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Göttinger Klänge unterm dem Weihnachtsbaum

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16:01 22.12.2020
Die Feisten sind einer der erfolgreichsten Göttinger Pop-Exporte. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Feiste Enten

Sie waren mal zu dritt, inzwischen nur noch zu zweit. Früher hießen sie Ganz Schön Feist, heute Die Feisten. Mathias Zeh und Rainer Schacht sind Ur-Göttinger, auch wenn sie heute in Kassel (Zeh) und Mannheim (Schacht) wohnen. Sie haben – zu zweit und zu dritt – eine ganze Reihe von Alben herausgebracht. Eine neue CD ist derzeit in Arbeit, aber vor Weihnachten noch nicht auf dem Markt. Dann greifen wir doch auf die jüngste zurück. Auf „Adam und Eva“ befinden sich einige Kracher wie beispielsweise „Aphrodisiakum“, „Junggesellenabschied“, „Komm bitte nicht“ und „Jean-Jaques und Jerome“. Ein Lied allerdings macht es unbedingt notwendig, dieses Album unter den Weihnachtsbaum zu legen: „Enten“. Dass diese Vögel keine Ohren haben, „nur aus Gummi rote Beine“, hat sicherlich einer der Feisten bei einem Spaziergang um den Göttinger Kiessee entdeckt. Bei einer kleinen Wanderung an den Weihnachtsfeiertagen um das Gewässer im Südwesten Göttingens unbedingt überprüfen. Das Album gibt es im üblichen Musikalienhandel.

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GSO spielt Debussy

Eine Welt-Ersteinspielung hat das Göttinger Symphonie-Orchester im Jahr 2016 produziert. Im Mai kamen die beiden Opernfragmente „La Chute de la Maison Usher“ und „Le Diable dans le Beffroi“ con Claude Debussy auf einer Doppel-CD in einer Live-Aufnahme vom Dezember 2013 heraus.

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Beide Opernfragmente gehen auf Erzählungen des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe zurück, für den Debussy zeitlebens ein besonderes Faible hatte. „La Chute de la Maison Usher“ (Der Fall des Hauses Usher“) sollte eine zweiaktige Oper werden, für „Le Diable dans le Beffroi“ (Der Teufel im Glockenturm) gibt es nur wenige Skizzen. Komplettiert wurden die Fragmente von dem britischen Musikforscher Robert Orledge.

GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller, der die Konzerte im Dezember 2013 leitete, war sehr gespannt auf den von dem in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur realisierten Mitschnitt. Vom Klang der Aufnahme war er sehr angenehm überrascht: „Das Orchester klingt fantastisch!“

Deutsche Volkslieder von Lilienthal

1976 gründete sich die Band Lilienthal in Göttingen. Die Musiker Rainer Schobeß, Wolfgang Beisert, Herwig Steymans und Hans-Jörg Maucksch spielten deutsche Volkslieder mit ungewöhnlicher Instrumentierung.

Lilienthal Quelle: Peter Heller

Schnell fand das Folk-Quartett ein Label und brachte ein erstes Album heraus. Weitere folgten. Steymanns erlebte eine Bekanntheit in der Szene als Sprecher. Mit seiner klaren Singstimme konnte er auch Hörspiele und Bücher einsprechen. Die Band löste sich nach dem Tod Steymans im Juni 2003 auf. Mauksch und Beisert sind heute noch musikalisch aktiv bei Front Porch Picking, Schobeß, tatsächlich in in Lilienthal bei Bremen aufgewachsen, arbeitet als Hörfunk-Redakteur. Alben von Lilienthal gibt es gebraucht auf Discogs.

Unglaubliches Spektakel

Es ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, rumst aber immer noch ordentlich: „Proud Like A God“, das Debütalbum der Göttinger Band Guano Apes. Mit viel Tempo und Dynamik haben die Apes, wie sie ihre Fans liebevoll genannt haben, im Jahr 1996 den bundesweiten Bandwettbewerb „Local Heroes“ gewonnen. Die CD produzierten sie mit dem Preisgeld. Fortan passierte das, was die beeindruckende Sängerin Sandra Nasic einmal so formulierte: „Plötzlich standen uns so viele Türen offen.“ Nasic singt mit unbändiger Kraft, Dennis Poschwatta ackert wie ein Tier hinter seinem Schlagzeug, Stefan Ude gibt einen der wildesten Basser, den Welt je gesehen hat. Gitarrist Henning Rümenapp liefert mit viel Undestatement knallharte Riffs an der Gitarre. Live war die Band ein unglaubliches Spektakel, doch das Album – wie gesagt – rumst auch ordentlich.

