Galerie Art Supplement Göttingen: 30 Holzschnitte von Heiner Bauschert
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Regional 30 Holzschnitte von Heiner Bauschert in der Galerie Art Supplement in Göttingen
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Galerie Art Supplement Göttingen: 30 Holzschnitte von Heiner Bauschert

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07:22 28.08.2020
Selbstporträt von Heiner Bauschert (Ausschnitt).
Selbstporträt von Heiner Bauschert (Ausschnitt). Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Der Göttinger Ulrich Nauber ist ein Sammler, er sammelt Kunst von Heiner Bauschert (1928-1986). Das hat den kunstinteressierten Göttingern in den vergangenen Jahren immer wieder Ausstellungen mit vor allem Holzschnitten Naubers beschert. Derzeit läuft eine Schau mit 30 Blättern Bauscherts in der Galerie Art Supplement.

Biochemiker Nauber hat in den 70er-Jahren in Tübingen studiert. Dort kam er mit handgezeichneten zoologischen Wandtafeln kam er in Berührung. Später stieß er für die Holzschnitte des schwäbischen Künstlers Heiner Bauschert. Das Holzschnitte und Wandtafeln von derselben Hand stammte, ahnte Nauber damals noch nicht. Bauschert hatte nach seinem Kunststudium die Stelle eines wissenschaftlichen Zeichners an der Universität Tübingen angenommen, sein Broterwerb.

Ein Jahr vor seinem Tod geschnitten

Rund 500 Holzschnitten hat Bauschert geschaffen, 220 Motive hat Nauber in seiner Sammlung zusammengetragen. Diesmal hat er viele tierische Motive ausgewählt, einige Naturansichten und Mädchendarstellungen. Das älteste Werk, „Mädchen mit gelbem Haar“ entstand 1962, die jüngste Arbeit, ein Selbstporträt, stammt aus dem Jahr 1985. Er schnitt es einem Jahr vor seinem Tod. Dieses Werk ist übrigens das einzig unverkäufliche Blatt in der Schau.

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Gerade die frühen Werke Bauscherts erinnern an die großen expressionistischen deutschen Holzschneider des frühen 20. Jahrhunderts. Dass das nicht von ungefähr kommt, verrät ein Blick in die Vita Bauscherts. An der Akademie in Karlsruhe zählte der große Brücke-Künstler Erich Heckel zu seinen Lehrern. Er brachte dem Kunststudenten Bauschert das Lithografieren bei.

Sehr bewusst und konsequent

Bauschert setzte seine Bilder sehr kraftvoll um. Er ist in der Lage, sehr bewusst und konsequent zu reduzieren. Mehr noch: Bisweilen lässt er elegant aus. Er setzt die Unfarbe Weiß ein, um seine Sujets zu konturieren und herauszuheben. Und er setzt sich offensichtlich mit Material auseinander, dem Werkstoff Holz und dem Papier auf das er druckt.

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Der Holzschnitt ist eine sehr frühe Technik der Vervielfältigung. Schriften und Bilder konnten schnell in größerer Stückzahl hergestellt werden. Allerdings lässt diese Form des Drucks wenig Feinheiten zu. Holzschnitte leben von kantigen Flächen und harten Kontrasten. Den Umgang damit beherrschte Bauschert ebenso meisterhaft wie das Spiel mit der Oberfläche des Holzes, mit Maserungen und Astlöchern, die immer Teil der künstlerischen Gestaltung sind.

Im Handdruck gefertigt

Nur wenige Motive hat Bauschert in größerer Auflage maschinell hergestellt. Meist beschränkt er sich auf Auflagen von bis zu 30 Exemplaren, die er im Handdruck fertigt. Immer wieder legt er auch mehrfarbig mehrere Abdrücke übereinander. Das macht jedes Blatt einzigartig.

Starke Frauenporträts sind Teil der Ausstellung, Frauen, die selbstbewusst aus den Bildern schauen. Eine Kuh blickt auf einem Blatt wie keine realistische Kuh, meint ein Göttinger Künstlerkollege, der gerade dieses Bild besonders schätzt. Fische schwimmen durchs Aquarium, Vögel ziehen ihre Bahnen über Himmel. Ein besonderer Vogel war bereits in mindestens einer anderen Bauschert-Ausstellung in Göttingen zu sehen, der „Ölvogel“. Das von Öl verklebte Tier habe Bauschert nicht als Anklage abgebildet, sondern als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Natur, hat ein Autor einmal in einem Katalog geschrieben. Vielleicht ist ja auch sein Hang zum Holzschnitt so zu deuten.

Die Ausstellung „Impressionen jenseits der Krise“ mit Farbholzschnitten von Heiner Bauschert ist noch am Freitag, 28. August, in der Galerie Art Supplement, Burgstraße 37 A, zu sehen. Sie ist von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Heiner Bauschert ...

... wurde 1928 in Tübingen geboren. Im Alter von 17 Jahren begann er, die Kunstschule von Hugo Lange zu besuchen. Zehn Jahre ließ er sich ausbilden – bevor er an die Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe wechselte. Er studierte in der Malklasse von Wilhelm Schnarrenberger, in der Zeichenklasse von Karl Hubbuch. Lithografie brachte ihm Erich Heckel bei, im frühen 20. Jahrhundert Mitglied der Künstlergruppe „Die Brücke“ und einer der bedeutendsten deutschen Expressionisten. 1950 startete er als Freier Künstler mit einem Stipedium des Amerikahauses Karlsruhe. 1955 kam eine Parisstipendium des Regierungspräsidiums Südwürttemberg-Hohenzollern dazu. Inzwischen, im Jahr 1952, hatte er die Stelle als wissenschaftlicher Zeichner am Zoologischen Institut der Universität Tübingen angetreten.

Von Peter Krüger-Lenz