden

Mit einem Konzert der Camerata Freden in der Zehntscheune sind am Sonnabend die 29. Internationalen Fredener Musiktage gestartet. Fortgesetzt wurden sie vom Armida-Quartett in Alfeld und der Trombone Unit Hannover wieder in Freden.

Ungewöhnliche Programme sind ein Markenzeichen der Musiktage, die in diesem Jahr unter dem Motto „Streichquartettfest und Blechbläserglanz“ stehen. Der von Donnergrollen begleitete Eröffnungsabend in der Zehntscheune bot Musik von Prokofjew, Saint-Saëns und Fauré. Zusammen mit seinem Geigenkollegen Edward Daniel zeigte Adrian Adlam in der einleitenden Prokofjew-Sonate für zwei Violinen, wie zwei Musiker mit ihren Instrumenten Konversation betreiben, bei der man beinahe Sprache zu vernehmen glaubt: hier temperamentvoll, ja bisweilen grimmig und ruppig, dort wunderbar gesanglich bis hin zu den süß schmeichelnden Tönen im dritten Satz, unter denen sich das Donnergrollen draußen im Leinetal beruhigte. Sehr konzentriert musizierten Adlam und Daniel, unangestrengt virtuos, mit großen Spannungsbögen.

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Heikle Besetzung

Das Septett von Camille Saint-Saëns ist eine Auftragskomposition der Pariser Kammermusikvereinigung „La Trompette“. Die Trompete war dabei vorgegeben, dazu kommt ein Streichquartett, ein Kontrabass und ein Klavier. Für eine einigermaßen funktionierende Klangbalance ist diese Besetzung heikel: Der Trompetenton ist sehr dominant. Doch in den zahlreichen polyphonen Passagen dieses Septetts erlangen die Stimmen eine gewisse Gleichberechtigung. Und weil Trompeter Simon van Hoecke auch mit sehr weichem, geschmeidigem Ton aufwartet, kommt tatsächlich Kammermusik zustande. Thomas Hell ist ein eminent virtuoser Pianist – er lässt die gebrochenen Akkordgirlanden nur so über die Tastatur rauschen und zeigt feinste Differenzierungen im Anschlag. Die übrigen Musiker – neben Adlam und Daniel die Bratschistin Yuko Inoue, Lionel Hardy (Violoncello) und Ilka Emmert (Kontrabass) – fügten sich bruchlos in den Gesamtklang ein.

Den krönenden Abschluss bildete Gabriel Faurés c-Moll-Klavierquintett op. 115. Den scheinbar unendlichen melodischen Fluss ließen Adrian Adlam und Edward Daniel an den Violinen, Yuko Inohe an der Bratsche und Lionel Hardy am Violoncello geradezu berauschend strömen. Und abermals setzte Pianist Thomas Hell virtuose Glanzlichter. Seine federleicht perlenden Läufe konnten die Zuhörer gleich zweimal genießen: auch in der Wiederholung des Scherzos als Zugabe, die das Publikum am Ende nachdrücklich eingefordert hatte.

Sonntägliche Matinee

Fortgesetzt wurden die Musiktage mit einer sonntäglichen Matinee im Alfelder Fagus-Werk. Die Produktionshalle, ein ausgesprochen charmanter Konzertort, war ähnlich voll besetzt wie die Zehntscheune am Abend zuvor. Kein Wunder: das Armida-Quartett gehört zu den führenden deutschen Streichquartetten der jüngeren Generation. Im Gepäck hatten sie neben wunderbar musizierten Quartetten von Mozart (KV 387) und Verdi (e-Moll) eine Uraufführung: das zweite Streichquartett des 39-jährigen Marko Nikodijević. Der Komponist ist ausgebildeter Mathematiker, doch riecht seine Musik nicht nach Papier, sondern ist temperamentvoll, rhythmisch faszinierend und strotzt von Einfällen. Die Resonanz im Publikum war groß, es gab Bravorufe und Pausengespräche, in denen Sätze wie „Ich glaube, das Stück wird die Konzertsäle erobern“ zu vernehmen waren.

Am Nachmittag beschenkten dann die acht Posaunen der Trombone Unit Hannover ihr Publikum in der Zehntscheune mit imposanten Schallräumen. Sie hüllten die Hörer in machtvolle, aber immer wieder auch ganz samtene Klänge ein. Gegründet hat sich das Ensemble vor zehn Jahren in Hannover – inzwischen sind die meisten Mitglieder Soloposaunisten in Orchestern zwischen Kattowitz, Hamburg, Stuttgart und Freiburg. Da ist es ein logistischer Glücksfall, wenn die acht Dienstpläne mal einen gemeinsamen Auftritt zulassen. Die Begeisterung war riesig.

Die weiteren Termine der Fredener Musiktage:

– Kuss-Quartett spielt Beethoven und Aribert Reimann am Dienstag, 23. Juli, um 19.30 Uhr in der Zehntscheune Freden,

– Trompeter Matthias Höfs und camerata freden mit Musik von Tartini, Dvořák, Mozart und Martinů am Mittwoch, 24. Juli, um 19.30 Uhr in der Zehntscheune Freden,

– Triokonzert „Hommage à Bach“ am Donnerstag, 25. Juli, um 19.30 Uhr in der Stadtkirche St. Nicolai in Alfeld,

– Festkonzert „1000 Jahre Wrisbergholzen“ mit dem Salaputia Brass Quintett am Freitag, 26. Juli, um 19.30 Uhr in der Kirche St. Martin Wrisbergholzen,

– „Vier gewinnt“, Kinder- und Familienkonzert mit dem Aris Quartett am Sonnabend, 27. Juli, um 15 Uhr in der Zehntscheune Freden,

– Streichquartette von Haydn, Mendelssohn und Brahms mit dem Aris Quartett am Sonnabend, 27. Juli, um 19.30 Uhr in der Zehntscheune Freden,

– Abschlusskonzert mit der camerata freden am Sonntag, 28. Juli, um 17 Uhr in der Zehntscheune Freden.

Für alle Veranstaltungen sind noch Karten erhältlich, Bestellung telefonisch unter 05184/950179, online unter www.fredener-musiktage.de.

Von Michael Schäfer

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