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22:07 07.09.2019
Tag der offenen Tür im Deutschen Theater. Quelle: Scharf
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Göttingen

Einem schlichten weißen Schild und der eigenen Neugier folgend führt der Weg des Besuchers in verbotene Bereiche. Er führt durch Türen, die dem Fremden eigentlich versperrt bleiben. Plötzlich steht man mitten in einer Winterlandschaft. Dicke Flocken fallen vom Himmel. Lichtkreise ziehen ihre Spuren über den Boden. Es ist eine Illusion. Eine von vielen, denen der Besucher begegnet, wenn er am Sonnabendnachmittag durch die Gebäude des Deutschen Theaters wandert.

Mit dem Tag der offenen Tür will das Göttinger Haus alljährlich Interesse an der bevorstehenden Spielzeit wecken. Das Ensemble lässt sich dann bei den Proben für die Stücke beobachten, die später wenig auf dem Programm stehen. Entsprechend groß ist das Interesse der Göttinger, die schon früh in Scharen durch die dunklen Gänge wandeln, und Proben zu ausverkauften Aufführungen machen.

Tag der offenen Tür im Deutschen Theater

Station 1: Auf der großen Bühne, auf der eben noch Kinder im Schnee spielten oder sich in einer Schaukel unter das Bühnendach ziehen ließen, steht jetzt das rudimentäre Bühnenbild zu Wajdi Mouawads „Vögel“. Regisseurin Katharina Ramser probt Szene sechs aus dem Stück, das bereits bei seiner Uraufführung für Furore sorgte. Es ist ein Romeo&Julia-Adaption inmitten des Nahost-Konflikts. Ein Jude liebt eine Palästinenserin und lädt seine Eltern zum Pessach-Fest nach New-York, um ihnen die frohe Kunde zu überbringen. Die sich daraus entspinnenden Dialoge überlagern und steigern sich, bis es aus dem Konflikt keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

Ramser, die unter anderem schon für „Terror“ oder „Zerbombt“ verantwortlich zeichnete, lässt wie zu Anschauungszwecken Passagen wiederholen, bittet die Schauspieler, dem Text andere Emotionen zu hinterlegen. Neben der Faszination für das Handwerk und die Kunst, ermöglicht die öffentliche Probe definitiv auch mehr Nähe zum Geschehen auf der Bühne.

„Iphigenie von Tauris“

Station 2: Eine Etage tiefer vor der DT-2-Bühne ist ebenfalls jeder Platz belegt. Das Publikum bekommt auch hier zunächst eine kleine Einführung und dann ein Versprechen: „Wir machen 100 Prozent Goethe“, sagt Daniel Foerster, der „Iphigenie auf Tauris“ inszeniert. Die Arbeiten an dem Klassiker laufen in Göttingen seit drei Wochen. Der Stoff ist nicht leicht konsumierbar, auch bei den Proben nicht. Hier bekommt der Zuschauer aber die Chance, ihn sich gemeinsam mit Rebecca Klingenberg, Marina Lara Poltmann und Florian Donath zu erarbeiten.

Station 3: Am mittlerweile fortgeschrittenen Nachmittag ist die Zahl an Theaterinteressierten noch weiter angestiegen. Wer sich jetzt über das Treppenhaus zur Probebühne 3 in den obersten Stock des Nebengebäudes aufmacht, muss schon Zeit und Geduld mitbringen. Dass hier Gäste, Mitarbeiter und Zuschauer in voller Kostümierung gemeinsam anstehen, erhöht allerdings den Unterhaltungswert. Und der Weg lohnt sich. Denn oben angekommen lässt sich der neue Haus-Regisseur des DT Moritz Beichl bei seiner Shakespeare-Bearbeitung über die Schulter schauen.

„Was ihr wollt“

„Was ihr wollt“ sei nicht nur die letzte Komödie des Altmeisters, sondern auch der Höhepunkt seines humoristischen Schaffens gewesen, erläutert Beichl dem Publikum. Die Spielfreude der Schauspieler, ein unerwartet auftretender Ensemble-Geist und ein unkontrollierbarer Fahrstuhl zeigen, womit ein Regisseur im Alltag zu kämpfen hat. Die Kombination der Ereignisse bei dieser Probe hätte aber auch gereicht, um selbst Shakespeare ein Schmunzeln über das Gesicht wandern zu lassen. Sollte die Premiere ähnlich unterhaltsam werden, dürfte dieses Stück einer der Erfolge der nächsten Spielzeit werden.

Apropos Erfolg: Die Organisatoren können mit dem diesjährigen Tag der offenen Tür durchaus zufrieden sein. Ob in der Requisite, wo Altbestände aus dem Fundus zum Kilopreis verkauft wurden, oder in den Werkstätten, wo sich vorwiegend kleine Besucher selbst versuchen konnten, überall war der Andrang groß und die Stimmung außergewöhnlich gut. Die Vorfreude ist offenbar geweckt, die nächste Spielzeit kann kommen.

Premieren der neuen Spielzeit am DT

„Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe hat in Göttingen am 19. September um 20 Uhr Premiere. Besetzung: Rebecca Klingenberg, Marina Lara Poltmann, Bastian Dulisch, Florian Donath und Lutz Gebhardt. Regie: Daniel Foerster

„Vögel“ von Wajdi Mouawad, aus dem Französischen von Uli Menke hat in Göttingen am 21. September um 19.45 Uhr Premiere. Besetzung: Florian Eppinger, Gregor Schleuning, Andrea Strube, Angelika Fornell, Paul Wenning, Anna Paula Muth, Katharina Müller und Marco Matthes. Regie: Katahrina Ramser.

„Der perfekte Moment - total verpennt“, Texte von Horst Evers ist am 24. September erstmals zu sehen. Besetzung: Ronny Thalmeyer, Regie: Johanna Schwung

„Was ihr wollt“ von Wiliam Shakespeare, hat am 12. Oktober Premiere. Besetzung: Volker Muthmann, Judith Strößenreuter, Gaby Dey, Gabriel von Berlepsch, Daniel Mühe, Gaia Vogel, Christoph Türkay, Felicitas Madl, Marius Ahrend, Katharina Müller und Carsten Hentrich. Regie: Moritz Beichl.

Von Markus Scharf

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