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Regional „Gebrüllt vor Lachen“ im Keller des DT
Nachrichten Kultur Regional „Gebrüllt vor Lachen“ im Keller des DT
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00:21 31.03.2019
Szene aus „Gebrüllt vor Lachen“ Quelle: R
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Göttingen

Was alles passieren kann, wenn sich zwei sogenannte moderne Menschen am Supermarktregal treffen: Dies lotet Christopher Durangs Zweipersonenstück „Gebrüllt vor Lachen“ aus. Die Inszenierung der jungen Regisseurin Leonie Rebentisch ist derzeit im Keller des Deutschen Theaters in Göttingen zu erleben.

Ach, das Leben ist so kompliziert, findet die Frau – gespielt von Katharina Müller. „Dieses dauernde Sich-bemühen-Müssen, lebenstüchtig zu sein...“. Doch was versteht sie darunter? Zum Beispiel ist es lebenstüchtig, im Supermarkt eine Dose Thunfisch zu kaufen, woran die Frau aber schon scheitert. Denn da ist dieser Mann, der nicht zur Seite geht, weil er sich scheinbar nicht entscheiden kann. Als ginge nichts anderes, attackiert sie ihn mit einem Schlag auf den Hinterkopf und weint noch dazu vor lauter Frust. Und dann befindet die aufgelöste Frau, die als moderner Mensch natürlich weiß, dass man auf sich achten soll: „Ich brauche jetzt Kultur und Ruhe.“ Was sie wohl auch und vor allem braucht ist das Reden.

Diese ganzen kleinen fiesen und unverschämten Dinge des Alltags, die ausgerechnet ihr widerfahren – wie unerhört – sie alle müssen verbal beackert werden. Dazu braucht sie ein Publikum mindestens so dringend wie das Atmen.

Das Atmen findet auch der Mann – überzeugend: Benjamin Kempf – unendlich wichtig, der sehr viel besonnener daherkommt als die Frau. Einfach nett wirkt er mit seinen brav gescheitelten Haaren und seinem hellblauen Rollkragenpulli. Ganz besonders wichtig seien aber auch positive Gedanken. Er sei schon ein besserer Mensch als früher, weil er darum wüsste, dass man seine negativen Gedankenmuster aktiv gegen positive austauschen müsse. Haben seine negativen Gedanken gar zu der Thunfischattacke dieser verrückten Frau neulich im Supermarkt geführt?

Das Stück des Broadwayautors Christopher Durang wurde vor über 30 Jahren geschrieben und hat so gar nichts an Aktualität eingebüßt. Was machen Menschen, die die alleinige Verantwortung für ihr Dasein und keinen Gott haben, dem sie wenigstens ein bisschen von der Last des eigenen Lebens abgeben können? Vor allem dann, wenn das eigene Leben so anders verlaufen ist, als es zu verlaufen hat? Sie flüchten sich in die totale Ichbezogenheit, versuchen es mit Therapie und Persönlichkeitsworkshops und werden in der Kluft zwischen Realität und Wunschdenken zu rohen Eiern, die jeder Kontakt mit dem realen Alltag schmerzt.

Die nach außen strahlend schöne Frau weiß nur zu gut, dass sie Probleme hat. Katharina Müller spielt großartig und verstörend. Nie weiß man, welche Emotion einen als nächstes erwartet und wann man ihr diabolisches Lachen zu hören bekommt. „Gebrüllt vor Lachen inmitten allerheftigsten Leids“: In diesem umgebauten Becket-Zitat findet sie sich gänzlich wieder. Wie wunderbar tröstlich für das moderne Individuum, wenn der Satz eines weltberühmten Autors das eigene Leben aufzuwerten vermag. In der krassen Diskrepanz zwischen äußerem Schein und innerem Erleben verkommt die echte Begegnung zur Unmöglichkeit, weil man sich vor lauter Egomanie nicht in den anderen einzufühlen vermag. Die Monologform des Stückes untermauert dies wunderbar.

Erst am Ende begegnet man sich – und dass nur fiktiv im Traum – und beleuchtet den jeweils anderen sprichwörtlich mit dem Scheinwerfer. Immer wieder spielt man die Situation am Thunfischregal durch. Wie absurd, aber auch wahnsinnig unterhaltsam. Genau wie diese 75 Minuten vergnüglichen Theaters.

Von Marie Varela

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