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Regional Gisbert zu Knyphausen vor mehr als 300 Zuhörern in Göttingen
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00:23 01.02.2019
Gisbert von Knyphausen in der Musa Göttingen Quelle: Linnhoff
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Göttingen

„Du hältst die Schlüssel in der Hand und in der andern eine Tasche und fragst mich, ,Kommst du mit?’...“. Mit diesen Zeilen aus dem Lied „Niemand“ führen Gisbert zz Knyphausen und Band die Besucher in einen langen und mitreißenden Konzertabend.

Auch „Stadt, Land, Flucht“ beginnt mit eher zarten Klängen, bevor es in einem furiosen Bläsersatz endet. „...es ist ein Mittwoch kurz vor Herbst. Ein alter Baum fängt schon mal an, sich zu entkleiden. Der Sommer war ein viel zu kurzer Scherz und hinterlässt nichts als betretenes Schweigen...“ Sensible Alltagsbeobachtungen wie in dem groovigen „Unter dem hellblauen Himmel“ sind Knyphausens Stärke, die er mit leicht brüchiger Stimme zu akustischer Gitarre oder am Piano vorträgt.

„Wahnsinnige Wortkunst mit melancholischen Melodien“ Quelle: r

Nach seinem gefeierten Debüt 2008 hatte Gisbert zu Knyphausen nur zur akustischen Gitarre vorwiegend kleinere Bühnen bespielt. Inzwischen trägt er seine Lieder mit Band vor großem Publikum vor.

Mit Tim Lorenz an Schlagzeug und akustischer Gitarre, Martin Wenk von der Band Calexico (Trompete, Flügelhorn, Lapsteel- und E-Gitarre), Michael Flury (Sophie Hunger) an Posaune und Percussion, Florian Eilers (Bass, Gitarre) und Jean-Michel Tourette („Wir sind Helden“) an der E-Gitarre und Piano hat Knyphausen auch fast die gesamte hochkarätige Musikergilde des aktuellen dritten Albums „Das Licht dieser Welt“ für seine Tour gewonnen. Das vielfältig instrumentierte Werk wurde von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiert.

Zwischen Rio Reiser und Element Of Crime“

Der Rolling Stone führte „Das Licht dieser Welt“ in seiner Kritiker-Jahresbestenliste 2017 an Platz 15. „Wahnsinnige Wortkunst mit melancholischen Melodien“ attestierte ihm der Rolling Stone. Knyphausen hat seine eigene Sprache gefunden, für das, was er fühlt und beobachtet und wird immer häufiger in einem Atemzug mit Künstlern wie Rio Reiser oder der Band „Element Of Crime“ genannt.

Gisbert von Knyphausen in der Musa Göttingen. Quelle: Linnhoff

 

Zwischendurch rocken sich die Musiker durch Stücke wie „Hier bin ich“ oder „Erwischt“ mit allem, was die Instrumente hergeben, um dann zu Balladen wie „Dich zu lieben ist einfach“ wieder in eine feierliche Grundstimmung mit zarten Trompeten- und Xylofonklängen zu fallen. „Dreh dich nicht um“ wartet mit einem wunderbaren Posaunensolo von Flury auf. In dem Song „Kirchenschiff“ seiner anderen Band „Husten“ geht es laut Knyphausen um eine alte Dame, die in der Kirche das Gespräch sucht, zunehmend aber feststellt, dass es doch letztendlich nur Selbstgespräche sind.

Gisbert zu Knyphausen - Niemand

Das Berliner Duo „Yippie Yeah“ mit Marlène Colle (Gesang, Keyboards, Gitarre) und der Kanadierin Kristina Koropecki, die schon mit Agnes Obel musiziert hat, an Cello und Organelle eröffnete den Konzertabend. Sie spielen Lieder in vorwiegend in deutscher Sprache zwischen „Melancholie und Apokalypse“, wie sie es selbst betiteln. Ihre eindringlichen Songs in Zeitlupe mit Titeln wie „Grill Royale“ oder „So tun“ bleiben im Kopf und gehen unter die Haut. Den Bandnamen sehen sie als Kontrast zur apokalyptischen Grundstimmung ihrer Songs

Yippie Yeah - Grill Royal

Traurige Lieder an einem Montagabend

Mit den Worten „Vielen Dank, dass ihr an einem Montagabend hierher gekommen seid, um euch die vielen traurigen Lieder anzuhören“, verabschiedet sich Knyphausen von den mehr als 300 begeisterten Besuchern und ruft zur Unterstützung der Aktion „Eine Million gegen Rechts“ und zum Erhalt von bedrohten soziokulturellen Zentren auf.

Viel mehr hat er im Laufe des Abends nicht gesagt. Knyphausen hat lieber seine Lieder und seine hervorragende Band sprechen lassen.

Von Jörg Linnhoff

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