Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional GSO mit Haydns Oper „Orfeo ed Euridice“
Nachrichten Kultur Regional GSO mit Haydns Oper „Orfeo ed Euridice“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 31.05.2017
Von Michael Schäfer
Auf dem Foto links Simon Bode (Orfeo), rechts Simone Kermes (Euridice). Quelle: Schäfer
Anzeige
Göttingen

1791 komponierte Haydn, frisch nach London verpflichtet, diese Oper. Doch die Uraufführung fand nicht statt. So verschwand „Orfeo“ von der Bildfläche. Es gibt kein Libretto, keine Bühnenanweisungen, nur Haydns Manuskripte. Die gehen zum einen etwas durcheinander, zum anderen sind wohl einige Stücke verlorengegangen. Wie die Oper aussehen sollte, bleibt ein Rätsel.

Doch ist Haydns erhaltene Musik so meisterhaft, dass seit 1951 immer wieder Aufführungen stattfinden: konzertant oder in szenischen Rekonstruktionsversuchen. GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller entschied sich für eine konzertante Fassung mit einer maßvollen optischen Belebung durch abstrakte, animierte Projektionen, die der auf Musik spezialisierte Filmemacher Stephan Boehme entworfen hatte.

Alles lief in der nicht ganz voll besetzten Stadthalle vielversprechend an. Schon im eröffnenden Rezitativ zeigte die Sopranistin Simone Kermes in der Rolle der Euridice ihre beeindruckend virtuosen, bis in die höchsten Lagen reichenden Stimmqualitäten, ihre Koloraturensicherheit, ihre Fähigkeit, die Lautstärke bis zu einem kaum noch hörbaren Pianissimo zu dämpfen, dazu ihr unstillbares Temperament, das sie ausgesprochen unbekümmert nach außen trägt.

Mindestens ebenso staunenswert ist der Tenor von Simon Bode (Orfeo), der seine flexible, auch in hohen Lagen unangestrengte Stimme sehr weich, aber auch deutlich konturiert färben kann. Und im Unterschied zu Simone Kermes setzte er seine Stimme in erster Linie ein, um die Rolle überzeugend zu gestalten, nicht etwa umgekehrt. Als dritter Solist rundete der stimmstarke Bass Jochen Kupfer das Ensemble der Protagonisten ab.

Alle übrigen kleinen Solopartien wurden sehr achtbar von den Sängern des Norddeutschen Figuralchores übernommen. Dem Chor hat Haydn in dieser Oper eine gewichtige Rolle zugeschrieben: Hier zeigten sich durchweg die hohen Qualitäten des von Jörg Straube gründlich vorbereiteten Ensembles.

Dem GSO hatte Mueller historische Aufführungspraxis verordnet – mit Naturhörnern und Naturtrompeten, mit einem Hammerflügel als Begleitinstrument für die Rezitative. Das ergab ein sehr farbiges, durchsichtiges, kontrastreiches Klangbild.

Ja, wäre da nicht dieser unselige Pfeifton gewesen, der nicht geortet werden konnte. Kermes, sichtlich genervt, unterbrach die Aufführung, versprach dem Publikum Freibier, versuchte ihr Glück abermals, brach wieder ab, bis Mueller, nun ebenfalls genervt, die Notbremse zog und vorzeitig die Opernpause verkündete. Danach ging es unfallfrei weiter bis zum begeisterten Schlussapplaus. Doch irgendwie hat Haydns Orfeo an diesem Abend wieder einmal Pech gehabt.

Restkarten für Sonntag, 28. Mai

Die Haydn-Oper "Orfeo ed Euridice" wird am Sonntag, 28. Mai, - hoffentlich ohne technische Probleme - in der Stadthalle Göttingen nochmals gegeben. Die Aufführung beginnt um 18 Uhr. Restkarten sind zu Preisen ab 41,80 Euro an Abendkasse erhältlich.