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Regional Gandersheimer Domfestspiele: Premiere und Lärmärger
Nachrichten Kultur Regional Gandersheimer Domfestspiele: Premiere und Lärmärger
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18:06 14.06.2019
Ein Akustik-Experte als Zaungast: Im vergangenen Jahr nahm ein Techniker zahlreiche Messungen bei den Gandersheimer Domfestspielen vor. Quelle: Niemann
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Bad Gandersheim

An diesem Sonntag, 16. Juni, hat auf der Festspielbühne vor dem Domportal in Bad Gandersheim die erste Produktion der diesjährigen Gandersheimer Domfestspiele Premiere. Ab 15 Uhr ist dort das Kinder- und Familienstück „Der Zauberer von Oz“ zu sehen. Eine Frage ist zum Auftakt der 61. Spielzeit noch in der Schwebe: Der Landkreis Northeim hatte in der vergangenen Saison durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen Messungen vornehmen lassen, um zu ermitteln, wie hoch die Geräuschbelastung bei den Festspielen ist. Das Gutachten liege inzwischen vor, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Allerdings habe es bei den Messungen ein Problem gegeben. Die Anwohnerin, die wegen des ihrer Ansicht nach zu hohen Lärmpegels bei den Festspielen vor Gericht gezogen war, habe den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigert, so dass ein Großteil der Messungen außerhalb stattgefunden habe.

Auflagen vom Gericht

Die Messungen waren eine Auflage des Verwaltungsgerichts Göttingen. Das Gericht hatte im Sommer 2017 der Klage einer Anwohnerin des Domvorplatzes stattgegeben, die sich durch die Geräuschkulisse während der Festspielzeit beeinträchtigt fühlte. Das Gericht verpflichtete den zuständigen Landkreis Northeim zum „bauaufsichtlichen Einschreiten“. Sollte sich herausstellen, dass die zulässigen Immissionsrichtwerte bei den Open-Air-Darbietungen überschritten werden, müsste die Behörde gegen die Bad Gandersheimer Domfestspiele gGmbH einschreiten.

Der Landkreis Northeim beauftragte daraufhin ein Ingenieurbüro in Hannover, das auf technische Akustik spezialisiert ist. Das jetzt vorliegende Gutachten basiere auf Messungen, die zwischen April und Juli 2018 vorgenommen wurden, teilte Verwaltungssprecher Dirk Niemeyer mit. Nach den Vorgaben des Gerichts waren jeweils an zwei Tagen des Auf- und Abbaus der Tribüne Lärmmessungen vorzunehmen, außerdem jeweils eine Messung bei den Proben sowie jeweils zwei Messungen bei den Abendvorstellungen der einzelnen Stücke. Dabei ging es nicht nur um den Geräuschpegel, den die Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker auf der Bühne produzierten, sondern auch um die Lautstärke, die durch die Beifallsbekundungen des Publikums entsteht. Die Messungen müssten insbesondere auch den Schlussapplaus und das Verlassen der Tribüne durch die Zuschauer erfassen, hieß es in der Gerichtsentscheidung.

Mehr als 37000 Karten verkauft

Die Messungen seien dadurch erschwert worden, dass die betroffene Wohnung der Beschwerdeführerin nicht zur Verfügung gestanden habe, sagte der Verwaltungssprecher. Aufgabenstellung des Gutachtens sei jedoch gewesen, die Geräuschimmissionen für diese Wohnung zu ermitteln. Deshalb hätten die Messungen nur außerhalb vorgenommen werden können, bei geschlossenem Fenster der Wohnung. „Geschlossene Fenster reflektieren aber den Schall, so dass die gemessenen Geräuschimmissionen auf rechnerisch ermittelten Werten beruhen“, erklärte Niemeyer. Derzeit würden die Ergebnisse des Gutachtens mit allen Beteiligten ausgewertet. Die Baufaufsichts- und die Immissionsschutzbehörde sowie der Jurist des Landkreises Northeim würden „den Sachverhalt und die Rechtslage noch intensiv und ausführlich“ prüfen.

Dessen ungeachtet erfreut sich das größte Freilichttheater Niedersachsens auch in diesem Jahr großer Beliebtheit. „Wir haben bereits mehr als 37.000 Karten verkauft“, sagte der Sprecher der Domfestspiele, Frank Bertram. Außer dem Kinderstück gibt es auf der Bühne vor dem Domportal noch drei weitere Produktionen zu sehen: „Der Glöckner von Notre Dame“ nach dem Roman von Victor Hugo (Premiere am 28. Juni), „Spatz und Engel“, die Geschichte der Freundschaft zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich (ab dem 21. Juni) sowie das Musical „Hair“ (Premiere am 5. Juli). Das kulinarische Schauspiel „Al Dente! - Ich bin hier le Chef“, das ab dem 10. Juli auf der Studiobühne im Kloster Brunshausen gezeigt wird, ist bereits so gut wie ausverkauft. Die Nachfrage nach diesem Stück sei derart groß, dass man bereits eine Zusatzvorstellung ins Programm genommen habe, teilte Bertram mit.

Von Heidi Niemann

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