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06:30 02.04.2019
Lassen für das Foto-Shooting „And when the Saints“ über den Zietenterrassen ertönen: Tom Wendler, Mino van Noort, Ole Rüter, Jonas Waltert und Aaron Ohlef (v.l.). Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Wenn am 7. April das niedersächsische Jugendjazzorchester „Wind Machine“ im Musa-Saal spielt, bedeutet das für fünf junge Göttinger ein Heimspiel. Für den gemeinsamen Auftritt proben die Musiker aus Göttingen im Alter von 14 bis 23 Jahren zuvor eine arbeitsreiche Woche lang in der Landesmusikakademie in Wolfenbüttel mit Orchestermitgliedern aus ganz Niedersachsen. Bis dahin galt: Jeder übt für sich allein.

Die Schüler Aaron Ohlef (14, Posaune), Jonas Waltert (16, Saxofon), Tom Wendler (17, Posaune) und Mino van Noort (18, Trompete) sowie Theologiestudent Ole Rüter (23, Schlagzeug) wirken wie ein Gegenentwurf zum Bild ihrer Generation, das kulturpessimistische Schwarzseher zeichnen. Gangster-Rap mit testosterongetriebenen Texten ist ihnen ebenso fern wie Deutschpop mit Pennäler-Lyrik. Sie stehen auf Jazz und Klassik, fachsimpeln über Komponisten, kennen sich aus Schulprojekten und der Göttinger Jazz-Szene. „Zumindest manchmal fette Beats, ansonsten zu flach“, bringt Rüter seine Meinung zum Rap-Genre auf den Punkt. „Ein bisschen eintönig“, kommentiert Ohlef den boomenden Deutschpop. Dylan oder Rockmusik? „Wenn’s sein muss.“

Ist mit 13 Jahren jüngster Musiker im Jugendjazzorchester des Landes gewesen: Aaron Ohlef. Quelle: r

Zu abgehoben und altmodisch wollen sie aber auch nicht rüberkommen. „Wir sind nicht auf klassischen Swing festgelegt“, sagt Ohlef: „Das Jugendjazzorchester hat auch poppigere Arrangements im Repertoire. „What’s going on“ von Marvin Gaye gehöre ebenso dazu wie „It’s just talk“ von Pet Metheny. Acht neue Mitglieder hat das Jugendjazzorchester in diesem Jahr nach dem Auswahl-Workshop im Januar aufgenommen, drei davon aus Göttingen. Rüter ist schon das dritte Jahr dabei, Ohlef das zweite Jahr, war mit 13 Jahren das jüngste Ensemblemitglied. Wendler und van Noort spielen mit dem Gedanken, Berufsmusiker zu werden. An diesem Punkt verlässt Wendler die Gesprächsrunde, die Ohlefs Eltern zusammengetrommelt haben. Er muss noch zu einer Posaunen-Satzprobe für die Uni-Bigband, in der alle fünf mitmischen. Die Musik geht vor.

30 Jahre Meisterwerke

„Mainstream & More – 30 Jahre Meisterwerke“ lautet der Titel des Konzertes von Wind Machine am Sonntag, 7. April, um 16 Uhr in der Musa in Göttingen. Schwerpunkte des Programms sind traditionelle und avantgardistische Meilensteine der Bigband-Geschichte, aber auch Kompositionen niedersächsischer Autoren, darunter ehemalige und aktuelle Akteure des Jugendjazzorchesters wie Jürgen Friedrich, David Grottschreiber, Niels Klein, Stefan Schultze sowie Orchesterleiter Prof. Bernhard Mergner. Zu den Bigband-Größen, denen gehuldigt wird, gehören Count Basie, Bill Holman, Duke Ellington, Sammy Nestico, Thad Jones, Bob Mintzer, Don Sebesky und Nelson Riddle. Im August folgen landesweit Geburtstagskonzerte zum 30-jährigen Bestehen des Ensembles mit Gastsolist Ack van Rooyen (Trompete und Flügelhorn), im Herbst eine Frankreich-Tournee in die niedersächsische Partnerregion Haute-Normandie. ku

Die Wurzeln für die noch frischen musikalischen Laufbahnen wurden früh gelegt, haben neben Talent und Liebe zur Musik auch mit bildungsbürgerlichem Background, mit Prägung und Förderung durch das Elternhaus zu tun. Und auch damit, dass Musik an vielen Schulen der Region einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Eltern der Göttinger Fünf, die alle auch Einzelunterricht an Musikschulen haben, unterstützen den Weg, den ihre Kinder eingeschlagen haben. Infiziert vom Pianospiel eines Großcousins hat Orchester-„Küken“Ohlef schon im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht genommen. Sein Vater spielt Didgeridoo, der Vater von Rüter Jazzgitarre.

Wind Machine verbindet musikalisch Generationen. Quelle: Lennart Möller

Auch Rüter, der aus einem Pfarrhaus in Nordstemmen stammt und in Göttingen evangelische Theologie studiert, ist schon früh mit Musik in Berührung gekommen. Die Altersobergrenze für das Jugendjazzorchester des Landes, die weit unter der für Nachwuchsorganisationen politischer Parteien liegt, hat er bald erreicht. Nach unten gibt es keine strikte Grenze. Eigentlich ist eine Aufnahme erst aber 15 Jahren vorgesehen, Ausnahmen sind aber möglich, wie Ohlef zeigt. Man muss aber unter 23 Jahre alt sein und nicht Musik studieren, wenn man aufgenommen werden will. Dann darf man bis zum Alter von 24 Jahren mitmachen.

