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Regional Erinnerung an Harry Rowohlt
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14:51 23.10.2017
Fünf Rowohlt-Kenner im Deutschen Theater Quelle: Peter Heller
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Göttingen

„Von der Wiege bis zur Biege“ lautet der Titel von Rowohlts Autobiographie. Wer einmal eine Lesung mit ihm erlebt hat, versteht, warum man ihn den „Paganini der Abschweifung“ nannte. Zu fast jeder gelesenen Zeile fiel dem im Jahr 2015 verstorbenen Göttinger Elchpreisträger eine Anekdote ein, die er dann ausführlich und mit großem Unterhaltungswert zum Besten gab. Rowohlt war auch ein preisgekrönter Übersetzer vor allem irischer Autoren. Bekannt sind seine Kolumnen „Pooh’s Corner“ für „Die Zeit“, die den Untertitel „Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand“ trugen.

In einer „Séance à Harry Rowohlt“ ließen bekannte Wegbegleiter und Autoren wie Frank Schulz, Thomas Gsella, Susanne Fischer, Hans Zippert und Gerhard Henschel das Multitalent Rowohlt mit all seinem Humor und seiner Schlagfertigkeit noch mal in Wort und Bild wiederaufleben. Ehrengast der Veranstaltung war Ulla Rowohlt, die Witwe von Harry Rowohlt.

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Zu Beginn des Abends erscheint Rowohlt überlebensgroß auf einer Leinwand. Zu sehen sind Auszüge aus einem Interview mit ihm. Zur Frage nach seinem Lieblingstier fällt ihm der Neufunddackel Trulla ein, den laut Rowohlt eine exzellente Kneipennase auszeichnet. Auf die Frage, was gegen Selbstmord spreche, antwortet er: „Dasselbe wie gegen die Todesstrafe. Es ist nicht mehr rückgängig zu machen“.

Für Computer bin ich zu doof

Rowohlt war bekannt für seinen markant deftigen Wortwitz. Im Wechsel zitieren die einzelnen Wegbegleiter aus seinem Leben an Hand von persönlichen Erinnerungen und geschriebenen Zeitzeugnissen. Laut Schulz ging Rowohlt vor Lesungen „gerne noch mal vor die Tür, um eine zu rauchen und Passanten den Arm umzudrehen“. Zur medialen Technik gab Rowohlt zum Besten: „Für Computer bin ich zu doof und für Handys nicht doof genug“. Und Gsella konfrontierte er vor ungefähr 20 Jahren bei einem Treffen mal mit dem Satz: „Gsella, deine Texte fangen schlecht an und gehen scheiße weiter“.

In Kneipen hinterließ er Klosprüche über „Freibiergesichter“, ging „zum Ausnüchtern auf den Stammtisch“ und der Fahrdienstleiter vom Bahnhof Hütteldorf hat sich seinen Dienstausweis von ihm signieren lassen, „so dass er Fahrdienstleiter wärmstens empfehlen könne.“

„Mehlauge“ für eine Mark

Fischer hat Rowohlt bei einer Lesung kennengelernt, zu der er sie im Auto mitgenommen hat. Als sie ihn bat, ihr sein Buch zu signieren, schrieb er „Für die Dame, die am Wege liegt“. Später habe er ihr dann das von ihr geprägte Wort „Mehlauge“ für eine Mark abkaufen wollen.

Nach unzähligen Anekdoten aus Rowohlts Schaffen erklingt zu gedimmtem Licht seine tiefe warme Originalstimme. In einer herrlichen Ein-Mann-Posse, die sehr an Loriot erinnert, gibt Rowohlt einem Herrn Wagner seine Stimme, der im Theater sitzend kurz vor einer Aufführung unzählige Anrufe tätigen muss, weil seine Frau offenbar die Katzen der Nachbarn, während diese im Urlaub weilten, vergessen hat zu füttern. „Während wir hier palavern, nähern sich die Knolls den Kadavern“.

Diejenigen, die an diesem Abend Harry Rowohlt ihre Stimme gaben, erhielten viel Applaus für die Séance. Ein gelungener Abschluss des Literaturherbstes. Dessen 70 Veranstaltungen an zehn Veranstaltungstagen besuchten mehr als 15 000 Gäste, teilten die Veranstalter mit.

Von Jörg Linnhoff

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