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Regional Göttinger Symphonie-Orchester weckt Kopfkino in der Lokhalle
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13:00 12.05.2019
Das Filmmusik-Spektakel hat dem GSO eine ausverkaufte Lokhalle beschert. Quelle: Tina Hey
Göttingen

Blockbuster bürgen für Erfolg – nicht nur im Kino. Die Nacht der Filmmusik hat dem Göttinger Symphonieorchester (GSO) am Sonnabend eine komplett ausverkaufte Lokhalle beschert. Es gab nicht einen freien Sitzplatz mehr. Verkauft wurden 2311 Karten, hieß es an der Kasse. Einen Tag zuvor hatte das GSO bereits in der Stadthalle Osterode Filmmelodien gespielt, am Sonntag folgte ein weiteres Konzert in der Lokhalle.

James Bond und Science-Fiction in der Pipeline

Mit der Star Wars-Titelmelodie hat das GSO gezeigt, wohin die Reise gehen soll. Wie „Heroes“ erinnert die nächste Nacht der Filmmusik im kommenden Jahr schon wieder an einen Bowie-Titel: Sie soll unter dem Motto „A Space Odyssey“ stehen und um Science-Fiction-Filme kreisen. Für den diesjährigen Nikolaustag kündigte Moderator Juri Tetzlaff eine weitere cineastische GSO-Hommage an. Am 6. Dezember steht in der Lokhalle „An Evening with James Bond“ an. Vielversprechend sind auch die Konzertinhalte im Juni: Carl Orffs Carmina Burana und Strawinskys Feuervogel am 7. Juni in der Lokhalle, Beethoven und Bruckner am 29. Juni der der St.-Jacobi-Kirche. ku

Unter dem Motto „Heroes“ zeigte sich das GSO von seiner populären Seite und erzielte Breitenwirkung. Mit David Bowie hatte das nichts zu tun, der lebt im Deutschen Theater mit „Lazarus“ wieder auf. Bei der Nacht der Filmmusik, die das vor zwei Jahren gestartete GSO-Erfolgsformat fortsetzte, ging es um unsterbliche Leinwandhelden – und Kompositionen, die sich ins kollektive Gedächtnis nicht nur von Kinogängern eingebrannt haben, in Schulorchestern und Bläserklassen inzwischen breiten Raum einnehmen. Ohne Soundtrack wirkt jeder Thriller fade, jede Romanze farblos. Die Pianisten, die Stummfilme begleiteten, sind orchestralen Arrangements gewichen, die jeden mit special effects überladenen Actionknaller noch einmal aufblähen.

Superhelden und Hollywood-Anekdoten

Chefdirigent Nicholas Milton schwang den Taktstock temperamentvoll wie ein Laserschwert, streckenweise bemüht witzig und redselig plauderte Moderator Juri Tetzlaff aus dem Hollywood-Nähkästchen. Der orchestrale Reigen der großen Kino-Blockbuster führte tief unter die See, hoch hinaus in den Weltraum und ins Paralleluniversum der inflationär die Leinwand bevölkernden Superhelden: Spiderman, Superman, Wonder Woman und die Avengers. Zum Auftakt wurde mit „Gonna Fly Now“ allerdings ein Held aus Fleisch und Blut beschworen: „Rocky“ alias Sylvester Stallone.

GSO-Chefdirigent Nicholas Milton punktet mit Kinoklassikern. Quelle: Tina Hey

Mit dem „Superman March“ verlieh das GSO der erfolgreichsten Comic-Figur aller Zeiten Flügel und entfaltete seine ganze orchestrale Wucht. Geistige Superkräfte, wie sie die GSO-Musiker zeigten, habe der von zwei Teenagern aus Ohio erfundene Mann aus Stahl ursprünglich bekommen sollen, erzählte Tetzlaff. Da sich die aber nicht zeichnen ließen, schwenkten sie um, verkauften die Rechte an Superman für 130 Dollar und erlebten erst Jahrzehnte später ein Happy End.

Fehleinschätzungen und unerwartete Erfolge sind kein Einzelfall in der Filmgeschichte. Das verdeutlichte Tetzlaff auch an der „erfolgreichsten Filmmusik aller Zeiten“ und stimmte selbst „My heart will go on“ an. Für den „Titanic“-Song hätten sowohl James Cameron als auch Celine Dion von Komponist James Horner bekniet werden müssen. Nach dem Untergang der Titanic tauchten die Musiker in die Tiefe ab, trafen Disneys kleine Meerjungfrau und „Das Boot“. Beide Arrangements stammen vom zweiten Konzertmeister des GSO, Wojtek Bolimowski, der die „Boot“-Musik von Klaus Doldinger bearbeitet hat – dem Komponisten und Musiker, der auch für die „Tatort“-Erkennungsmelodie verantwortlich ist.

Von Star Wars zu Game of Thrones

Einfühlsam setzte das GSO mit der „Forrest Gump Suite“ einen Anti-Helden in Szene, unternahm Abstecher ins Western-Genre, zu Abenteuer- und Monumentalfilm-Revivals, zu „Indiana Jones“ und „Gladiator“, „Robin Hood – König der Diebe“, „Die glorreichen Sieben“ und „Piraten der Karibik“. Aufgesetzt und monoton wirkten allerdings die größtenteils computeranimierten Einblender mit Wolken, Wasserfällen und Wipfeln, Läufern, Fahrwasser und Pfeilen auf der Leinwand über dem Orchester: Das Kopfkino, das das GSO gekonnt heraufbeschwor, hätte keiner Visualisierung mit stilisierter Redundanz bedurft.

Stormtrooper der „United Force Squad“ haben bei der Filmmusik-Nacht Spenden für karitative Zwecke gesammelt. Quelle: Kuno Mahnkopf

Nicht fehlen durfte das „Star Wars“-Titelthema, mit dem das GSO den offiziellen Programmteil beendete und mit ebenso langem Applaus bedacht wurde. Die Überleitung zu den Zugaben führte dann aus dem Kino heraus – mit „Game of Thrones“, einer TV-Serie, die die meisten Kinofilme in den Schatten stellt. Fortsetzung folgt.

Von Kuno Mahnkopf

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