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Regional GSO spielt Strauss, Raff und Brahms
Nachrichten Kultur Regional GSO spielt Strauss, Raff und Brahms
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17:31 04.03.2012
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Göttingen

Mit einer Orchesterfassung von Bachs Englischer Suite g-Moll eröffnete das GSO sein Konzert der Kleinen Reihe am Freitag in der gut besuchten Stadthalle. Arrangiert hat dieses Werk Joachim Raff, ein aus der Schweiz stammender Zeitgenosse von Brahms, der in einem Lexikon der Konzertliteratur von 1909 in einer Reihe mit Schubert, Mendelssohn, Schumann, Berlioz und Liszt aufgeführt wird. Raff hat den Cembalopart geschmackvoll auf Streicher, Bläser und Pauke verteilt. In der Sarabande besetzt er den Mittelteil mit Solostreichern, was einen besonders reizvollen kammermusikalischen Klang ergibt.

 Die Burleske für Klavier und Orchester, die Richard Strauss als 21-Jähriger komponiert hat, ist ebenfalls im Konzertsaal nur selten zu hören – nicht weil sie misslungen wäre, sondern weil sie mit einer Spieldauer von rund 20 Minuten kürzer als „normale“ Klavierkonzerte ist. Strauss erweist sich hier bereits als versierter Kenner der Instrumentation. Außerdem hat er eine originelle Idee umgesetzt: Er überlässt ausgerechnet der Pauke die erste Vorstellung des Hauptthemas. Vom Solisten verlangt er erhebliche virtuose pianistische Fähigkeiten.

 Über die verfügt die aus der Schweiz stammende Pianistin Esther Walker in hohem Maße. Sie gestaltete ihren Part zupackend, aber nirgends kraftmeierisch. Im Gegenteil: Immer wieder ließ sie gerade die zarteren Seiten dieser Musik hervortreten, machte den vollgriffigen Klaviersatz transparent und spielte mit federnden Rhythmen, die die Lebendigkeit dieser Burleske ausmachen.

 Gastdirigent Johannes Moesus, dem hiesigen Publikum bekannt als Leiter des Orchesters Göttinger Musikfreunde und Spezialist vor allem für Musik des 18. Jahrhunderts, leistete solide Arbeit. Zum Schluss zeigte das Orchester abermals seine Qualitäten an der vierten Symphonie von Brahms, zu der Moesus besonders im dritten Satz einige Leidenschaftlichkeit beitragen konnte. Dementsprechend herzlich war der Schlussapplaus.

Von Michael Schäfer