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Regional „Freund von Klischees und funkelnden Sternen“
Nachrichten Kultur Regional „Freund von Klischees und funkelnden Sternen“
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18:57 03.11.2010
Will kein Popstar sein: Gisbert zu Knyphausen (Mitte) mit seiner akustischen Gitarre.
Will kein Popstar sein: Gisbert zu Knyphausen (Mitte) mit seiner akustischen Gitarre. Quelle: Heller
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Keine Frage: Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen, so der vollständige Name des Liedermachers, lockt die Menschen in den Hagenweg. Als Vorgruppe, oder eher Vorsänger, hat er Nils Koppruch mitgebracht. Dessen ehemalige Band Fink – in den 1990er Jahren in der deutschen Indi-Musikszene sehr präsent – scheinen die wenigstes zu kennen, trotzdem kommen er und seine mal mehr und mal weniger traurigen Lieder über das Leben und Scheitern gut an. Nonchalant steht er mit Gitarre und Mundharmonika auf der Bühne und erinnert dabei ein bisschen an einen einsamen Cowboy am Lagerfeuer. Doch gewartet hat das studentische Publikum auf zu Knyphausen.

„Hurra Hurra. So Nicht!“ heißt sein aktuelles Album. Bei der Veröffentlichung stiegt es gleich auf Platz zwölf in die deutschen Albumcharts ein, von den Kritikern wird es hoch gelobt. Zudem veröffentlichte er eine Single für das Hamburger Straßenmagazin „Hinz und Kunz“. Der 31-Jährige scheint alles richtig zu machen – auch an diesem Abend in der Musa. Dabei ist er kein Popstar, will es, glaubt man den Texten seiner Lieder, auch nicht sein.

Großartig sein – im wahrsten Sinne des Wortes – Abgesang auf den Casting-Show-Wahn: „Herzliches Beileid, du bist der große Gewinner. Und jetzt hängst du als Poster in all ihren Zimmern. Herzlichen Glückwunsch. Du hast alles verloren.“ Stattdessen heißt es bei ihm: „Ich singe meine Lieder, wohin das führt, wir werden sehen. Sie sind meine Art mich vor dem Leben zu verneigen.“ Oft geraten seine Songs arg pathetisch. Aber was soll’s? „Ich bin ein Freund von Klischees und von funkelnden Sternen“, gibt er selbst zu. Das gefällt.

Zusammen mit seiner Akustik-Gitarre, zwei E-Gitarristen, von denen einer bei Bedarf auch Keyboards bedient, einem soliden grauhaarigen Bassisten und dem Schlagzeuger betritt er die Bühne. Die vier begleiten ihn, mal krachend, mal verhalten, und wenn sie den Einsatz verpassen, verzeiht das begeisterte Publikum sofort. Einsamkeit, Angst, Melancholie, Freiheitsliebe – diese Themen sind Dreh- und Angelpunkte seiner Lieder. Und Themen dieser paradoxen Umwelt, die von vielen als ebenso unsicher wie trist empfunden wird.

Vielleicht ist er deshalb so erfolgreich, dass in der Musa von den weiblichen wie männlichen Zuschauern eifrig mitgesungen wird. Und dass man ihn erst nach mehr als zwei Stunden und mehreren Zugaben – unter anderem zusammen mit Koppruch – gehen lässt. Adel verpflichtet eben auch zu einem mehr als gelungenen Konzertabend.

Von Corinna Berghahn