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Regional Ensemble „Cantoría“ in der Klosterkirche Nikolausberg
Nachrichten Kultur Regional Ensemble „Cantoría“ in der Klosterkirche Nikolausberg
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14:46 21.05.2018
Zugabe mit Kastagnetten: Ensemble „Cantoría“ mit Jorge Losana, Inés Alonso, Valentin Miralles und Samuel Tapia (von links) in der Klosterkirche Nikolausberg.
Zugabe mit Kastagnetten: Ensemble „Cantoría“ mit Jorge Losana, Inés Alonso, Valentin Miralles und Samuel Tapia (von links) in der Klosterkirche Nikolausberg. Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Die vier jungen Vokalisten – Inés Alonso (Sopran), Samuel Tapia (Countertenor), Jorge Losana (Tenor) und Valentin Miralles (Bass) – haben sich vor zwei Jahren an der Abteilung für Alte Musik der Musikhochschule Barcelona zusammengefunden. Unterstützt werden sie derzeit vom europäischen Nachwuchsförderprogramm „eeemerging“.

In der Musik zu Hause

Ein besonderes Lob vorweg: Es ist beileibe nicht selbstverständlich, ein komplettes Konzertprogramm auswendig zu singen, zumal die vorgestellten Werke überhaupt nicht zum gängigen Repertoire gehören. An keiner Stelle ließ die Konzentration nach – die gesungenen spanischen Texte umfassten im Programmheft kleingedruckt rund sieben Seiten. Aber „Cantoría“ lebt in dieser Musik, ist in ihr zu Hause, das war in jedem Augenblick dieses erfrischenden Vormittags zu spüren.

Die Musik stammte, wie Tenor Jorge Losana in seiner informativ-unterhaltsamen deutsch-englischen Moderation ausführte, aus der Zeit der spanischen Gegenreformation. Also ist in den Texten viel von Glaubensdingen die Rede, vom Abendmahl, der Gottesmutter Maria, vom Teufel, der Sünde und vom Erlöser. Aber auch der Alltag findet Eingang in diese Sätze. Werke zweier Komponisten bildeten den Hauptteil des Programms: Francisco Guerrero, ein 1599 gestorbener Südspanier, und sein eine Generation älterer Kollege Mateo Flecha „El Viejo“. Guerrero ist für die ernsteren Lieder zuständig, Flecha dagegen ein Spezialist für „Ensaladas“, Vokalsätze, die sich in bunter Mischung mit alltäglichen und religiösen Motiven befassen, bisweilen sogar mit mehrsprachigen Texten. Wohl kaum einer der zahlreichen Zuhörer in der Klosterkirche hatte diese Musik jemals zuvor gehört.

Natürliche Ausstrahlung

Das Ensemble ist sich musikalisch perfekt einig, die Intonation ist sicher, kleine Tempoänderungen vollziehen die Sänger vom ersten Ton an völlig synchron. Was ihren unangestrengten, fast durchweg lupenreinen Gesang vor allem auszeichnet, ist ihre natürliche Ausstrahlung, ihre impulsive Lebhaftigkeit im Ausdruck, die sie aber auch – etwa wenn es um Seufzer, Schmerzen, Ängste und den Tod geht – zugunsten einer bewegenden Innerlichkeit zurücknehmen können. Eine hinreißende Matinee, für die das Publikum begeistert applaudierte. Dafür belohnt wurde es mit einer von Kastagnetten begleiteten Zugabe.

Von Michael Schäfer