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Regional Himmlische Längen
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00:16 28.03.2017
„Dem Andenken eines Engels“ hat Alban Berg sein Violinkonzert gewidmet. Dieses ergreifende Werk stand am Freitag im Mittelpunkt des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO). Begeistert gefeierter Solist war Serge Zimmermann, Jahrgang 1991, am Pult stand Gastdirigent Alexander Merzyn. Quelle: Wenzel
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Göttingen

Mit Musik aus Glucks „Orpheus und Eurydike“ eröffnete das GSO den Abend, von Merzyn in der Ouvertüre zu sehr konturenscharfem, im „Reigen seliger Geister“ zu innig-zartem Spiel animiert. Mit blühend-warmem Ton setzte Soloflötistin Bettina Bormuth im Mollteil des „Reigens“ Glanzlichter.

Manon Gropius war der Engel, zu dessen Andenken Alban Berg sein Violinkonzert 1935 komponiert hat: die Tochter Alma Mahlers in ihrer zweiten Ehe mit dem Architekten Walter Gropius, die 1934 an Kinderlähmung erkrankte und Ostern 1935 im Alter von achtzehneinhalb Jahren starb. Sie muss einen ungewöhnlichen Liebreiz besessen haben – das spiegelt sich in Bergs zu Beginn sehr zärtlicher Musik. In der Mitte des Werks ist Manons Todeskampf musikalisch umgesetzt, die Erschütterung über ihr Ende im Zitat des Bach-Chorals „Es ist genug“ eingefangen.

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Serge Zimmermann war ein idealer Interpret dieses ergreifenden Werks. Er spielte seinen Part oft mit großem, raumfüllendem Ton, berührte aber auch mit ganz sanften, nach innen gewandten Klängen und erfüllte seine ausdrucksstarken melodischen Linien mit einer hochintensiven. fast körperlich spürbaren Spannung. Diesem Konzept passte sich das GSO unter Merzyns präziser Leitung flexibel an; bis in die Feinheiten der Tempogestaltung war das Zusammenspiel synchron, die von Berg penibel notierten Verhältnisse zwischen Haupt- und Nebenstimmen hielt der Dirigent sorgfältig ein. Dass Zimmermann trotz des geradezu fordernden Beifalls nach dieser erschütternden Musik keine Zugabe geben mochte, ist nachvollziehbar.

Finale des Abends war Schuberts C-Dur-Symphonie D 944, die „Große“ aus dem Todesjahr des Komponisten. Schumann war es, der als erster von den „himmlischen Längen“ dieses Werks geschwärmt hat. Das ist zugleich auch die Gefahr für den Interpreten: Es ist nicht leicht, den Spannungsbogen über derart weite Strecken zu halten. Doch das war für Merzyn kein Problem. Ein probates Mittel ist beispielsweise die Handhabung der Tempi, die hier und da durchaus ein wenig zurückgenommen werden können, um melodischen Schönheiten Raum zur Entfaltung zu geben, wenn man anschließend im Ausgleich das Tempo wieder strafft, um weiter nach vorn zu streben.

Wunderschön harmonierten hier die Holzbläser miteinander, denen Merzyn ganz zu Recht einen Extraapplaus zukommen ließ. Den hatten auch Solooboist Tiago Coimbra und die beiden Hornisten John Feider und Andreas Stemmler vollauf verdient. Ein Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird.

Nächstes GSO-Konzert: Promenadenkonzert „Ich bin verliebt“ am Freitag, 31. März, um 19.45 Uhr in der Stadthalle. Karten: Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und Duderstadt, Marktstraße 9.