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Regional Göttinger Kunstverein zeigt Werke von elf internationalen Künstlern
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Kunstverein zeigt Werke von elf internationalen Künstlern
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16:39 30.10.2013
Nicht nur fertige Werke, sondern auch Einblick in den Entstehungsprozess: Blick in die Ausstellung im Alten Rathaus. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Das Klischee eines Künstlers, der aus heiterem Himmel durch einen Gedankenblitz zu seiner Idee kommt, folgt der Vorstellung von einem künstlerischen Genie. Das die Wirklichkeit ganz anders aussehen kann, beweist die Ausstellung „If mind were all there was“, die der Kunstverein Göttingen zusammen mit „AIR Berlin Alexanderplatz“ (ABA) im Alten Rathaus vorstellt. Zu sehen sind die Arbeiten von elf Künstlern, die in den Niederlanden leben und Recherchezeit in Deutschland verbracht haben.

Kunst macht Arbeit, das wird dem Besucher der Ausstellung schnell klar. Die Schau zeigt, wie Künstler intensiv recherchieren, Methoden entwickeln und sich eine Idee für ein Kunstwerk erst langsam entwickelt. Darum werden nicht nur fertige Werke präsentiert, sondern auch Arbeiten, die sich noch im Entwicklungsprozess befinden.

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„Was am besten ist, ist viele Monate Zeit zu bekommen“, sagt Susanne Kriemann, Gründerin von ABA. Sie nennt zwei weitere Punkte, die ihr nicht minder wichtig erscheinen: gut leben können und viele Leute kennenlernen.

Leute kennenlernen und gute Gespräche führen gehört zur Grundidee von ABA. Künstler treffen sich, reden miteinander und entwickeln gemeinsame Ideen. Gleichzeitig sei Abgrenzung wichtig, betont Kriemann. Die Räume des Alten Rathauses seien darum besonders für die Ausstellung geeignet, weil jedem Künstler eigener Raum zur Verfügung stehe, meint Kriemann.

Über Bilder und Symbole recherchiert der Künstler Florian Göttke. Seine Fotografie zeigt zwei monumentale Löwenstatuen, die einst zum Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal gehörten und jetzt im Tierpark Berlin aufgestellt sind. Sollten die Tierplastiken einst die Macht des deutschen Kaisers verdeutlichen, veränderte sich die Symbolwirkung am neuen Aufstellungsort massiv. „Damit sind sie zurückintegriert ins Tierreich“, meint der Künstler.

Über Kulturgrenzen hinweg

Auffällig ist, dass viele Künstler der Ausstellung sich mit den Konzepten Heimat und Sprache befassen. So lassen Lonnie van Brummelen und Siebren de Haan türkischstämmige Menschen einzelne Szenen auf dem Pergamonfries beschreiben. Die Erzähler nutzen dabei nicht ihre Muttersprache, sondern sprechen Deutsch.

Gleichzeitig übersetzten sie Bilder in Sprache. Vermittlung von Inhalten und Kommunikation über Kulturgrenzen hinweg sind Themen dieser Arbeit. Gleichzeitig zwingen die Künstler den Betrachter genau hinzusehen, indem sie einen Film zeigen, der den Fries nur sehr langsam abfährt. So kann der Betrachter selbst Details entdecken, sich aber auch von Details erzählen lassen, die andere gesehen haben.

Menschen mit Grundinteresse am Austausch von Wissen, so stellt sich Kriemann den Betrachter einer Kunstausstellung vor. Die Schau macht deutlich, dass Forscherwillen und Neugier zum Künstlerdasein gehört, aber auch zum Leben als Kunstkonsument.

Von Daniela Lottmann

Die Ausstellung im Alten Rathaus, Markt 9, ist bis Sonntag, 22. Dezember, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.