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Regional Zwei Konzerte unter Schweizer Dirigierstab
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17:30 19.02.2019
Kaspar Zehnder.
Kaspar Zehnder. Quelle: r
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Göttingen

Der Schweizer Dirigent und Flötist Kaspar Zehnder leitet am 21. und 22. Februar in der Aula am Wilhelmsplatz zwei Konzerte mit dem Göttinger Symphonie Orchester. Auf dem Programm stehen Werke von Schubert, Mozart, Gluck und dem Israeli Tzvi Avni. Das Göttinger Tageblatt sprach im Vorfeld mit Zehnder.

Sie sind das erste Mal in Göttingen?

Antwort: Nein, ich war vor ein paar Jahren schon hier und habe mit dem Orchester gearbeitet. Das wiederum war auch schon bei mir in der Schweiz. Es hat sich eine schöne Beziehung entwickelt. Ich finde das GSO hervorragend. Jetzt bin ich erstaunt, mit welcher Inspiration es Schuberts 6. Sinfonie spielt.

Frage: Haben Sie das Programm zusammengestellt?

Antwort: Nein. Das ist mir so gegeben worden. Ich habe gestutzt, weil ich dachte, einige Stücke daraus entsprechen nicht meinem Profil. Schuberts 6. Sinfonie habe ich bisher zweimal gehört – und fand sie langweilig. Nachdem ich mich jetzt mit ihr beschäftigt habe, kann ich sagen, sie ist sehr wienerisch, hat einen Hauch von Bitterkeit, sogar von Zynismus. Jetzt habe ich das Werk für mich gewonnen, darüber bin ich dankbar. Viele Dirigenten mögen es vielleicht deshalb nicht, weil man mit dem Stück nicht auftrumpfen kann. Es ist eher zart.

Frage: Der Solist des Abends ist der Violinist Kolja Lessing. Kennen Sie ihn bereits?

Antwort: Wir sind alte Weggefährten und hatten schon oft miteinander zu tun. Wir haben auch eine Aufnahme zusammen gemacht, er als Violinist, ich als Flötist. Auf diese Aufgabe mit ihm zusammen freue ich mich.

Frage: Der israelische Komponist Tzvi Avni dürfte vielen Zuhörern neu sein, ungewohnt vielleicht?

Antwort: Avni ist in der Tat schwer einzuordnen. Er ist expressiv, verfremdet Klänge, bringt sehr gekonnt Farben ins Orchester. Sein Stück Pas de deux ist sehr warm zu spielen – Kolja Lessing ist der ideale Interpret.

Frage: Kann es nicht sein, dass moderne Musik den ein oder anderen eher vom Konzertbesuch abhält?

Antwort: Es ist natürlich immer gut, offen zu sein für Neues. Ich denke, jeder Komponist will mit seiner Musik berühren, immer ist eine sinnliche Komponente im Spiel. Wer sich davon berühren lässt, wer neugierig ist, wird einen Gewinn haben. Ich selbst habe viel zeitgenössische Musik gespielt.

Frage: Aber manchmal tut sie weh.

Antwort: Sie ist eine klangliche Erweiterung, ist ein Klang, der nicht nur schön sein muss, der auch extrem ist, der auch schmerzen kann.

Wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal davon träumten, Dirigent zu werden?

Das war sehr früh, so mit 7 oder 8… Meine Mutter war Sängerin und ich konnte schon früh bei Proben dabei sein.

Sind sie lieber Solist oder Dirigent?

Ich mache beides gerne. Als Solist wird man reifer – aber nicht besser. Als Dirigent braucht man Reife, um besser zu werden. Ich denke, da bin ich jetzt mit fast 50 im vollen Besitz meiner Möglichkeiten.

Haben Sie eine Maxime?

Strenge Arbeit ja – aber nicht Druck um des Druckes willen. Musik kann man durch Befehle ersticken, sie muss atmen können, sie braucht Luft.

Zwei Konzerte

Zwei Konzerte im „Philharmonischen Zyklus I“ mit dem Titel „Pas des Deux“ spielt das Göttinger Symphonie Orchester am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. Februar, in der Aula am Wilhelmsplatz in Göttingen. Die Konzerte unter der Leitung von Kaspar Zehnder und mit dem Solisten Kolja Lessing, Violine, beginnen jeweils um 19.45 Uhr, Karten im Internet auf gso-online.de.

Von Ulrich Meinhard

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