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Regional Göttinger Literaturherbst: Matthias Zschokke und das Lob des Ventilators
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18:04 18.08.2014
Am menschenleeren Strand in der Nähe von Venedig: der Schriftsteller Matthias Zschokke.
Am menschenleeren Strand in der Nähe von Venedig: der Schriftsteller Matthias Zschokke. Quelle: Agnetti
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Venedig/Göttingen

Ach, Venedig! Wie könnte man da schwärmen. Aber ist über die Stadt nicht eigentlich schon alles geschrieben worden? Sicher. Nur eben nicht von Matthias Zschokke, diesem klugen, immer ein wenig abseits stehenden stillen Beobachter.

Und der schreibt auch nicht nur über Venedig, sondern vor allem über sich selbst. Es geht um seinen zu der Zeit erschienenen Roman „Der Mann mit den zwei Augen“, der – so sieht es Autor Zschokke – von der Kritik nicht ausreichend beachtet wird. (Überhaupt die Literaturkritik: Man ahnt ja nicht, wie wichtig Rezensionen für Autoren sind, wie dünnhäutig sie reagieren, wie viel Angst sie haben, wie wichtig ihnen Lob ist).

Es geht um einen Konzertabend in der Villa, der organisiert werden muss, es geht um einen Ventilator, der gekauft und aufgestellt werden soll, und es geht darum, wie mit der Schönheit Venedigs eigentlich umzugehen ist.

Die Form ist für einen Reisebericht eher fremd. Zschokkes „Die strengen Frauen von Rosa Salva“ besteht aus nichts anderem als einer Abfolge verschiedener Mails. Diese Form des Mailromans hat der Autor in seinem Buch „Lieber Niels“ zum ersten Mal angewendet. Und das war ein großes, mitreißendes Buch über den Alltag, die Sorgen und die Träume eines Schriftstellers.

Zusammenbau des neuen Ventilators

Anders als bei „Lieber Niels“ gehen die Mails hier nicht nur an eine einzige Person, sondern an verschiedene Adressaten. So variiert der Autor auch die Tonlage seiner Mitteilungen – aber immer nur ein wenig; selbst wenn er sich „an ein Mitglied des Stiftungsrats“ wendet und vom Kauf und Zusammenbau des neuen Ventilators berichtet, bleibt er Poet: „Jenes feine Clic zum Zeichen, dass alles sitzt und passt und eingerastet ist. Dann stellte ich ihn an – und entschwebte umgehend in die Dyson-Aura.“

Oft ist vom Glück die Rede. Vom Glück, in dieser Stadt zu sein, vom Glück, das alles erleben zu können, vom Glück, Bilder zu sehen, Musik zu hören, Freunde zu empfangen. Und auch von der Angst, diesem Glück nicht gerecht werden zu können. Irgendwann empfindet auch der Leser ein Glück: das Glück, dieses Buch in der Hand zu haben.

Selbstverständlich gibt es umfassendere und praktischere Reiseführer über Venedig. Aber im Grunde keinen intensiveren.

Von Ronald Meyer-Arlt

Matthias Zschokke: „Die strengen Frauen von Rosa Salva“. Wallstein-Verlag, 414 Seiten, 22,90 Euro. Der Autor stellt sein Buch beim 23. Göttinger Literaturherbst vor.

Am Dienstag, 14. Oktober, kommt er um 21 Uhr ins Alte Rathaus, Markt 9. Er liest nicht alleine, denn die Veranstaltung  soll ein „Abend der Schweizer Literatur“ sein.

Zu Gast ist auch der Lyriker und Rapper Jürg Halter. „Wir fürchten das Ende der Musik“ (Wallstein 2014) heißt seine Gedichtsammlung.

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