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Regional Göttinger Kultursommer: „Drei Frauen aus Deutschland“
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12:35 12.08.2018
„Drei Frauen aus Deutschland“ mit Karoline Eichhorn, Teresa Harder und Gesine Cukrowski (von links). Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Drei weibliche Lebensentwürfe: Im voll besetzten Deutschen Theater haben Teresa Harder, Karoline Eichhorn und Gesine Cukrowski Texte von Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann vorgestellt. Der Abend „Drei Frauen aus Deutschland“ gehörte zum Göttinger Kultursommer.

Es sei gar kein Frauenprogramm, sondern ein Abend über Menschenwürde und Toleranz, betonte Regisseur Martin Mühleis einleitend, also „ein Programm, das Männer ebenso interessieren sollte“. Doch höchstens zehn Prozent der Zuschauer waren Männer. Es ging um 200 Jahre Geschichte aus der Sicht dreier deutscher Schriftstellerinnen, von Mühleis in einer literarischen Collage aus Originaltexten und Sekundärliteratur zusammengetragen. Teresa Harder verkörperte Bettina von Arnim (1785-1859), Karoline Eichhorn las die Texte von Else Lasker-Schüler (1869-1945), Gesine Cukrowski repräsentierte Erika Mann (1905-1969), illustriert durch projizierte Porträts der Literatinnen. Die erläuternden Texte wurden jeweils im Wechsel von den Kolleginnen gesprochen.

Diese Dramaturgie ist einfach und sinnreich, der Sprecherinnenwechsel sorgt für Variationen der Stimmfarbe. Freilich fordert ein solches Programm, das sicherlich auch – ein angenehm altmodischer Ansatz – auf Bildung ausgerichtet ist, viel Konzentration. Denn die Informationsfülle war beträchtlich. So unterschiedlich die Lebensläufe der „Drei Frauen aus Deutschland“ auch sind, eines haben Arnim, Lasker-Schüler und Mann gemeinsam: Sie waren höchst eigenständige Persönlichkeiten, alle drei haben sich nie von Männern bevormunden lassen, sondern haben ihren eigenen Weg gesucht und dabei ihre Zeit nicht nur beobachtet, sondern auch mitgestaltet.

Bettina von Arnim hat die Geschichte, so wie sie von Männern geschrieben wurde, als „Mordlitanei“ gebrandmarkt. Sie beklagt die „Sklavenzeit“, in die sie geboren ist. Freiheit dagegen sei „der höchste Beweis göttlicher Weisheit“. Am liebsten wäre sie eine „Wolkenschwimmerin“. Sie wehrt sich weitgehend erfolgreich gegen die Versuche ihrer Umwelt, sie in das vorgegebene gesellschaftliche System zu pressen, veröffentlicht gegen alle Warnungen ihr Buch „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“, in dem sie deutliche Kritik am Weimarer Dichterfürsten übt, was zu dieser Zeit überhaupt nicht politisch korrekt ist.

Rund 100 Jahre später ist auch Else Lasker-Schüler eine unangepasste Frau, ihre Ehen sind von kurzer Dauer, sie hat enge Beziehungen zu Künstlern wie Franz Marc oder Gottfried Benn. Ihre expressionistischen Gedichte haben eine laute, ungestüme Sprache: „Es treiben mich brennende Lebensgewalten, Gefühle, die ich nicht zügeln kann.“ Schon 1903, lange bevor der Erste Weltkrieg ausbricht, dichtet sie: „Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wäre.“ Als Jüdin von den Nazis verfolgt, flieht sie in die Schweiz. Aber selbst dort wird sie mit Arbeitsverbot belegt. Die deutsche Staatsbürgerschaft wird ihr aberkannt. Sie stirbt in Palästina.

Erika Mann, die älteste Tochter Thomas Manns, ist ein aufmüpfiges Kind. Sie macht ein „Sau-Sau-Sau-Kotz-Abitur“, wird Schauspielerin, heiratet Gustaf Gründgens und verlässt ihn bald wieder, wird erfolgreiche Kabarettistin in der „Pfeffermühle“. In der Nazizeit emigriert sie zusammen mit ihrem geliebten Bruder Klaus in die USA, wird politisch aktiv, ruft zum Boykott deutscher Waren auf, hält Vorträge und arbeitet als Kriegskorrespondentin. Der Selbstmord ihres Bruders 1949 trifft sie tief – am Ende sagt sie: „Ich bin ein bleicher Nachlassschatten.“

Ein fesselnder Abend, getragen vom bemerkenswerten Engagement der drei Sprecherinnen, die die „Drei Frauen aus Deutschland“ scharf konturierten und sehr lebendig werden ließen. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall.

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Von Michael Schäfer

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