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Regional Werke von Gerhard Glück in der Imflurgalerie
Nachrichten Kultur Regional Werke von Gerhard Glück in der Imflurgalerie
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14:49 23.11.2018
Verlagsleiter Gert Schwab eröffnet seine neue Imflurgalerie mit rund 40 Fineart Prints von Werken des Künstlers Gerhard Glück.
Verlagsleiter Gert Schwab eröffnet seine neue Imflurgalerie mit rund 40 Fineart Prints von Werken des Künstlers Gerhard Glück. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen

Es begann mit einem kahlen Flur: „Als wir für unseren Verlag weitere Räume mieten konnten und es dort einen Flur mit weißen Wänden gab, kam die Idee auf, Kunst aufzuhängen“, erzählt Gert Schwab. Er ist Geschäftsführer des Göttinger Verlags der Kunst, der seit vielen Jahren hochwertige Kunstbücher herstellt und vertreibt. „Es lag nahe, Künstler aus unserer Internet-Galerie auszustellen, von denen wir auch Kunstdrucke zum Kauf anbieten.“ Schon war die neue Göttinger Kunstgalerie entstanden. Der passende Name ist "Imflurgalerie". Das Konzept: Alle drei Monate sollen die ausgestellten Künstler wechseln – darunter auch Kunstschaffende aus Südniedersachsen. Hinzu kommen Vernissagen, Lesungen, kleine Konzerte und Signierstunden.

 

Die Galerie ist am Donnerstag eröffnet worden mit einer Ausstellung mit Werken des Kasslers Malers und Zeichners Gerhard Glück. Der 1944 geborene Künstler ist einer der prominentesten Vertreter der Komischen Kunst: Er zeichnete unter anderem für die Zeit, die Süddeutsche und die Neue Zürcher Zeitung und illustrierte Bücher. Neben dem deutschen Karikaturenpreis in Gold erhielt er 2017 den Satirepreis Göttinger Elch für sein Lebenswerk.

 Viele Besucher im schmalen Flur

Das Interesse an der neunen Galerie und dem ausgestellten Künstler war groß: Bei der Vernissage drängelten sich die Besucher im schmalen Flur. Die Werke von Glück zeigen mit neuen und älteren Arbeiten die Bandbreite seiner Themen. Auf dem bedrohlichen Bild „Vergnügungsdampfer“ fährt ein Schiff auf einen nach unten stürzenden Wasserfall zu. Glück greift immer wieder auf die Kunstgeschichte zurück: Sein Motive „Junge Holländerin mit alternder Quarkmaske“ bezieht sich auf ein Gemälde des großen Barockmalers Jan Vermeer. Auf einem anderen Bild tanzt ein Mann auf Gehwegplatten, die in ihren Farben und ihrer Anordnung an die Abstraktionen von Piet Mondrian erinnern. Politisch ist sein „Porträt Deutschland“, in dem viele Deutschland-Flaggen vor einem Haus wehen und darunter Hakenkreuze und rassistische Sprüche gekritzelt sind. Düster wirkt sein „Abendfrieden“ mit Rehen vor einem Waldrand und einem Himmel, der durch sehr viele Kondensstreifen von Flugzeugen zerschnitten wurde – bedrohlich in Zeiten des Klimawandels. Das Werk „Selbsthilfegruppe beim jährlichen Ausflug auf den Lichtenberg“ bezieht sich auf Göttingen: Hier erinnert Glück an die Wanderungen von Georg Christoph Lichtenberg mit seinen Studenten auf den Hainberg.

 

Die Bilder von Glück changieren zwischen intellektuellem Witz, augenzwinkernder Gesellschaftskritik bis hin zu skurriler, absurder Komik mit bitterem politischen Unterton. Die Motive wirken ganz unterschiedlich: Manche Werke bringen uns erheitert zum Schmunzeln, andere lassen durch die gesellschaftliche Aktualität den Betrachter erstarren. Die Bilder erscheinen oft vordergründig harmlos, sie sind aber stets tiefsinnig. Hier reizt Glück die ganze Bandbreite an Möglichkeiten der Komischen Kunst aus.

 Nahezu identisch mit dem Original

Die in der Imflurgalerie ausgestellten Bilder sind keine Originale. Es handelt sich um Highend-Druckgrafiken, die nahezu identisch mit dem Original sind. Genau diese Drucke produziert und verkauft der Verlag auch – neben Glück auch von Künstler wie Robert Gernhardt, Horst Janssen, Hans Traxler und Michael Sowa. „Die Kunstwerke aus unseren Büchern möchten wir an die Wände bringen – und dies in einem speziellen und aufwendigen Verfahren“, so Schwab. „Die Prints werden einzeln hergestellt, der betreffende Künstler prüft, nummeriert und signiert die Drucke – so entstehen alterungsresistente und wertbeständige Kunstwerke.“ Betreut wird die digitale wie auch analoge Galerie durch den Buchautor und Ausstellungsmacher WP Fahrenberg, der auch den Satire-Preis „Göttinger Elch“ erfunden hat.

 

Für die aktuelle Glück-Schau haben sich die Ausstellungsmacher etwas Besonderes ausgedacht: Im Januar wird es eine Signierstunde und eine Lesung mit dem Künstler geben. Zudem wird unter den ausgestellten Kunstdrucken ein Original „versteckt“. Unter den Besuchern, die dieses erkennen, wird ein handsignierter Kunstdruck im Wert von 250 Euro verlost.

 rank Hoppmann im März

Im Gespräch blickt Schwab optimistisch in die Zukunft: „Es wird nicht nur Komische Kunst ausgestellt, sondern ganz unterschiedliche künstlerische Genres sind angedacht – bis hin zur Fotoausstellung.“ Zwei schon jetzt ausgestellte Porträts, Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan zeigen, kündigen die kommende Ausstellung an: Sie stammenden von Frank Hoppmann – dem Zeichner ist ab März 2019 eine Ausstellung gewidmet.

Imflurgalerie in den Räumen des Göttinger Verlags der Kunst, Geiststraße 11, geöffnet von Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr – oder nach telefonischer Verabredung. Weitere Infos unter www.gvdkunst.de

Von Udo Hinz

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