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Regional „Fury“ spielt Akustik-Konzert
Nachrichten Kultur Regional „Fury“ spielt Akustik-Konzert
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15:07 22.11.2017
„Fury“-Sänger Kai Wingenfelder beim Auftritt in der Göttinger Lokhalle.
„Fury“-Sänger Kai Wingenfelder beim Auftritt in der Göttinger Lokhalle. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Mit „My little World“ steigen die Hannoveraner in den Abend ein. Ein Meer aus leuchtenden Handydisplays tut sich auf, als die Bandmitglieder die Bühne betreten. Viele Besucher wollen den Moment einfangen, den ersten Song mitschneiden. Dabei werden die Smartphones kaum detailliert einfangen können, was auf der Bühne zu sehen ist: Ein atmosphärisch dichtes Bühnenbild mit warm leuchtenden Lampions und hoch motivierten Musikern, denen man ansieht, dass sie richtig Lust auf das Musizieren haben. „Wir sind ja hier in der Lokhalle, da habe ich erstmal an die Deutsche Bahn gedacht“, scherzt Fury-Sänger Kai Wingenfelder zur Begrüßung. Er habe deshalb Angst gehabt, dass viele Besucher zu spät kämen. Dies sei glücklicherweise nicht der Fall. Dass tatsächlich einige Zuschauer zu spät kommen und sich im Halbdunkeln zu ihren Sitzplätzen durchkämpfen, scheint er nicht bemerkt zu haben. Wingenfelder erläutert stattdessen, dass die Band bei der Planung des Akustik-Sets Instrumente kennengelernt habe, die niemand zuvor gekannt habe. Dazu gehöre auch die Piccolo Mundharmonika, die in einigen Stücken zum Einsatz komme. Generell sei es interessant gewesen, mit neuen Instrumenten zu experimentieren.

Dass sich dieser Versuch gelohnt hat, wird beim nächsten Song, „Dancing in the Sunshine of the Dark“ deutlich – harmonieren Wingenfelders Stimme und der eindeutig folkige Sound hervorragend miteinander. Auf der Tribüne will trotzdem nicht so richtig Stimmung aufkommen. Einige Besucher unterhalten sich lautstark, andere packen sogar ihre Sachen und gehen. Applaus gibt es, als Wingenfelder auf die Plattform Demotapes.org hinweist – eine Internetseite, auf der Künstler musikalische Beiträge zum Thema Demokratie veröffentlichen. „Wenn wir nicht aufpassen, ist die Demokratie schneller weg als wir ’Scheiße’ schreien können“, sagt der 57-Jährige, und steigt sodann in den Song „Every Generation got its own Disease“ ein – begleitet von Kontrabass und Xylophon. Das Lied sei eines seiner persönlichen Favoriten, da es seine Aktualität nicht verloren habe, hatte Wingenfelder vor dem Konzert im Gespräch in der GT-Townhall verlauten lassen. Das Publikum bedankt sich mit einem lang anhaltenden Applaus, das Eis zwischen Band und Zuschauern scheint gebrochen. So richtig in Fahrt kommen die Zuschauer aber erst bei den „Fury“-Hits „When I’m dead and gone“, „Radio Orchid“ und „Won’t forget these Days“, sie klatschen und lassen sich nach Anweisung der Bandmitglieder sogar zum Aufstehen animieren.

Trotzdem wirkt das Konzert wie ein Abend mit angezogener Handbremse. Fury in the Slaughterhouse haben bewiesen, dass sie auch nach jahrelanger Bandpause ihr Handwerk immer noch perfekt beherrschen. Viele Fans hatten die Chance ergriffen, die Band im Rahmen ihrer„Little big World“-Tour noch einmal zu sehen. Viele Konzerte der Tour waren ausverkauft; die im Hamburger Grünspan aufgenommene CD des Akustik-Programms ist bei den Fans beliebt. Woran es liegt, dass der Funke zwischen Band und Göttinger Publikum nicht ganz überspringen will, konnte aber nicht abschließend geklärt werden. Im kommenden Jahr gehen die „Furys“ dann an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, um mit Fools Garden, H-Blockx-Frontmann Henning Wehland und weiteren Musikern auf hoher See zu musizieren. Weitere Konzerte sind jedoch nicht geplant.

Von Maren Iben

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