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Regional Spanischer Autor in Göttingen: Die Liebe des Fernando Aramburu
Nachrichten Kultur Regional Spanischer Autor in Göttingen: Die Liebe des Fernando Aramburu
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15:57 10.10.2019
Der Schriftsteller Fernando Aramburu zu Gast beim Göttinger Literaturherbst. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Sein Weltbestseller „Patria“ wurde in 32 Sprachen übersetzt. In „Langsame Jahre“ erzählt der spanische Autor Fernando Aramburu die Geschichte einer Kindheit in Spanien unter der Diktatur Francos. Bei einer vorgezogenen Veranstaltung des Göttinger Literaturherbstes sprach der Autor im Alten Rathaus mit der Literaturwissenschaftlerin Friederike von Criegern über seinen Roman. Die deutschen Textauszüge las Schauspieler Jan Reinartz vom Jungen Theater.

In Göttingen geheiratet

Er habe einen engen Bezug zu Göttingen. Die Stadt sei sein erster Wohnsitz in Deutschland gewesen. Er habe hier geheiratet, Deutsch gelernt und seine älteste Tochter sei hier geboren, erzählt Aramburu einleitend, bevor er eine Passage seines Romans in Spanisch liest und Reinartz ihm mit dem deutschen Text folgt.

Die Liebe zu seiner deutschen Frau führte Aramburu 1983 nach Hannover. San Sebastián ist seine Heimatstadt, und so trägt der Roman, der im Spanien der 1960er-Jahre unter der Franco-Herrschaft spielt, auch teils biografische Züge. Er habe ein Buch über die einfachen Leute in seiner Heimat schreiben wollen, so Aramburu. Der achtjährige Hauptakteur Txiki sei jedoch nicht autobiografisch, aber er habe selbst, wie im Buch beschrieben, einen Cousin mit „Käsefüßen“.

Bleierne Franco-Zeit

„Langsame Jahre“ ist die Vorgeschichte zu seinem weltbekannten Roman „Patria“. Der Titel spielt auf die bleierne Franco-Zeit an. Aramburu zeichnet die damalige Stimmung in Zeiten der Repression unter der Diktatur mit einer pointierten, humorvollen Leichtigkeit.

Txiki wird Ende der 1960er-Jahre in die für ihn fremde Stadt San Sebastián zu seinen baskischen Verwandten geschickt, weil seine Mutter für ihn nicht mehr sorgen kann. Dort angekommen, beobachtet Txiki fortan mit wachen Augen seine neue Umgebung. Die damit verbundenen Erinnerungen schreibt er, inzwischen erwachsen, Jahre später für einen Autor namens Aramburu auf. Somit hat sich der Autor in seinen eigenen Roman geschrieben.

Verschiedene Erzählebenen

Aufgebrochen wird die Handlung immer wieder von insgesamt 39 Notaten, die in sich abgeschlossen sind. So schafft Aramburu verschiedene Erzählebenen und zwei Stimmen, die sich abwechseln, wie Criegern einwirft. Auf ihre Frage, ob so Erinnerungskultur funktioniere, antwortet Aramburu mit einem klaren „bei ihm ja“. Diese Notate seien für ihn Erinnerungen fürs Gedächtnis, und jedes sei wichtig für die Geschichte.

In der abschließenden Fragerunde mit dem Publikum zeigt Aramburu, mit welch feinsinnigem Humor er gesegnet ist. Er tendiere zum Humor und arbeite in seinen Romanen nicht mit der Wahrheit, sondern mit den Menschen und Ereignissen. Figuren in Romanen seien so wichtig wie der Reis in einer Paella, fügt er augenzwinkernd an. Er bewege die Figuren in seinen Romanen, und dadurch ergebe sich eine Handlung. Wenn er die Seite 50 erreiche, gäbe es kein zurück mehr.

Den Wünschen des Jungen gehorcht

Schon als Kind habe er gewusst, dass es mehr gebe hinter dem Ende ihrer Straße, und er war mit 14 Jahren entschlossen, Schriftsteller zu werden. Er habe den Wünschen des Jungen gehorcht, und nun sitze er hier. Auch schreibe er gezielt für die Leser und nicht für sich. Der deutsche Autor Arno Schmidt hingegen habe gegen die Leser geschrieben. Diesen bewundere er aber sehr ob seiner Sprachkunst, und in seiner Tätigkeit als Übersetzer habe er dessen Erzählung „Brand’s Haide“ ins Spanische übertragen.

Nach anderthalb Stunden neigt sich der Abend dem Ende zu. Den humorigen und lebensnahen Ausführungen Aramburus hätten die begeisterten Besucher sicher noch stundenlang zuhören können.

Aramburus Bücher

Fernando Aramburu: „Langsame Jahre“, Rowohlt, 208 Seiten, 20 Euro.

Fernando Aramburu: „Patria“, Rowohlt, 768 Seiten, 25 Euro.

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