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Regional Für den Panda-Rapper dicht an die Bühne
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20:02 16.09.2012
Von Peter Krüger-Lenz
Frisch genesen von einer Stimmband-Entzündung: Tim Bendzkos überraschender Auftritt in der Lokhalle.
Frisch genesen von einer Stimmband-Entzündung: Tim Bendzkos überraschender Auftritt in der Lokhalle. Quelle: Vetter
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Göttingen

Alexander Knappe ist einer von ihnen. Der Karriere als Fußballprofi stand ein Kreuzbandriss im Wege, dem Castingruhm er selbst. Mit einer Schwindelei, die aufflog, verabschiedete er sich aus der Show X-Factor. Einen Plattenvertrag ergatterte er trotzdem. Den Abend in der ausverkauften Lokhalle eröffnete er auf ganz großer Bühne vor 2500 Besuchern. Die meisten von ihnen waren allerdings wohl nicht wegen Knappe gekommen, aber sie applaudierten dennoch freundlich den selbstgetexteten Liedern, die viel nach Xavier Naidoo klingen und manchmal auch nach Herbert Grönemeyer.

Ivy Quainoo, eine Berliner Sängerin mit ghanaischen Wurzeln, zählt zu den absoluten Bühnenneulingen. Bei der Castingshow „The Voice of Germany“ sang die 19-Jährige im vergangenen Jahr erstmals vor großem Publikum. In Göttingen reichten ihr eine kleines Bühneneckchen für einen Auftritt mit starker Soulstimme und wunderschönem Clubflair.

Beim Eurovision Song Contest 2012 erreichte Roman Lob – „unser Star für Baku“ – einen respektablen achten Platz. Sein angenehm unprätentiöses Auftreten trug ihm viele Sympathien ein. Das war auch in der Lokhalle zu spüren. Mit den beiden NDR 2-Moderatoren Ilka Petersen und Holger Ponik plauderte er in einer Umbaupause entspannt über seinen Schlag bei den Frauen und seine rund 30 Mützen umfassende Sammlung, bevor er selbst zum Mikrophon griff – und wieder ganz sympathisch.

Tim Bendzko hat schon einige Male gewonnen, zuletzt den Bundesvision Song Contest 2011 und einen Echo 2012. Dabei wird er die jeweiligen Juroren vor allem mit seinen Texten überzeugt haben, denn über rasend viel Bühnenpräsenz verfügt 27-Jährige nicht. „Wenn Worte meine Sprache wären“ heißt Bendzkos Hit, den viele Besucher in der Lokhalle fehlerfrei mitsingen können. Ein wenig überraschend war Bendzko am diesem Abend dabei, denn er war noch bis wenige Tage vor dem Festival mit einer Stimmband-Entzündung außer Gefecht gesetzt.

Als Ersatz hatten die Festival-Organisatoren bei Max Herre angefragt, der erst absagte, weil er für seinen Auftritt einen Keyboarder brauche, den er aber gerade nicht habe. Dann aber kam plötzlich doch Herres Zusage, und das Gala-Programm hatte einen weiteren Künstler. Herre ist im Vergleich zu den Kollegen dieses Abends geradezu ein alter Hase. Der heute 39-Jährige startete seine Hip-Hop-Karriere in den 90er Jahren. Er arbeitet gerne mit Kollegen zusammen, unter anderem auch mit Cro, den Musiker wie Jan Delay für die Zukunft des deutschen Raps halten. Cro klinkte sich beim letzten Lied Herres zur Begeisterung des Publikums ein und beschloss anschließend den Abend – wie immer mit einer Panda-Maske vor dem Gesicht. Es war nach Mitternacht, und das Publikum rückte noch einmal dichter zusammen vor der Bühne.

Der Rapper ist jung, Anfang 20, heißt es. Und er hat den Rap mit Pop gepaart. Raop nennt er das junge musikalische Kind, das aus dieser Kreuzung entstanden ist und beim Hören wirklich Spaß macht. Den bereitete auch der spiddelige Cro, ein Dauerläufer, auf der Bühne. Nach gut drei Stunden ging dieser ereignisreiche Abend und mit ihm das grandiose Festival zu Ende.