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11:00 29.07.2019
Florian Hilleberg alias Ian Rolf Hill vor einem seiner Bücher-Regale. Quelle: Markus Riese
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Göttingen

Kreative Köpfe gibt es so einige in Südniedersachsen. Florian Hilleberg aus Nikolausberg gehört in jedem Fall dazu: Weit über die Region hinaus ist er als Autor verschiedener Heftroman-Serien wie „John Sinclair“ oder „Professor Zamorra“ bekannt. Der 39-Jährige ist damit unter dem Pseudonym „Ian Rolf Hill“ mittlerweile so erfolgreich, dass er seinen eigentlichen Job als Krankenpfleger momentan ruhen lässt.

Anfänge im Supermarkt

Geboren und aufgewachsen ist Hilleberg in der Lüneburger Heide. In einem kleinen Dorf bei Uelzen begann seine Leidenschaft für Gruselromane – und zwar in einem Spar-Markt nahe der Grundschule, die er besuchte. „Schon die Titelbilder der Heftchen fand ich toll“, erinnert sich Hilleberg. Irgendwann, genauer: in der 28. Kalenderwoche 1989, kaufte er sich sein erstes Heftchen für 1,80 Mark (Sinclair-Band 575: „Vampir-Gespenster“), eine Woche später auch gleich die Fortsetzung. Weil das Taschengeld aber nicht immer reichte, ließen die Angestellten des Supermarktes ihn die Hefte häufig im Laden lesen. Irgendwann stellten sie ihm dafür sogar ihren Pausenraum zur Verfügung und schmierten ihm Marmeladenbrote.

„Der und seine Heftchen

„Als meine Mutter merkte, dass ich von den Geschichten Albträume bekam, wollte sie mir die Heftchen verbieten“, schmunzelt Hilleberg heute. Aber da war er schon so fasziniert von der Welt der Vampirkatzen, Dämonen, blutdürstigen Zombies und anderer schauriger Wesen, dass er nicht mehr davon los kam.

Hilleberg grüßt die Fans von John Sinclair:

Nicht nur seine Mutter, auch seine Lehrer konnten Hillebergs bevorzugter Lektüre nichts abgewinnen, bezeichneten sie als „Schund“. Vielleicht auch deshalb wurde er von seinen Mitschülern belächelt: „Der und seine Heftchen“, hieß es damals oft. Auf Diskussionen ließ sich Hilleberg aber nie ein. Stattdessen las er immer weiter und wurde zum absoluten John-Sinclair-Experten. Ein Deutschlehrer immerhin befand: „Hauptsache, der Junge liest.“

Heftromane als eigene Kultur

Heute sagt Hilleberg, durchaus mit Genugtuung in der Stimme: „Der Heftroman wurde vor zehn Jahren totgesagt, als der Kindle aufkam. Aber bis heute gibt es noch zig Serien unterschiedlichster Genres, zum Beispiel Arzt- oder Liebesromane. Das ist noch immer eine richtige Kultur“, findet der 39-Jährige. Er sei als Junge damit aufgewachsen – und froh, dass besonders „seine“ Reihe auch Krisenzeiten überdauert hat. Inzwischen gibt es von „John Sinclair“ weit mehr als 2000 Hefte. Und einige davon hat er inzwischen selbst beigesteuert.

Vom Fan zum Autor

Bis aus dem Sinclair-Fan ein Sinclair-Autor wurde, sollten aber noch einige Jahre vergehen. Zwar schrieb Hilleberg schon als Schüler gern Kurzgeschichten, doch nach Realschulabschluss, Fachhochschulreife und Zivildienst zog es ihn zunächst zum Studium der Forstwirtschaft nach Göttingen. Förster wurde er zwar nie, doch in Göttingen blieb er und hing noch eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger dran. Fortan arbeitete er als Pfleger in der Psychiatrie.

Krümel und Fidel Castro

Parallel widmete sich Hilleberg nun auch wieder den früheren Leidenschaften. Er begann damit, für Online-Portale Bücher zu rezensieren und selbst Kurzgeschichten zu verfassen. Für die Leser-Rubrik „Horror-Story der Woche“, die regelmäßig in den Sinclair-Heftchen zu finden ist, reichte er zehn Kurzgeschichten ein; drei davon wurden tatsächlich gedruckt. „Das motiviert natürlich“, sagt Hilleberg, der allein mit seinen zwei verschmusten Katzen Krümel und Fidel Castro in einer ruhig gelegenen Wohnung lebt. Sein Wohnzimmer wird dominiert von vollgestopften Bücher- und DVD-Regalen – etwa so, wie man es bei einem leidenschaftlichen Schreiber erwarten würde, allerdings sehr gut sortiert.

Ideen gehen niemals aus

Am Fenster steht ein Schreibtisch mit Laptop, der Blick geht ins Grüne und in die Weite. Hier schreibt Hilleberg fast jeden Tag, oft bis zu acht Stunden lang. „Da muss man schon diszipliniert sein“, betont er. Während des Schreibens kommen ihm manchmal direkt zwei, drei neue Ideen für weitere Geschichten. „Die Ideen gehen mir wirklich nie aus“, sagt er selbstbewusst – keine schlechte Voraussetzung für eine schriftstellerische Tätigkeit. Genau wie diese: „Am wichtigsten ist, dass man sich seine kindliche Fantasie bewahrt.“

Hauptjob als Pfleger ruht vorerst

Irgendwann wurde der Harley-Quinn-Fan als Autor immer gefragter und auch erfolgreicher, der Nebenjob nahm immer mehr Zeit in Anspruch. „Also reduzierte ich meine Stunden in der Pflege erst auf 30, dann auf 25 – und im August 2018 schließlich auf null.“ Mit seinem Arbeitgeber hat er erst einmal eine zweijährige unbezahlte Auszeit vereinbart. Es dürfte also noch einiges zu erwarten sein von Ian Rolf Hill, wie sich Hilleberg als Autor nennt.

Florian Hilleberg alias Ian Rolf Hill

Neben Geschichten rund um den „Geisterjäger John Sinclair“ schreibt Hilleberg regelmäßig für die Reihen „Professor Zamorra“ und „Maddrax“. Auch ein „Gespenster-Krimi“ ist kürzlich von ihm im Bastei-Verlag erschienen. Für das Neu-Eichenberger Hörspiel-Label Saphir Tonart schreibt Hilleberg außerdem Hörspiele der Reihen „Gordon Black“, „Edgar Wallace“, „Das magische Amulett“ und „Geisterstunde“. Auch in anderen Welten kennt sich der Horror-Autor aus; er hat sich zum Beispiel auch schon im „Sherlock Holmes“-Universum verewigen dürfen. Zusammen mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke schrieb Hilleberg den ersten großen Sinclair-Roman „Brandmal“. Für die Sonderausstellung „Die Nacht – alles außer Schlaf“ im Berliner Museum für Kommunikation fungierte er nicht nur als Experte, sondern schrieb sogar eine eigene Geschichte, die direkt im Museum spielt. Weiterhin schreibt er Rezensionen für verschiedene Portale und ist außerdem gefragter Gast bei Conventions, Lesungen und Szene-Treffen.

Interview mit Ian Rolf Hill:

Von Markus Riese

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