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Regional Fredener Musiktage: Brillante russische Kammermusik mit der Camerata Freden
Nachrichten Kultur Regional Fredener Musiktage: Brillante russische Kammermusik mit der Camerata Freden
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18:51 31.07.2013
Symphonisch: Benjamin Schäfer, Kathrin Rabus, Stefan Ahr, Matan Porat, Wen-Sinn Yang, Simon Sterle und Klaus Brettschneider (v. l.).
Symphonisch: Benjamin Schäfer, Kathrin Rabus, Stefan Ahr, Matan Porat, Wen-Sinn Yang, Simon Sterle und Klaus Brettschneider (v. l.). Quelle: Schäfer
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Freden

Drei solcher Trouvaillen standen auf dem Programm des Abends mit der Camerata Freden. Den Anfang machte eine Sonate von Viktor Suslin (1942-2012) für Cello und Schlagzeug.

Das einsätzige, David Geringas gewidmete Werk hebt an mit dunkel-drohenden Klängen, mit Zischlauten, die von einem mit einem Streicherbogen traktierten Becken stammen, mit unheilverheißenden Basstönen der großen Trommel, aus denen eine edle, herbe Klage des Violoncellos aufsteigt. Unvermittelt drängen sich vom Vibraphon und Marimbaphon ganz traditionelle Harmoniefolgen dazwischen.

Der Schluss des kurzweiligen, an unerhörten Klangfarben reichen Stückes entschwindet hoch in den Himmel: eine ungemein spannende Musik, die die Sinne fesselt. Cellist Wen-Sinn Yang konnte hier seinen großen, sanglichen Ton ebenso vorführen wie seinen virtuosen Umgang mit weniger gängigen Methoden der Klangerzeugung. Seine Schlagzeugkollegen waren gleichberechtigte, aufmerksame Partner.

Anton Rubinsteins Klaviertrio B-Dur – mit Matan Porat (Klavier) und Kathrin Rabus (Violine) – wirkte dagegen etwas akademisch. Den Glanzpunkt des Abends aber hatten sich die Musiker für den Schluss aufgespart: die 15. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch in einer Bearbeitung von Victor Derevianko für Klaviertrio und 13 Schlaginstrumente, bedient von Simon Stierle, Stefan Ahr, Benjamin Schäfer und Klaus Brettschneider.

Schostakowitsch zitiert hier ausgiebig, etwa Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre oder Wagners „Walküre“ – dieses Verfahren wirkt verwirrend, ironisierend, ja es scheint sogar Traditionen infrage zu stellen. Es gelang den sieben Musikern, die Strukturen dieses Werkes sehr klar zu zeigen. Sie setzten scharfe Akzente, bauten große Spannungsbögen, deren letzter noch weit über den Schlussklang hinaus reichte.

  • Ausschnitte sind am Dienstag, 13. August, um 20.03 Uhr auf DLR Kultur zu hören. 
  • Die Fredener Musiktage bieten bis Sonntag noch vier weitere Konzerte. Info und Karten: fredener-musiktage.de

Von Michael Schäfer