Wendler und Ohlef besuchen das Hainberg-Gymnasium, haben dort bis zur siebten Klasse als Profil in der Bläserklasse gespielt und musizieren jetzt gemeinsam in der Schul-Bigband „Jazztified“. Waltert und van Noort sind Schüler der IGS Geismar, spielen dort in der „Blues Brothers Band“. „Die hieß schon so, bevor ich eingestiegen bin“, sagt van Noort: „Den Film finde ich aber auch gut“. In der Bläserklasse hat Wendler Tuba gespielt, ist dann auf Posaune umgestiegen. Van Noort war immer schon fasziniert von Trompetern in Jazzbands. Bereits in der Grundschulzeit – damals wohnte er mit seinen Eltern noch in Schweden – hat er begonnen, Trompete zu spielen.

Üben, üben, üben

Beharrlichkeit, Fleiß, Regelmäßigkeit und Ausdauer sind Tugenden, die die jungen Musiker mitbringen müssen. Ohle versucht, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zu spielen. Die Stücke für das Jugendjazzorchester würden größtenteils vom langjährigen Dirigenten Prof. Bernhard Mergner vorgegeben: „Man bekommt einen Stapel Noten zugeschickt und arbeitet sich vor, bevor es in die gemeinsame Arbeitsphase geht.“

Anders als beim Vorspielen für andere Ensembles würden beim Auswahl-Workshop für das Landesorchester Instrumental-Sätze und kleine Combos im Vordergrund stehen, berichtet Rüter. Zum Abschluss werde man dann zur Bigband-Formation zusammengeführt. Das gilt auch für die beiden jährlichen Arbeitsphasen des zusammengewürfelten Orchesters in Wolfenbüttel. Das Programm im Trainingslager in der Landesmusikakademie ist straff. „Eine Woche lang wird acht Stunden am Tag geprobt – erst in Sections, dann tutti“, erzählt Rüter. In Wolfenbüttel tritt das Orchester am 6. April auf, in Göttingen am Sonntag, 7. April, um 16 Uhr in der Musa. Karten sind vorab über reservix.de erhältlich.

Plattform für Kontakte

Das Jugendjazzorchester biete gute Möglichkeiten, gleichaltrige Musiker kennenzulernen und mit ihnen gemeinsame Projekte zu starten, sind sich die Göttinger Jazzer einig und verweisen auf in der Jazz-Szene bekannte Orchester-Gewächse wie Nils Wogram und Anna-Lena Schnabel. Im vergangenen Jahr habe es unter Federführung des Landesmusikrates ein gemeinsames Projekt mit dem Landesjugendchor und dem Landesjugend-Sinfonieorchester gegeben. Auf das kontrastreiche Konzert in Göttingen, das sowohl traditionelle als auch moderne Bigband-Arrangements biete, freuen sie sich besonders. „Endlich ein Heimspiel“, sagt Ohlef. Und da „Wind Machine“ in diesem Jahr seit 30 Jahren besteht, folgt nach der zweiten Arbeitsphase voraussichtlich eine Tournee durch die Normandie, auf die sich die Göttinger nicht minder freuen.

Nachwuchstalente spielen orchestralen Jazz

Seit 30 Jahren ist das Jugendjazzorchester eine Talentschmiede für musikbegeisterte junge Niedersachsen. Das Orchester wurde 1989 unter dem Dach des Landesmusikrates aus der Taufe gehoben, gab sich zehn Jahre später den Beinamen „Wind Machine“. Der spielt nach Angaben von Bildungsreferent Johannes Klose sowohl an eine Komposition von Sammy Nestico als auch das Windenergie-Land Niedersachsen an.

Das Jugendjazzorchester des Landes Niedersachsen Quelle: Lennart Möller

Die Bigband hat in drei Jahrzehnten mehr als 360 Konzerte absolviert, darunter in Frankreich, den USA, China, Russland und den Balkanstaaten. Knapp 300 Jazztalente haben im Lauf der Jahre das Orchester durchlaufen. Viele hätten sich als Profimusiker, Komponisten, Bandleader und Orchesterleiter einen Namen gemacht, sagt Klose. Andere würden „normalen“ bürgerlichen Berufen nachgehen. Angeleitet werden die Nachwuchsmusiker in intensiven Arbeitsphasen von ausgewählten Jazzdozenten und erfahrenen Jazzorchesterleitern. Schirmherr des Ensembles ist Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Dirigent seit vielen Jahren Prof. Bernhard Mergner.

Vom Kultusministerium gefördert

Unter Federführung des Landesmusikrates sind über das Jazzorchester eine ganze Reihe von Jugendensembles aktiv – vom Blas- bis zum Sinfonieorchester, vom Schlagzeugensemble bis zum Jugendchor. Der Landesmusikrat als Dachorganisation der niedersächsischen Musikkultur und Träger der Ensembles wird vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur institutionell gefördert.Als Highlights in jüngerer Vergangenheit nennt Klose den Auftritt bei der Eröffnungsfeier der „Woche der Brüderlichkeit“ in Hannover, die im ZDF übertragen wurde und das Sonderprojekt „Two Tribes. One Spirit“, für das Wind Machine um ein Streichorchester erweitert wurde. Im vergangenen Jahr habe sich das Ensemble bei „Groove & Grandezza“ mit dem Landesjugendchor gepaart, dabei Beweglichkeit von Blues über Samba bis Polit-Punk gezeigt: „Ansonsten blieb Wind Machine dabei, den großen Namen des orchstralen Jazz zu folgen und handwerklich sauberen, akustischen Jazz zu zelebrieren.“

Von Kuno Mahnkopf

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