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Regional Gedenkkonzert für verfolgte und ermordete Musiker
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18:28 23.11.2018
Ausdrucksstarke Interpretinnen: die Pianistinnen Alvyda Zdanevičiūtė, Nahyun Park und Ye-Eun Kim Quelle: Schäfer
Göttingen

Den Abend im gut besuchten Clavier-Salon hatten die Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt gemeinsam mit dem Förderverein des Clavier-Salons veranstaltet. Der Beginn verzögerte sich ein wenig: Zwei der angekündigten fünf Studierenden hatten irrtümlich den Zug nach Uelzen statt nach Göttingen bestiegen und fielen deshalb aus. Doch für einen von ihnen konnte Zitterbart selbst einspringen, nur einer der acht Programmpunkte musste fehlender Noten wegen entfallen.

Nach der Begrüßung durch Roland Zeyen von der Geschichtswerkstatt Duderstadt eröffnete Zitterbart den Abend mit Paul Hindemiths „Nachtstück“ aus der „Suite 1922“, ein ausgesprochen düsteres Werk des von den Nazis als „Kulturbolschewist“ verfemten Komponisten, der zunächst in die Schweiz und 1940 ins amerikanische Exil ging. Diese Musik passte atmosphärisch genau zu dem finsteren Kapitel der deutschen Musikgeschichte, dem dieser Abend gewidmet war.

Jazz-Begeisterung in den 1920er Jahren

Zu den von den Nazis ermordeten Komponisten gehört Viktor Ullmann, von dem Zitterbart das zarte Notturno aus der 1943 im Lager Theresienstadt entstandenen fünften Klaviersonate vorstellte. Ein Jahr später wurde Ullmann nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern umgebracht. Eine 1927 komponierte Rag-Caprice von Stefan Wolpe (1902-1972), souverän von Zitterbart präsentiert, markierte die zeitweilige Jazz-Begeisterung der europäischen Komponistenszene in den 1920er-Jahren. Wolpe konnte sich frühzeitig vor den Nazis, die ihn als Juden und Kommunisten brandmarkten, durch die Flucht nach Palästina und in die USA absetzen und hatte nach 1945, wie Zitterbart berichtete, durch seine Teilnahme an den Internationalen Ferienkursen für Musik in Darmstadt einen gewichtigen Einfluss auf die musikalische Avantgarde in Deutschland.

Ebenfalls rechtzeitig vor den Nazis fliehen konnte die Komponistin Ursula Mamlok (1923-2016), die als 16-Jährige 1939 ins Exil nach Ecuador ging und von dort in die USA übersiedelte. Ihre 2011 entstandenen „Mosaics“ für Klavier zu vier Händen trugen Alvyda Zdanevičiūtė und Ye-Eun Kim mit viel Temperament und differenziertem Anschlag vor. Zitterbart steuerte anschließend drei geistreich-witzige Miniatur-Préludes von Boris Blacher (1903-1975) bei. Der Komponist konnte zwar anfangs seine Anfang der 1930er-Jahre begonnene Karriere noch unter den Nazis fortsetzen. Doch die wurde jäh gestoppt, als ihm 1939 mit dem Vermerk „Vierteljude“ sein Lehrauftrag an der Dresdner Musikhochschule entzogen wurde und er sich ins Privatleben zurückziehen musste.

Stücke aus „Der Pianist“

Stilistisch ganz anders, nämlich an Chopin orientiert, ist die Mazurka von Władysław Szpilman (1911-2000), der das Warschauer Ghetto nur durch ein Wunder überlebte, wie Polanski in seinem Film „Der Pianist“ nacherzählt hat. Ausdrucksstarke Interpretin dieser Mazurka war Nahyun Park, die zum Schluss die fünf Jazz-Etüden von Erwin Schulhoff (1894-1942) vorstellte. Schulhoff starb 1942 im Internierungslager Wülzburg an Tuberkulose. Mit den fulminant vorgetragenen, virtuosen und rhythmisch gepfefferten Stücken konnte Nahyun Park das Publikum nachhaltig begeistern.

Von Michael Schäfer

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