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Regional Fünf Männer, fünf Stimmen, keine Instrumente
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19:40 01.09.2011
Mit Gänsehautgarantie: „Viva Voce“ begeistern die Zuhörer in der Stadthalle Dransfeld. Quelle: Heller
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Mit einem Song über das schöne Dransfeld singen sich Viva Voce gleich zu Beginn in die Herzen des Publikums, das schon beim zweiten Song freudig mitklatscht. Weiter geht es mit Humor, so singt Heiko mit seiner warmen, dunklen Bassstimme über die Probleme mit dem Chef auf Arbeit: „Ein Anruf beim Finanzamt und du stehst vor Gericht, kost’ mich gerade mal sechs Cent und ich mag dich nicht!“. Oder aber über den „Star“ aus Franken, den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dessen Plagiat-Affäre: „Was kann der Theodor dafür, dass er so schön ist?“. Das Publikum amüsiert sich köstlich.

Neben eigenen Liedern bieten die A-cappella-Sänger – ihre musikalischen Wurzeln haben sie im Windsbacher Knabenchor – ein breites Spektrum an Coversongs. Zu „I can’t dance“ von Genesis, gesungen von Basti, präsentieren sie eine witzige Tanzeinlage. Dann streiten sich die Tenöre Basti und „Charming Boy“ David singend, ob sie nun „Like a prayer“ oder „Like a virgin“ von Madonna singen wollten und gehen dabei fast aufeinander los. „You’re my heart, you’re my soul“ von Modern Talking performen die Sänger in verschiedenen Musikrichtungen: Heiko präsentiert den Countrystil, Jörg macht auf bekifften Reggaemusiker, MaTe zeigt ein paar Hip-Hop-Einlagen, Basti schreit den Song in guter Heavy-Metal-Manier und David präsentiert ihn als Opernarie.

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Sensationell ist, dass die Musiker vollkommen ohne Instrumente auskommen, nur von den anderen Stimmen – ein- oder mehrstimmig – begleitet. Trotzdem scheint es als wären Instrumente zu hören: ein Kontrabass, ein Schlagzeug? Das Geheimnis lüften die Jungs: Heiko kann mit seiner Stimme täuschend echt die Klänge eines Kontrabasses imitieren, was vor allem bei dem einen oder anderen Swing-Song überzeugt. Jörg bietet gleich ein ganzes Mund-Drumset: Nacheinander lässt er Becken und Trommeln einsetzen, bis sie gemeinsam einen richtigen Schlagzeugsound ergeben. Die Zuhörer sind fasziniert.

Als David alias blinder Andrea Bocelli sich von den anderen hereinführen lässt, führt das zwar zu einem Lacher im Publikum, als seine Stimme erklingt, verstummt dieser aber schnell: eine schöne, klare Tenorstimme erklingt. Für absolute Stille sorgt auch der Abschlusssong „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Die Musiker stehen still und bestechen nur durch ihren Gesang – Gänsehautgarantie!

Von Noreen Hirschfeld