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Langsame Pferde und Cowboyhüte

Wir schreiben das Jahr 2004. Im Februar macht sich in Göttingen eine Band auf den Weg zum „German Country Award“ nach Erfurt. Die Messehalle der Stadt ist ausverkauft. Die Slow Horses mit Sängerin Gaby Schmidt sind nominiert für zwei Preise: in den Kategorien „Beste Band“ und „beste CD“. Am Ende gehen sie leer aus. Die Auszeichnungen landeten bei den bekannten Größen der Szene. Niedergeschlagen sind die Musiker um Schmidt deswegen nicht. Sie gehen weiter auf Tournee – und produzieren weiter Alben mit Country Music. Sie tragen Cowboyhüte und Hemden mit Kuhfellmuster. Ihre Fans mögen den souveränen Cowboysound und halten ihnen den Slow Horses Treue.

Die Jazz-Legende lebt

Eine Jazz-Legende ist in Göttingen geboren: Gunter Hampel. Noch immer lebt der 83 Jahre alte Musiker in der Stadt und sendet seinen Jazz hinaus in die Welt. Eine ganze Reihe von Alben hat der virtuose

Gunter Hampel Quelle: Christina Hinzmann

Saxofonist und Vibrafonist herausgebracht und mit den Großen der Szene gespielt. Manfred Schoof und Alexander von Schlippenbach sind darunter. In den vergangenen Jahren hat Hampel häufig mit jungen Musikern und Tänzern zusammengearbeitet, 1997 auch bei einem Konzert in Köln mit dem Rapper Smudo von den „Fantastischen Vier“. „Next Generation“ heißen diese Projekte, von denen es auch Alben und Blue Rays gibt. Einige davon gibt auf seiner Internetseite http://gunterhampelmusic.de/.

Hip-Hop aus der Region: Raportaz

Josch Nolte und André Peschke sind seit 21 Jahren die Raportaz. Vor 20 Jahren haben sie als Dresta und DJ OS Chill ihre Version von anspruchsvollem Hip-Hop in die Welt gebracht. Angetreten waren sie einst, um im nordhessischen und südniedersächsischen Underground gegen das Establishment und die Wohlstandsfantasien seiner Szene-Kollegen anzutexten. Schon bald machten sich die Hip-Hopper einen Namen in der Szene. Doch die war damals in Deutschland noch überschaubar. Dresta und DJ OS Chill hatten eine Botschaft, wollten Menschen mit ihrer Musik etwas mitgeben. Mit der Zeit sammelten sie eine Gruppe von befreundeten Künstlern um sich, ihre Veröffentlichungen trugen in der Folge das Label Raportaz Family. Der größte Erfolg kam 2005, als die Raportaz ihre Unterschriften unter einen Plattenvertrag setzten. Doch schon zwei Jahre später folgte das offizielle Ende. André verlegte sich darauf, die Musik anderer Künstler zu produzieren. Alle ihre bisherigen Songs und Alben sind heute wieder im Handel erhältlich

Süßer Pop mit Sugareen

Im Jahr 2000 hat sich die Band Sugareen gegründet. Sie ging aus „The Celestial Daffodils“ (deutsch: die himmlischen Osterglocken) hervor, die ihren Ursprung am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium mit den Gründungsmitgliedern Olaf Tauer, Jan Nesselhut und Michael Brakemeier hatte. Die letzte Besetzung bis zur Bandauflösung: Karin Reilly (Gesang, Orgel), Olaf Tauer (Gitarre, Hintergrundgesang), Daniel Adler (Schlagzeug), Christoph Kopmann (Gitarre, Hintergrundgesang) und Matthias Kranz (Bass).

Einige Jahre war die Formation, zeitweilig auch minimal anders besetzt, sehr präsent in der Göttinger Musikszene mit zauberhafter Popmusik, die nach 60er-Jahre und nach Blondie klang. Tatsächlich langte es für das Quintett auch zu einer überregionalen Popularität. Bei Festivals standen sie unter anderem mit Standen schon mit Fury in the Slaughterhouse, den Cultured Pearls, den Aeronauten und den Fantastischen Vier auf der Bühne.

Sugareen: Karin Reilly und Michael Brakemeier. Quelle: Peter Heller

Immerhin ein Video hat die Band noch veröffentlicht. Da hätte auch mehr draus werden können. Ihr einziges Album „Ready, Steady, Go!“ mit 14 Titeln gibt es noch auf Amazon und gebraucht über die Plattform Discogs.

