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Regional Aramburu stellt „Langsame Jahre“ vor
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19:52 30.07.2019
Schriftsteller Fernando Aramburu in der Innenstadt von Hannover. Quelle: Villegas
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Hannover / Göttingen

Welche Entscheidung führt wohin? Die Frage beantwortet sich oftmals lange Zeit später. Was bedeutet die Entscheidung, das Land zu verlassen? Was bringt die Entscheidung für den Kampf gegen einen Diktator? Fragen, die das Werk und auch das Leben des Schriftstellers Fernando Aramburu zum Thema haben.

Der 60-jährige Schriftsteller lebt in Hannover. Seine Entscheidung, 1983 dorthin zu reisen, traf der junge Mann aus Liebe. Der Student der spanischen Philologie folgte der Studentin, die in seiner Wohngemeinschaft in Saragossa gewohnt hatte. Die Entscheidung hat Aramburus Leben verändert, seine Pläne über den Haufen geworfen, in Spanien eine Laufbahn an einer Universität einzuschlagen.

In Spanien seit Jahren bekannt

Der einstige Spanisch-Lehrer ist seit 2009 ausschließlich Schriftsteller und Publizist. Er hat bereits zuvor Kurzgeschichten veröffentlicht. In Spanien ist Aramburo seit Jahren einem großen Publikum bekannt, in Deutschland seit dem vergangenen Jahr. Im Januar 2018 erschien hier sein Roman „Patria“. In dem Bestseller geht es um Entscheidungen für oder gegen den Terror, für oder gegen die Mitgliedschaft in der baskischen Terrororganisation ETA und welche Folgen das bis heute für die Opfer hat. „Es sind noch viele Wunden offen“, sagt Aramburu. Für seine Darstellung ist Aramburu ausgezeichnet worden und nicht nur von der Literaturkritik sehr gelobt worden.

Vorgeschmack auf den Göttinger Literaturherbst 2019

Bereits vor dem Start des 28. Göttinger Literaturherbstes am 18. Oktober wird Fernando Aramburu zu Gast sein. Der Autor soll einen Vorgeschmack auf das Literaturfestival geben. Am Mittwoch, 9. Oktober, ist die Lesung in Göttingen nur eine von drei, die Aramburu in Deutschland halten wird.

Über bleierne Zeit des Terrors der ETA und seinen Roman spricht der Autor mit Literaturübersetzerin Friederike von Criegern. Florian Eppinger, Schauspieler am Deutschen Theater, übernimmt die Lesung des deutschen Textes.

„Wenn man die Chance bekommt, Fernando Aramburu zu präsentieren, sagt man auf gar keinen Fall nein“, so Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes. Und weil der Reisekalender des Schriftstellers keine Chance gab, die Lesung im Festivalprogramm unterzubringen, wurde der Termin zu einem früheren Zeitpunkt verabredet.

Eintrittskarten für die Lesung von Fernando Aramburu sind ab sofort in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt erhältlich sowie unter www.literaturherbst.com. Der Vorverkauf für den Göttinger Literaturherbst beginnt am 15. August.

In Aramburus Geburtsstadt San Sebastián hat die von 1959 bis 2018 bestehende Untergrundorganisation ETA, die gegen den Diktator Franco kämpfte und die Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien wollte, die meisten Menschen ermordet, darunter auch Bekannte des Schriftstellers. „Das Baskenland ist klein, keiner ist von diesen Erfahrungen befreit“, sagt der Autor. Er schreibe darüber, wie diese kollektive Geschichte das Leben des Einzelnen beeinflusst habe, erklärte Aramburu im vergangenen Jahr gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Txiki steht im Mittelpunkt

In seinem neuen Roman ist der Schriftsteller das Prinzip noch intensiver angegangen. Er stellt einen achtjährigen Jungen namens Txiki in den Mittelpunkt, indem er einen Mann von seiner Kindheit in der Familie seiner Tante in San Sebastián in der Zeit von 1968 bis 1977 erzählen lässt. Ein Schriftsteller will aus den in Briefen mitgeteilten Erzählungen einen Roman schreiben und erstellt dazu 39 Notate, Bemerkungen, die den Fortgang erklären helfen.

