Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Geknickte Rotorblätter in der Seenlandschaft
Nachrichten Kultur Regional Geknickte Rotorblätter in der Seenlandschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 26.03.2012
Zwischen Natur und Technik: die Sujets der Künstlerin Anna Bittersohl.
Zwischen Natur und Technik: die Sujets der Künstlerin Anna Bittersohl. Quelle: Heller
Anzeige
Göttingen

Organisch wie eine Pflanze, ein Tier oder technisch wie ein Flugobjekt aus der Zukunft wächst der Propeller eines abgestürzten Flugzeugs in die Seenlandschaft ein. Mit fremdkörperartigen Schwämmen, Korallen oder Pilzen greift die Natur an einigen unauffälligen Stellen grellfarbig auf das Objekt über, verleibt es sich ein. Ringsumher versammeln sich schönste Pflanzen und Blumen zur idyllischen aber doch unwirklichen Landschaftsdarstellung, die Ränder des Sees sind undurchdringlich parkartig umwachsen, seine Oberfläche spiegelt hier und da in großartiger malerischer Manier die unterschiedlichen Grüntöne, fängt die anderen Farben auf und lässt zugleich ein wenig in die Tiefe blicken auf Wurzeln und Wasserpflanzen.

„Ich bin der Wanderer, das ist mein Nebelmeer“

Die Malerin Anna Bittersohl zeigt derzeit in der Galerie Ahlers ihre großformatigen Bilder in der Ausstellung „Ich bin der Wanderer, das ist mein Nebelmeer“. Im Rückbezug auf Caspar David Friedrichs Selbstportrait „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von 1818 setzt sich die 1982 in Dachau geborene Künstlerin nicht als Rücken­figur in den Landschaftsraum hinein, sondern stellt das Naturereignis als vermeintlich unvermitteltes dar. Wie bei Friedrich handelt es sich in den Bildern mit und ohne abgestürzte Flugzeuge oder Hubschrauber nicht um eine topografisch, der Realität „nachgeäffte“ Landschaft. Vielmehr zeigt die Assistentin Ralph Flecks in Nürnberg ein Zitat des deutschen Walds als Metapher und Sehnsuchtsort der Romantik.

In trügerischer Ruhe dehnen sich hellgrüne Flächen zwischen den Bäumen aus, ragen abgebrochene Äste morbide aus dem weichen, wohl wässrig-sumpfigen Untergrund hervor, treffen Ostseeküstenwälder auf Mangrovengrund. Die organische Fläche verschwimmt zur Farbfläche, changiert zwischen betretbarem Grund und sachtem Schweben.

Bei all der Präzision und der zugleich möglichen Verunsicherung und Subtilität  lotet Bittersohl die Möglichkeiten der Malerei aus.  Wären die Sujets nicht von kraftvoller Inbesitznahme geprägt, könnte man von ihnen absehen, die farbigen und formalen Stärken der Malerei als Malerei allein im Blick, denn um nichts Geringeres geht es in diesen Bildern, die im großen Format am stärksten sind: um die Malerei.

Die Ausstellung ist bis zum 21. April in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen, dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr zu sehen, sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

von Tina Lüers