Barocke Oper

Jedes Jahr steht bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen eine Oper des großen Barockkomponisten Georg-Friedrich Händel im Zentrum. Im Jahr 2020, dem 100. Jahr seit der Gründung, sollten alle Opern Händels in unterschiedlichen Formaten auf die Bühne kommen. Die Corona-Pandemie hat das verhindert. Im Vorjahr brachte das Ensemble gemeinsam mit dem Festspiel-Orchester unter der Leitung von Laurence Cummings, dem künstlerischen Leiter des Festivals, die Oper „Rodrigo“ auf die Bühne. Zu hören sind Erica Eloff (Sopran), Fflur Wyn (Sopran), Anna Dennis (Sopran), Jorge Navarro Colorado (Tenor), Russell Harcourt (Countertenor) und Leandro Marziotte (Countertenor). „Laurence Cummings hat das Festspiel-Orchester Götingen über die Jahre zu einem famosen Klangkörper aufgebaut, sein Händel klingt stilsicher, saftig, tempofest und begeistert mit herrlichen Soli (insbesondere Oboe und Solo-Violine in einer schwerelosen Arie der Esilena). Gesungen wird insgesamt vortrefflich“, urteilt Kritikerin Regine Müller in der „Opernwelt“. Zu beziehen ist das Album über Amazon.

Düster und elektronisch

Placebo Effect heißt eine Band, die ihren Ursprung in Duderstadt hatte, gegründet 1989, dem Jahr des Mauerfalls. Bis 1999 war das Trio Axel Machens, Christoph Kunze und Achim Windel aktiv. Im Rückblick schfreiben Kritiker dem Trio eine Vorreiterrolle für Dark Electro zu. Bandinterne Auseinandersetzungen über die musikalische Ausrichtung trieben schließlich die Auflösung 1999 voran. Doch aufgemerkt: Gerade im November hat Placebo Effect ein neues Album herausgebracht. „Shattered Souls“ heißt die CD. „Eine Electro-Legende kehrt zurück!“, verkündet das Label Poponaut beim Erscheinen. Düster geht es auch auf diesem Album zu und natürlich sehr elektronisch.

Minimalistische Popsongs

L’uke, das sind Karin Reilly und Daniel Adler. Das Duo ist hat sich vor etwa einem Jahrzehnt zusammengetan – nach einer gemeinsamen Geschichte in anderen Bands. Als l’uke, der Name deute es schon an, sind sie mit Gesang vor allem von Reilly und der Ukulele von Adler aufgetreten. Hübsch haben sie goldene Hits der 1980er-Jahre gecovert, mit viel Zucker darüber, voller Wertschätzung und großem Vergnügen. Ein Album haben sie herausgebracht. 2012 erblickte die CD das Licht der Welt. Stücke von Billy Idol, Blondie, Cyndi Lauper und anderen haben sie darauf gecovert. Sehr schön minimalistisch, melodisch und kuschelig. Und das Beste: Das Album gibt es noch im gewohnten Musikhandel zu kaufen.

Göttinger Punk: Deutsche Laichen

Pöbel-Punk vom Feinsten: Das sind Deutsche Laichen. Die Göttinger Band, bestehend aus Fluse (Bass), Kralle (Bass), Asche (Gesang), Krätze (Gitarre und Gesang) und Lila (Schlagzeug), steht seit ihrer Gründung 2015 in unterschiedlichen Konstellationen deutschlandweit auf Bühnen. Das Debütalbum erschien nach vielen Live-Shows im Juli 2019 bei dem unabhängigen Punkrocklabel Zeitstrafe. Ihre wütenden Texte gegen Sexismus, Homophobie und Diskriminierung verfasst die Band auf Englisch und Deutsch. Die neue EP „Team Scheiße“ ist im September erschienen und befasst sich vor allem mit Rassismus und der Situation nach den Anschlägen von Hanau und Halle.

„Flooot Zeug“ verspricht gute Laune

Die Göttinger Band Flooot hat Ende November ihre neue Single „Pillen“ rausgebracht. „Unterschwellig, pulsierend, fragend“ – so beschreibt die Band selbst „Pillen“ auf ihrem Instagram-Account. Mit seinen

Flooot bei einer Nikolausparty im ZHG. Quelle: Niklas Richter

melancholischen Untertönen passt es in diese Zeit.Das Debüt-Album der Band aus dem Jahr 2016 heißt „Flooot Zeug“ und ist ein Gute-Laune-Album, das zum Mitsingen und Tanzen einlädt. Die sechs Bandmitglieder vereinen unter anderem Hip-Hop und Pop und untermalen ihren ungewöhnlichen Sound mit Blasintrumenten. Während „Ein Liebeslied“, eine Liebeserklärung an das heimische Sofa, fast ungut auf den Lockdown vorauszudeuten scheint, macht „Unterwegs“ Lust auf das Reisen, sobald das wieder möglich ist.

Von Peter Krüger-Lenz, Yasmin Dreessen und Asja Wortmann

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