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Regional Göttinger Kammerorchester würdigt den Komponisten Paul Hindemith
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Kammerorchester würdigt den Komponisten Paul Hindemith
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20:40 31.10.2013
Musikalische Hommage an den Komponisten Paul Hindemith: das Göttinger Kammerorchester. Quelle: Vetter
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Göttingen

Doch Göttingen schläft nicht. Nach einem Hindemith-Programm des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) hat nun auch das Göttinger Kammerorchester diesem Musiker, einem der bedeutendsten deutschen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einen Abend gewidmet.

Auf dem Programm des Konzerts im nur etwas schütter besetzten Alten Rathaus standen drei stilistisch unterschiedliche Werke: die harmonisch herben Streichorchester-Stücke op. 44 aus dem „Schulwerk für Instrumental-Zusammenspiel“ (1927), der im Umfeld des Wagnerschen „Tristan“ angesiedelte frühe Liederzyklus „Melancholie“ op. 13 für Sopran und Streichquartett nach vier Gedichten von Christian Morgenstern (1919) und die 1936 entstandene „Trauermusik“ für Viola und Streichorchester.

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Ausdrucksstark und mit großer Intensität spielte das Kammerorchester – angeführt von der GSO-Konzert­meisterin Natalie Kundirenko – seinen Part und strafte mit der großen Emotionalität, mit der es diese Musik interpretierte, all jene Lügen, die Hindemith für einen Schöpfer trocken-langweiliger Werke halten.

Den Liederzyklus „Melancholie“ gestaltete die Sopranistin Theresa Sommer mit feiner Differenzierung der Farben und durchdachter Textausdeutung. Janusz Nosarzewski spielte seinen Solopart in der „Trauermusik“ mit großem, warmem Ton, sehr gefühlvoll, aber nirgends sentimental. Das geht tief zu Herzen.

Ergänzt wurde das Hindemith-Programm durch einen Vortrag der Altphilologin Andrea Bencsik, die das älteste griechische Musikdokument, eine mit antiker Notenschrift versehene Grabstein-Inschrift des Seikilos, vorstellte und interpretierte. Im Zusammenhang damit erläuterte sie die Unterwelt-Vorstellungen der altgriechischen Mythologie. Das hatte zwar mit Hindemith nicht viel zu tun, war aber gleichwohl eine bereichernde Information.

Von Michael Schäfer