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Regional Göttinger Literaturherbst: Stephanie Nannen mit Buch über Großvater
Nachrichten Kultur Regional Göttinger Literaturherbst: Stephanie Nannen mit Buch über Großvater
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00:17 24.10.2013
Von Angela Brünjes
Stephanie Nannen Quelle: CR
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Göttingen

100 Jahre wäre Henri Nannen in diesem Jahr alt geworden. Er gründete 1948 die Illustrierte „Stern“, er gab seine Kunstsammlung und sein Vermögen, um 1986 die Kunsthalle Emden zu stiften. Nannen war, als Chefredakteur und später Herausgeber des Stern bis 1983, eine journalistische Instanz der Bundesrepublik Deutschland.

Lebendig und ungeniert sei Nannen gewesen. Habe respektlos agiert, aber Respekt von seinen Mitarbeitern verlangt. Von denen forderte der in Emden geborene Ostfriese, an die Grenzen zu gehen. Der Erfolg seiner neuartigen Zeitschrift mit „unglaublich langen Fotoreportagen“, die damals auch ein Schaufenster in die Welt waren, trieb ihn an und ebenso sein Team.

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„Ich möchte ihn ermorden und dann an seiner Bahre weinen.“

Seine Redaktion habe ihn verachtet und geschätzt, vermittelt Stephanie Nannen. Das belege ein Ausspruch von Stern-Reporter Günter Dahl über Henri Nannen: „Ich möchte ihn ermorden und dann an seiner Bahre weinen.“

Der Enkelin ist es gelungen, das facettenreiche Leben des Stern-Gründers und seinen ebenso vielschichtigen Charakter darzustellen. Sein erfolgreiches Streben, die kleinen Emder Verhältnisse hinter sich zu lassen und in München zu studieren. Die überlebte, aber nicht verarbeitete Kriegszeit in einer Propagandaeinheit der Luftwaffe.

Der auf seine Interessen, privat wie beruflich, bedachte Taktiker und Lebemann. Das haben die einen gemocht und seine Durchsetzungsfähigkeit geschätzt, andere haben den unangepassten Nannen verabscheut.

Meist nur die guten Seiten des Großvaters wahrgenommen

Stephanie Nannen erlebte ihn als Enkelin und nahm meist nur die guten Seiten ihres Großvaters wahr. Als der 1996 in Hannover starb, war die Enkelin 25 Jahre alt. Über ihn zu schreiben, war ein Plan, der Zeit brauchte, erzählt sie. Der 100. Geburtstag sei der Zeitpunkt gewesen, ihn zu realisieren.

Dafür hat sie das journalistische Handwerkszeug genutzt und viele Weggefährtinnen und Wegbegleiter – Freunde, Verwandte, Kollegen, Politiker – ihres Großvaters befragt. Die zollen Anerkennung und geben aber auch Beispiele für Nannens Zorn, seine Allüren und Machtspiele.

Dass die nicht unter den Tisch gefallen sind, machen die Story über einen herausragenden Blattmacher, politischen Journalisten und versierten Kunstkenner lesenswert.

Stephanie Nannen: „Henri Nannen. Ein Stern und sein Kosmos“. C. Bertelsmann, 400 Seiten, 24 Seiten Abbildungen, 19,99 Euro

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