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Regional Töne wie Tränen beim russischen Abend
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00:21 09.05.2019
Unter Leitung des Dirigenten Daniel Spaw wechselte das Orchester die Stimmungen von tiefer Trauer bis nahe am Glück. Quelle: Hinz
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Göttingen

Vom Folklore-Instrument zum Konzertinstrument: Die Balalaika ist in Russland so beliebt wie hierzulande die Violine. An den dortigen Musikhochschulen studieren genauso viele angehende Musiker das dreisaitige Zupfinstrument wie das viersaitige Streichinstrument. Im Zusammenspiel mit einem Orchester ist die Balalaika sehr reizvoll: Sie bietet Klänge, die es im klassischen Instrumentarium nicht gibt. Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) stellte das Instrument am Sonntag im Rahmen des Zyklus Kulturelle Begegnungen im Deutschen Theater vor – und hatte einen Star-Virtuosen an seiner Seite.

Von tiefer Trauer bis nahe am Glück

Die musikalische Reise nach Russland beginnt mit einem Werk des Begründers der russischen nationalen Schule: Michail Glinka (1804-1857). Seine Ouvertüre aus der Oper „Ein Leben für den Zaren“ zeigt die typisch russische Liebe zu volkliedhaften Themen und einer subtilen Melancholie. Unter der Leitung von Daniel Spaw wechselt das Orchester unterschiedliche Stimmungen von tiefer Trauer bis zu Momenten nahe am Glück.  

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Dann betritt der Balalaika-Star Andrej Gorbatschow die Bühne. In zwei kurzen Stücken für Balalaika und Orchester von Alexander Schalow (1927-2001) zeigt der 49-Jährige die Facetten seines Instruments: Die warmen Töne können traurig wie musikalische Tränen klingen oder die Lebensfreude eines fröhlichen Volksliedes wiedergeben. Solistisch zeigt der Virtuose die vielfältigen Spielweisen dieses Instruments mit zwei Nylon- und einer Stahlsaite. In Variationen eines Volksliedes führt er mit atemberaubender Geschwindigkeit und temperamentvoll das Spiel mit ein, zwei oder fünf Fingern vor. Mit der Pizzicato- und Vibrato-Technik zeigt er, wie man die Töne emotional belebt.

Ein berührend schönes Spiel

Dirigent Spaw stellt anschließend den deutschen Komponisten Max Bruch (1838-1881) als Sammler russischer Volkslieder vor. In drei Sätzen seiner Suite nach russischen Volksmelodien Opus 79b führt das Orchester in die russische Volksmusik ein: getragen und von Tiefe durchdrungen, mit der Liebe zum Volkstanz und der Leidenschaft zum Gefühlsausbruch. Ein berührend schönes Spiel mit der Stille wird das Largo aus Antonio Vivaldis (1678-1881) Mandolinenkonzert. Auf der Balalaika übernimmt Gorbatschow gefühlvoll die Rolle der Mandoline. Das Orchester hält sich zurück und die gezupften Pizzicato der Streicher wirken wie eine Antwort auf die weichen Töne der Balalaika.

Die künstlerische Größe des Göttinger Symphonie Orchesters zeigt sich bei der zarten Ouvertüre aus der Oper „Chowanschtschina“ von Modest Mussorgsky (1839-1881). Die Musiker bringen hier die verborgene Schönheit zum Schwingen und die Musik zum Leuchten – Klänge so ergreifend wie eine morgendlicher Sonnenaufgang.

Spürbare Begeisterung ist die Antwort

Den meisten Applaus des Abends erhielt die Interpretation von Nikolai Budaschkins (1910-1988) Konzert für Balalaika und Orchester. Das GSO und der Balalaika-Virtuose harmonieren wunderbar. Der Solist kontrastiert rasend schnelle Läufen auf dem Griffbrett mit ruhigen verinnerlicht-zarten Tönen. Das Orchester antwortet schwungvoll und mit spürbarer Begeisterung.  

Andrej Gorbatschow und das GSO lassen das Konzert gemeinsam ausklingen mit einer kurzweiligen und humorvoll gemeinten Rock-Version des Volkliedes Kalinka in der Bearbeitung von Olga Ossipowa (*1973). Das Publikum bedankt sich für den russischen Abend mit viel Applaus. Der Solist spielt als Zugabe ein Balalaika-Solo: hochvirtuos, mit zauberhafter Klangfärbung und voller Seele – der russischen Seele.

Die nächsten Konzerte

Die nächsten GSO-Konzerte: Nach der Filmmusik: 10. Mai um 20 Uhr in Stadthalle Osterode, 20 Uhr; 11. Mai um 19.45 Uhr und am 12. Mai um 17 Uhr in der Lokhalle Göttingen. 3. Konzert Zyklus Promenade – „Carmina Burana“: 7. Juni um 19.45 Uhr in der Lokhalle Göttingen.

 

Von Udo Hinz

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