„Langsame Jahre“ heißt der im Juni erschienene Roman von Aramburu, der wieder von der Tragödie des Baskenlandes, dem schweren Leben einer Familie während der Diktatur von Francisco Franco (1892-1975) und dem Hineinwachsen von jungen Menschen in den Widerstand erzählt. Aber es handelt auch vom Scheitern eines mutmaßlichen Verräters.

Wechselnde Perspektiven

Aus der Sicht eines Jungen einerseits und der eines Schriftstellers andererseits wechseln die Perspektiven in „Langsame Jahre“. Ein Kunstgriff ist die Form des Briefromans und vielen Notaten. Das stellt für die Rezeption ein erst mal gewöhnungsbedürftiges Wechselspiel dar.

Der Autor bemerkt einmal, dass er einen Roman schreiben wolle, um sich zu entschuldigen. Es bleibt offen, für was und bei wem.Ist es der ETA-Aktivist und Priester, dem die handfeste Tante eine schallende Ohrfeige verpasst oder sind es die ärmlichen, aber stolzen Zustände, die aus Menschen Untergrundkämpfer und Versager machen? Mit den Ausschmückungen und Vorgaben des Autors sind die Notizen eine Art Making Of-Blick auf das Werk.

Autor vom Bestseller „Patria“

Weit entfernt sind die dabei beschriebenen Methoden von Fernando Aramburos Vorgehen als Schriftsteller wohl nicht. Im Interview mit Literaturkritiker Denis Scheck erklärte Aramburu, als es in der ARD-Fernsehsendung „Druckfrisch“ um „Patria“ ging, er habe zuerst eine Struktur für sein Buch entworfen und dann losgelegt, das zu schreiben. Im letzten Notat von „Langsame Jahre“ steht, „Wenn ich merke, dass die Geschichte flutscht, sich erzählen lässt, erzählt werden will, nehme ich mir den ganzen Monat Zeit für sie. Und wie immer: Erreiche ich Seite fünfzig, gibt es kein Zurück.“

So sind 208 Seiten entstanden, die eine bedrückende Zeit beschreiben, nahe bringen. Erschienen sie einem Kind langsam, weil die Zeit unerträglich war und tragisch in vielerlei Hinsicht? Im Rückblick erkennt der Mann, welche Entscheidungen seine Kindheit und sein späteres Leben geprägt haben, „als sei schon alle Farbe aus der Welt gewaschen.“

Standesamt in Göttingen

Für das spätere Leben von Fernando Aramburu war übrigens die Entscheidung, nach Hannover zu gehen, eine Lebenswende. Seine heutige Ehefrau studierte damals in Göttingen. Weil ihr Freund aus Spanien keine Möglichkeit erhielt, in Deutschland zu bleiben, folgten die jungen Leute dem Rat, zu heiraten. In Hannover wurde ihnen das Ja-Wort vor dem Standesamt verweigert, schreibt Aramburu über sich in einer Darstellung seines Verlages Rowohlt. Der Standesbeamte witterte eine Schein-Ehe und verweigerte die Eheschließung. Aramburu: „Ein anderer Beamter glaubte an die Wahrhaftigkeit unserer Liebe und verheiratete uns auf dem Standesamt in Göttingen. Er hat sich nicht geirrt.“

Verlosung: Bücher und Eintrittskarten

Der Roman „Langsame Jahre“ von Fernando Aramburu ist im Juni im Rowohlt-Verlag erschienen (208 Seiten, 20 Euro). Drei Exemplare des Buches über eine Familie im Baskenland und den Unabhängigkeitskampf der ETA verlost das Tageblatt. Dazu dreimal zwei Eintrittskarten für die Lesung von Fernando Aramburu in Göttingen. Die Veranstaltung des Göttinger Literaturherbstes mit dem Literarischen Zentrum wird bereits Anfang Oktober stattfinden: Am Mittwoch, 9. Oktober, um 20 Uhr im Alten Rathaus in Göttingen, Markt 9.

Wer Tickets für die Lesung oder eines der Bücher gewinnen möchte, kann am Mittwoch, 31. Juli, zwischen 8 und 20 Uhr unter Telefon 0137/8600273 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort „Aramburu“ auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Namen der Gewinner werden im Tageblatt veröffentlicht.

Von Angela Brünjes

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