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Regional Göttinger Jazzfestival: So facettenreich war der erste Abend im DT
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Jazzfestival: So facettenreich war der erste Abend im DT
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14:17 09.11.2019
42. Göttinger Jazzfestival: Kinga Głyk gibt dem Publikum im Deutschen Theater die volle Bass-Dröhnung. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Das 42. Göttinger Jazzfestival präsentiert insbesondere jüngere und unbekanntere Musiker und Ensembles. Am Freitag ist das Jazz-Event im Deutschen Theater vor ausverkauftem Haus gestartet. Auf dem Programm der großen Bühne standen drei stilistisch ganz unterschiedliche Formationen.

Jazz als Brücke zwischen Kulturen: Genau hierauf setzten die Pianisten Edgar Knecht und Aeham Ahmad mit ihrem Quartett. Der eine steuerte die Tradition deutscher Volkslieder bei, der andere die Tradition arabischer Lieder. Beide sind auf dem Piano Virtuosen – mit unterschiedlichem Stil: Knecht bevorzugte liebliche Melodien und perlende Improvisationen, Ahmad dagegen ließ in seinem Klavierspiel wohltuenden Raum und füllte diesen mit seinem hohen und ausdrucksstarken Gesang.

Jazz als Brücke zwischen Kulturen: Edgar Knecht und Aeham Ahmad Quelle: Peter Heller

Gerade in der Gegenüberstellung und dem lustvollen Dialog zweier Kulturen wurden auch die Gemeinsamkeiten deutlich: Beide Pianisten vereinte ein subtiler Sinn für Romantik. Ob das deutsche „Die Gedanken sind frei“ oder ein arabisches Lied über Krieg und Flucht: Die Titel beiden Künstler waren immer wieder Appelle für Demokratie und Frieden.

Volle Bass-Dröhnung

Der Charme der vollen Bass-Dröhnung: Die polnische Bassistin Kinga Głyk präsentierte sich in innovativem Klanggewand. Eingerahmt von zwei Keyboardern und dem großartigen, kraftvoll spielenden Drummer Greg Clark jr. klang ihre Musik urban, nervös, laut und hart. Hektisches E-Piano und weiche Synthesizer-Soundwolken, funky Drumbeats und Samples aus dem Laptop boten die Umgebung, in die die Bassistin ihre Bass-Soli stellte. Sie und ihr Bass waren das Zentrum auf der Bühne.

Vom YouTube-Phänomen im Jazz-Bereich bis zum international gefeierten E-Bass-Wunder brauchte Kinga Głyk nur wenige Jahre. Sie ist erst 22 Jahre alt und mit ihrer brodelnden Mischung aus Jazz, Pop und Funk doch schon ein Stammgast auf den großen Festival-Bühnen. Quelle: Peter Heller

Die Musik reichte von Funk über Dancefloor-Beats mit Disco-Appeal bis hin zu atmosphärischen Balladen. Technische Probleme, eine noch nicht ganz rund laufenden Band und die eigene Unsicherheit glich diese Musikerin durch ihre sympathische Art aus. Es machte Freude ihr zuzuschauen, wie sie ihren eigenen Stil sucht und findet.

Schnell und atemlos

Jazz mit Punk-Attitüde bot um Mitternacht die Ruhrpott-Gang „Botticelli Baby“. Ihre zügellose Musik war ständig auf der Überholspur: Schnell und atemlos drängelten sich wüstes Gitarrenspiel, leicht schräge Bläsersätze, entfesselte Schlagzeug-Rhythmen und zickige Piano-Improvisationen. Doch im Mittelpunkt stand der exaltierte Sänger und Bassist Marlon Bösherz: Er rotzte Texte dreckig ins Mikrofon als wäre er Tom Waits und verlieh diesem Indie-Jazz mit Schreien die passende Ekstase. Zu dieser wildgewordenen Musik möchte man Pogo tanzen!

„Botticelli Baby“: Sieben junge Wilde aus dem Ruhrpott um den singenden Kontrabassisten Marlon Bösherz. Quelle: Peter Heller

Das Publikum drängelte sich auch im DT Studio und DT Keller, um die heimischen Neustarter und Altmeister zu erleben. Den ersten Festivalauftritt hatte das junge Quintett „Fapoon“ mit gekonnt gespieltem kraftvollen Fusion-Jazz und Funk. Eine schöne Ergänzung zum stilistisch ähnlichen Quartett „Ground Effect“, das gleich danach einen großartigen Auftritt im Studio ablieferte.

Hessisch-Niedersächsisches Trio

Der Göttinger Gitarrist Andreas Düker zeigt mit „Dreamland“ wie eng die Kontakte zwischen Südniedersachsen und Nordhessen sind: Mit der Kassler Sängerin Susanne Vogt und dem Perkussionisten Job Verweijen feierte er Songs von Joni Mitchell.

Der in den Ruhestand getreten GSO-Violinist Wojtek Bolimowski gründete mit „Just Bossa“ eine Gruppe, die sich im DT Keller ganz dem Bossa Nova á la Antônio Carlos Jobin widmete – eine schöne neue Klangfarbe auf dem Festival. Schlagzeuger Bernd Nawothnig zeigte ebenfalls im DT Keller seine neue Band. Seine Kompositionen klingen zugleich traditionsgemäß wie auch zeitgemäß neu.

Dass noch weit nach ein Uhr nachts das Theater voller Besucher war, zeigte, wie mitreißend das Programm und die eingeladenen Bands waren — ein gutes Zeichen für den folgenden Sonnabend im Deutschen Theater.

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