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Regional Fredener Musiktage: Uraufführung der Komposition "269 steps"
Nachrichten Kultur Regional Fredener Musiktage: Uraufführung der Komposition "269 steps"
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13:55 21.07.2016
Von Michael Schäfer
Adrian Adlam (Violine), Byron Adlam (Umblätterer), Thorsten Johanns (Bassklarinette) und Daniele Ghisi (Live-Elektronik)
Adrian Adlam (Violine), Byron Adlam (Umblätterer), Thorsten Johanns (Bassklarinette) und Daniele Ghisi (Live-Elektronik) Quelle: Schäfer
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Freden

Der Auftrag: Adrian Adlam, künstlerischer Leiter der Musiktage, hatte ein Stück für Violine und Bassklarinette plus Elektronik bestellt. Herausgekommen ist ein elfminütiges Stück für die genannten Instrumente und live eingespielte, zuvor gespeicherte Mini-Klänge, eingeteilt in 269 Schritte (Steps). Diese Schritte sind mal größer, mal kleiner, mal nur ein Ton, mal eine längere Passage. Die Nummern der Schritte werden projiziert: eine nicht zu unterschätzende Hilfe für den Hörer in diesem Ton-Mini-Kosmos.

Der Effekt dieser vielgestaltigen Musik ist erstaunlich, vor allem dann, wenn man zuvor angesichts der überbordenden Klangflut der etwas schwülstigen spätromantischen Musik von Ottorino Respighi (1879-1936) ein wenig um Luft ringen musste. Da wirkten die „Steps“ wie eine Befreiung, so als habe jemand ein Fenster aufgestoßen und Frischluft hereingelassen.

Die Anforderungen an die Live-Solisten sind hoch. Doch Violinist Adrian Adlam und Bassklarinettist Thorsten Johann ließen sich davon nicht schrecken, im Gegenteil: Beide hatten sichtlich Spaß an der Sache, auch wenn die Geige per Flageolett in schwindelnde Höhen aufstieg oder die Bassklarinette mehrere Töne gleichzeitig („multiphonics“) zu produzieren hatte.

Den Abend hatte der Pianist Thomas Hell mit einem breit dahinrauschenden Notturno von Respighi eröffnet. Anschließend war Hell Adlams Klavierpartner in der h-Moll-Violinsonate Respighis, die hier und da an César Franck und Johannes Brahms erinnert, beide Vorbilder aber in schwelgerischem Pathos weit übertrifft.

Die zweite Konzerthälfte begann mit „Paganiniana“, einem teuflisch virtuosen Mix aus Themen Paganinis, den sich Nathan Milstein auf den Leib geschrieben hatte und der Adlam gehörig herausforderten. Erholung bot dann Paganinis „Cantabile“. Bevor der Abend mit dem musikantisch schwungvollen, dialogfreudigen Klarinettentrio von Gian Carlo Menotti (1911-2007) sein offizielles Ende erreichte, steuerte Klarinettist Thorsten Johanns noch ein zeitgenössisches Solowerk bei: „Clair“ von Franco Donatoni (1927-2000).

Das erfordert ähnliche Schwerstarbeit wie Ghisis „Steps“, wobei Johanns sich auch in den aberwitzigsten Passagen seine Spielfreude nicht nehmen ließ, sondern stets ganz entspannt blieb. Zum Abschluss des Abends gab es Ghisis „Steps“ ein zweites Mal: zum gesteigerten Vergnügen der meisten Zuhörer. Nur eine Handvoll hatte vorher die Scheune verlassen.

Am Dienstag, 26. Juli, sendet Deutschlandradio Kultur eines Aufnahme dieses Konzerts. Beginn ist um 20.03 Uhr.

 

Der Komponist

Daniele Ghisi, geboren 1984 in der Nähe von Bergamo, hat Mathematik und Komposition studiert und beide Studiengänge mit Auszeichnung abgeschlossen. 2009/10 war er composer in residence an der Berliner Akademie der Künste. Derzeit lebt er in Paris.

Der von der Ernst-von-Siemens-Stiftung unterstützte Fredener Kompositionsauftrag habe ihn herausgefordert, erzählt Ghisi. Schon die Instrumentenkombination aus Violine und Bassklarinette sei sehr ungewöhnlich. Doch er habe noch etwas Bizarreres schaffen wollen. Seine Grundidee: das Geräusch eines Schrittes zu „orchestrieren“. Erst spielt die Violine ein Pizzicato, dann folgt ein Multiphonics-Klang der Bassklarinette. Und so weiter – in 269 Schritten.

Die per Live-Elektronik eingespielten Klänge entstammen einer riesigen Sound-Bibliothek, die Ghisi angelegt hat. Darin befinden sich Takte aus Schubert- oder Mozart-Sonaten ebenso wie Pop-Klänge, Schlagzeugsoli oder gesampelte Klänge. „Seine Palette ist diese riesige Datenbasis“, erläutert Adlam Ghisis Verfahrensweise.