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Regional Gastdirigent Kaspar Zehnder und das GSO in der Aula der Universität Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Gastdirigent Kaspar Zehnder und das GSO in der Aula der Universität Göttingen
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00:25 25.02.2019
Solist Kolja Lessing, Gastdirigent Kaspar Zehnder und das GSO in der Aula der Universität.
Solist Kolja Lessing, Gastdirigent Kaspar Zehnder und das GSO in der Aula der Universität. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Weil die Aula wesentlich kleiner ist als die derzeit geschlossene Stadthalle (mit ihrer ungewissen Zukunft), muss das GSO seine Abonnementskonzerte in diesem Saal an zwei aufeinanderfolgenden Abenden veranstalten, um alle Abonnenten unterzubringen. Doch der Aufwand lohnt: die Uni-Aula ist mit ihrer hervorragenden Akustik für klassische Musik ausgesprochen gut geeignet. Freilich muss man angemessene Programme wählen – für groß besetzte spätromantische Musik ist der Raum schlicht zu klein.

Zehnder arbeitete sorgfältig

Dementsprechend war das Programm am Donnerstag haargenau passend zusammengestellt mit durchweg schlank besetzten Streichern und Holzbläsern. Nur in Schuberts C-Dur-Symphonie kamen zwei Trompeten dazu, aber kein schweres Blech. Christoph Willibalds Glucks Ballettmusik zu „Don Juan“ stand am Anfang, die man nur relativ selten im Konzert zu hören bekommt. Eine solche Vernachlässigung hat dieses Werk keinesfalls verdient. Zehnder arbeitete sorgfältig die Spritzigkeit, den Kontrastreichtum und die ungemein wirkungsvolle Dramatik dieser Musik heraus, vor allem Glucks einzigartige Kunst, dies in einem ganz natürlichen Tonfall ohne barocken Zierrat vorzuführen. Farbige Akzente setzten Kastagnettenklänge im Fandango, ein sehr kunstvoll verwendetes Vibrato bei Hörnern und Streichern, das dieser Passage einen bewegend wehklagenden Charakter verlieh, sowie recht knifflige, feine Violinsoli, mit denen Bartosz Zachłod in der Konzertmeister-Position glänzte.

Herzlicher Beifall

Solist des Abends war der Geiger Kolja Lessing. Im „Pas de deux“ des israelischen Komponisten Tzvi Avni – einem Werk für Violine und Klavier, dessen Begleitpart Lessing für Streichorchester arrangiert hat – zeigte er tiefempfundenen Ausdruck. Diese Musik erinnert mit einigen orientalisch anmutenden Wendungen ein wenig an jüdische Liturgie. Im Kontrast dazu spielte Lessing Mozarts erstes B-Dur-Violinkonzert lebendig-virtuos mit keckem, spritzigen Ton, nur hier und da etwas eilig sowie ein wenig zu druckvoll und mit allzu spitzen Akzenten versehen. Für den herzlichen Beifall bedankte er sich mit dem „Vater aller Violinmusik“, wie er es formulierte, mit Johann Sebastian Bach nämlich, aus dessen a-Moll-Solosonate er das zart-ruhige Andante als Zugabe spielte.

Schöne Soli

Sehr jugendlich war das Finale dieses spannenden Abends: die sechste Symphonie von Franz Schubert, die bei aller Beethoven-Nähe doch immer wieder schon sehr deutlich Schuberts eigene Physiognomie musikalisch hervorleuchten lässt. Zehnder wählte angemessen frische Tempi, ohne zu hasten, sorgte für ausgewogenen Gesamtklang, auch wenn in der Akustik dieses Saales – zumindest für Hörer auf der Empore – die Bläser bisweilen die Streicher dominierten. Mitreißend stürmte das Scherzo im Presto dahin (kein Menuett im Allegretto, wie im Programmheft zu lesen), ein Tempo, das sich im Finale zu einem wunderbar entspannenden, ja behaglichen Allegro vivace beruhigte. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus für den Dirigenten und das – bis auf einige Unschärfen – sehr konzentriert und engagiert musizierende Orchester, bei dem in der Schubert-Symphonie die Streicher virtuos hervortraten und die Holzbläser schöne Soli besteuerten.

Info

Ein zweites Mal ist dieses Programm heute um 19.45 Uhr in der Universitätsaula zu hören. Eine Werkeinführung ist um 19 Uhr im Vorraum der Empore angesetzt.

Von Michael Schäfer

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