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Regional „Das Publikum ist ein Akteur“
Nachrichten Kultur Regional „Das Publikum ist ein Akteur“
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15:00 22.06.2018
Schauspieler Matthias Habich liest beim Göttinger Kultursommer 2018 aus "Der Spieler". Quelle: r
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Göttingen

Beim Göttinger Kultursommer wird der Schauspieler, der unter anderem in Filmen wie„Der Vorleser“ und „Ein halbes Leben“ mitgespielt hat, am 8. Juli im Alten Rathaus aus Fjodor Dostojewskis Werk „Der Spieler“ lesen. Eine Geschichte, in der der Protagonist immer tiefer in die Welt des Spiels gerät und im Rausch alles verliert: seine große Liebe, sein Ansehen, die Kontrolle über sein Leben. Im Interview spricht Habich über den Klassiker der Weltliteratur – und warum der gar nicht so tragisch ist.

Tageblatt: Herr Habich, wieso haben Sie sich für Ihre Lesung in Göttingen für Dostojewskis Werk „Der Spieler“ entschieden?

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Matthias Habich: Ich mag die Geschichte, sie hat Komik und ist lebendig. Und es geht bei der Lesung ja um einen lebendigen Abend. Einen anderen Grund gibt es nicht.

Kultursommer im Alten Rathaus

Neben der Lesung von Matthias Habich am 8. Juli um 20 Uhr gibt es eine Reihe weiterer Kultursommer-Veranstaltungen im Alten Rathaus:

Am 13. Juli wird ab 20 Uhr der erste Göttinger Kabarettgipfel mit Reiner Kröhnert, Arnulf Rating und Nessi Tausendschön veranstaltet.

Der 22. Juli gehört ab 20 Uhr Schauspieler August Zirner und dem Spardosen-Terzett, die gemeinsam eine theatralisch-musikalische Lesung zu „Frankenstein“ gestalten.

Macht, Geld, Sexy“ heißt es am 29. Juli ab 20 Uhr, wenn Finanzkabarettist Chin Meyer, begleitet durch Claus Dieter Bandorf am Piano, mit seinem Programm auf die Bühne tritt.

Den Abschluss im Alten Rathaus machen „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ am 5. August um 20 Uhr mit einem poetischen Musik-Theater-Kabarett.

Tickets für alle Veranstaltungen sind im Tageblatt-Ticketshop, Weender Straße 44 in Göttingen, erhältlich. Hier geht es zum kompletten Kultursommer-Programm: kultursommer.goettingen.de

Können Sie sich mit dem Protagonisten des Werks identifizieren oder ist das für so eine Lesung nicht notwendig?

Habich: Identifizieren muss man sich nicht. Ich kann es einfach vorlesen und mitspielen: Hineinversetzen muss man sich schon, aber ich lese ja sämtliche Personen, nicht nur den Protagonisten. Es gibt viele Dialoge, das ist eher wie eine Theateraufführung. Der Abend hängt auch vom Publikum ab, das Publikum ist auch ein Akteur.

Haben Sie denn eine Lieblingsfigur in „Der Spieler“?

Habich: Nein, die Charaktere sind alle interessant, die verliebte Polina, die herrschsüchtige alte Dame, der General ... ich gebe da keinem den Vorzug.

Wen würden Sie denn am liebsten spielen, sollte das Werk nochmal verfilmt werden?

Habich: Am liebsten natürlich die Hauptperson. Aber dafür bin ich zu alt, ich wäre wohl eher der General.

Und wenn das Alter und andere Voraussetzungen keine Rolle spielen würden?

Habich: Dann würde ich die alte Dame spielen, die ist am lustigsten und sehr kraftvoll.

In dem Roman geht es ja viel um menschliche Abgründe. Macht es Spaß, so etwas zu lesen oder spielen?

Habich: Es geht um Gier, Sucht, Schwäche, Liebe, Intrigen, Betrug. Um menschliche Abgründe geht es ja fast in jedem Roman. Die Geschichte ist aber eher eine groteske, komische, ich finde es heiter zu lesen. Die Hauptsache ist, dass es eine lebendige Geschichte ist, dass sie etwas über die Menschen aussagt.

Was reizt Sie denn an so einer Lesung im Vergleich beispielsweise mit Filmdrehs?

Habich: Die Begegnung mit dem Publikum. Das ist ja etwas anderes als im Studio, wo außer dem Kameramann nicht sehr viele Leute sind. Der Austausch mit dem Publikum ist sehr reizvoll, es ist eine Art Dialog oder Kommunikation, man bekommt direkt Reaktionen – hoffentlich, wenn es nicht eingeschlafen ist.

Das kann ich mir beim Göttinger Publikum nicht vorstellen. Waren Sie denn schon mal in Göttingen?

Habich: Ich bin schon einmal kurz durch Göttingen durchgefahren, aber auftreten werde ich dort zum ersten Mal.

Von Hannah Scheiwe