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Regional GSO-Konzert mit Tianwa Yang in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional GSO-Konzert mit Tianwa Yang in Göttingen
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00:20 08.05.2018
Atemberaubend virtuos: Violinsolistin Tianwa Yang.
Atemberaubend virtuos: Violinsolistin Tianwa Yang. Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Das außergewöhnliche Programm begann mit der f-Moll-Fantasie von Franz Schubert, einem Werk für Klavier zu vier Händen, das Felix Mottl 1897 für Orchester bearbeitet hat. Der intime Reiz der Originalfassung wird in diesem Arrangement zwar ein wenig vergröbert, aber dieses Meisterwerk ist so selten zu hören, dass jede Aufführung ein Gewinn ist. Vor allem dann, wenn es so sensibel, so fein differenziert in den Klangfarben und geschmeidig in den Übergängen musiziert wird, wie es Mueller mit seinen engagiert und ausdrucksstark musizierenden Instrumentalisten tat.

Die Violinsolistin Tianwa Yang wurde zweimal mit dem Echo Klassik ausgezeichnet, erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, konzertiert in Europa, Asien und den USA – und musiziert immer wieder gern mit dem GSO. Jetzt musste sie zwei ungewöhnliche Herausforderungen meistern: Paul Hindemiths frühes Violinkonzert mit dem schlichten Titel „Kammermusik Nr. 4“ aus dem Jahre 1925 und die Fantasie für Violine und Orchester, die Robert Schumann 1853, drei Jahre vor seinem Tod, für den damals 22-jährigen Geigenvirtuosen Joseph Joachim geschrieben hatte. Beide Werke stellen dem Solisten sehr unterschiedliche, aber durchweg höchst anspruchsvolle Aufgaben. Das Hindemith-Finale beispielsweise hat die Tempobezeichnung „So schnell wie möglich“, wenig später heißt es „Wenn möglich, noch schneller“.

Mitreißendes Virtuosenstück

Es war ungemein spannend, das einfallsreiche Stück Hindemiths zu erleben, die ausdrucksstarke Tiefe im zentralen „Nachtstück“, den Witz, die klaren Konturen, den selbstbewusst wirbelnden Geist im rasenden Finale. Durststrecken gibt es nirgends, die quirlend lebendige Musik hält den Hörer im Atem. Schon dafür spendete das Publikum lang anhaltenden Applaus, der der atemberaubend virtuosen Geigerin ebenso galt wie dem Orchester mit seinen zahlreichen feinen Soli – und brach nach der Schumann-Fantasie abermals in lauten Jubel aus. Denn dieses hochromantische, ebenfalls im Konzertbetrieb vernachlässigte Werk zeigte in der leidenschaftlichen, zupackenden Interpretation der Solistin nirgends Spuren von müde gewordener Schöpferkraft, sondern entpuppte sich als mitreißendes Virtuosenstück, in dessen Solopart Schumann alles hineingepackt hat, was Geiger zu leisten vermögen. Tianwa Yang und das GSO unter Mueller waren perfekt aufeinander eingestimmt. Für den prasselnden Beifall bedankte sich Yang mit einer zärtlichen Zugabe, dem Andante aus Bachs zweiter Violin-Solosonate.

Geistreiche Überraschungen

Zum Schluss gab es Haydns Symphonie Nr. 104, sein letztes Meisterstück dieser Gattung. Auf bestechende Weise machte Mueller mit seinen sehr konzentrierten, auch in den frischesten Tempi präzisen Instrumentalisten sinnfällig, wie geistreich Haydn schreibt, mit welchen Überraschungen er die Erwartungen seiner Hörer narrt, wie er seine musikalischen Gedanken entwickelt. Es war der pure Genuss, dieser Symphonie zu lauschen, die nirgends simple Einfachheit und Tiefe dieser Musik zu genießen. Am Ende applaudierten die Zuhörer in der nicht ganz voll besetzten Stadthalle lange und lautstark – und auch die GSO-Musiker zeigten ihrem Chef deutlich, wie wohl sie sich unter seinem Dirigat gefühlt hatten.

Die nächsten GSO-Termine

Das sind die nächsten Termine des GSO:

  • Sonntag, 6. Mai, 11.30 Uhr Deutsches Theater: Familienkonzert „Young Person’s Guide“, Dirigent: Christoph-Mathias Mueller,
  • Freitag, 25. Mai, 19.45 Uhr Stadthalle: 3. Promenadenkonzert „La Kermes!“ mit Musik von Rossini, Donizetti, Verdi, Lehár und Bernstein; Solistin: Simone Kermes, Sopran, Dirigent: Christoph-Mathias Mueller,
  • Sonntag, 27. Mai, 17 Uhr Deutsches Theater: 3. Konzert der Reihe Kulturelle Begegnung „Perspektive Balkan“; Solist: Goran Stevanovic, Akkordeon, Dirigent: Christoph-Mathias Mueller,
  • Donnerstag, 31. Mai, 19.45 Uhr Aula der Universität: 3. Konzert Zyklus Wiener Klassik „Maskenspiel“; Solist: Avi Avital, Mandoline, Dirigent: Christoph-Mathias Mueller.

Von Michael Schäfer