Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional HW2 – ein Stadtteil im Aufbruch
Nachrichten Kultur Regional HW2 – ein Stadtteil im Aufbruch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:18 27.10.2019
Die ersten Schiffscontainer stehen nahe der Musa. Quelle: Leon-Fabian Caspari
Anzeige
Göttingen

Die Musa steht auf einem Gelände am Hagenweg. Die Hausnummer des Zentrums: 2a. Um das Gebäude ist noch viel Platz – HW2. Dort wollen sich Vertreter der Kreativwirtschaft ansiedeln, um ihre Projekte umzusetzen und das Gelände zu beleben. Am liebsten würden sie gleich das benachbarte Grundstück auch mit Beschlag beleben, sagt Tine Tiedemann von der Musa. Sie hat das Großprojekt angestoßen.

Belebung des Geländes

Die ersten fünf Schiffscontainer sind da, angeschafft über Spenden. Inklusive Transport flossen für diese Behausungen 6500 Euro, berichtet Tiedemann. Eine Nähwerkstatt ist dort bereits eingezogen – und eine Schrauberwerkstatt. Zu zweit sind sie gestartet, inzwischen werkeln dort bereits zwölf junge Menschen vor allem aus der Skater-Szene. Sie nennen sich Van Gang und schrauben an VW-Bussen.

30 bis 40 junge Leute von Mitte 20 bis Anfang 30 – so beschreibt Tiedemann die Gruppe, die sich um die Belebung des Geländes bemüht. „Wir haben gehofft, dass genau die sich hier ansiedeln“, sagt Tiedemann. Alle arbeiteten und lebten in „leicht anarchischen Strukturen“. Tiedemann erkennt darin eine „neues Denken, eine neue Haltung und andere Lebensentwürfe“ – „weg vom Ellbogen, hin zum Wir“.

Räume für Kultur schaffen

Teil des Projekts ist auch der Verein Peloton, der bislang vor allem mit seinen Wohnzimmerkonzerten in der Stadt bekannt geworden ist. Die Mitglieder wollen Räume für Kultur schaffen und Projekte und Initiativen miteinander vernetzen. Auf dem Gelände rund um die Musa würden sie sich gerne ansiedeln, sagt Tiedemann.

Weitere Projekte sind bereits in Planung. Erstmals sei die Leine einbezogen, an die HW2 unmittelbar angrenzt. Eine Strandbar soll hier entstehen, hofft Tiedemann. Zumindest Liegestühle sollen am Ufer stehen und Getränke aus Bauchläden verkauft werden. So sieht die kleinste Lösung aus. Der Durchgang zum Fluss ist bereits geschaffen. Auch eine Brücke könnte über die Leine führen, darauf kleine Wohnungen – eine weitere Nutzungsidee.

Nazi-Heeresbäckerei

Auf der anderen Seite des Geländes dümpelt die Grone, ein Zufluss der Leine. Auch hier kann sich Tiedemann Brücken vorstellen. Architekten haben sich zusammengeschlossen und entwickeln Pläne für die Brücken. Denn dahinter lockt ein großes Waldstück. Davor steht wuchtig ein ehemaliger Speicher für die Nazi-Heeresbäckerei, die vor Jahrzehnten dort angesiedelt war. An der Außenwand soll „die größte Kletterwand Norddeutschlands“ entstehen, berichtet Tiedemann, ein Projekt, dass sie gemeinsam mit dem Sportinstitut der Göttinger Universität umsetzen möchte. Das Problem: Das Gelände, auf dem die Gebäude stehen, gehört nicht mehr zur Stadt Göttingen. Es wird vom Bima verwaltet, dem Bundesinstitut für Immobilien, verwaltet.

Das hat viele Gebäude an Handwerker vermietet, will aber laut Tiedemann das Gelände nicht für die Musa öffnen. Auch die Mieter will Tiedemann einbeziehen. Vernetzung ist dabei ein Stichwort, viele sollen kooperieren. Tiedemann: „Da ist ganz viel Zukunft dahinter.“

Musik wummert aus ihrer Werkstatt

Schon jetzt ist beim Gang übers Gelände ein bisschen von dem Aufbruchsgeist zu spüren, der wachsen soll. Handwerker helfen, wenn die Musa Unterstützung braucht. Im hinteren Bereich fertigen junge Männer Zäune aus frischen Ästen, Musik wummert aus ihrer Werkstatt. Auf der anderen Seite steht das Haus der Kulturen. Auf eine kleine Bühne hofft Tiedemann in der Nachbarschaft, auf ein Solicafé, das in den Stadtteil wirkt. Und sie berichtet von Naturkost Elkershausen, die sich einen Laden und ein Café dort vorstellen könnten, geführt ausschließlich von Auszubildenden.

„Coole, ausgereifte Ideen“

Vor zwei oder drei Jahren habe sie ein Konzept für HW2 geschrieben, sagt Tine Tiedemann, Mitarbeiterin der Göttinger Musa. Sie bekam Kontakt zum Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Die rieten ihr: „größer denken“. Das Zentrum finanzierte zwei Workshops und zahlte dafür 37000 Euro. Zehn Göttinger Kreative nahmen daran teil und zehn aus ganz Deutschland. Vertreter des Südniedersachsen Innovationscampus seien dabei gewesen und auch der Intendant des Deutschen Theaters, Erich Sidler, sagt Tiedemann. Inzwischen ist ein festes Treffen jeden ersten Freitag im Monat installiert, wo junge Menschen „mit coolen, ausgereiften Ideen“ zusammenkommen. Und: „Mit dem wenigen haben wir schon ganz viel erreicht. Innerhalb eines halben Jahres hat schon ganz schön viel stattgefunden.“

Mehr zur Musa finden Sie hier.

Von Peter Krüger-Lenz

Fast hätte es gereicht, um die neuen „local heroes Niedersachsen“ zu werden: Beim Landesfinale des Bandwettbewerbs „local heroes“ landeten die Jungs der aus dem Landkreis Göttingen stammenden Band „Sleeves“ auf dem zweiten Platz.

27.10.2019

Französische Barockmusik ist hierzulande kaum bekannt. Der Dirigent Antonius Adamske hat am Freitag in der Nikolaikirche drei Motetten von Jean-Baptiste Lully vorgestellt, einem Komponisten im Dienst Ludwigs XIV.: eine spannende Entdeckungsreise.

27.10.2019

Ein Mann mit seiner Stimme, davor ein ganzes Symphonie-Orchester, beide den Mond im Blick. Wie das funktionieren kann, haben am Freitag der Schauspieler Rufus Beck und die Göttinger Symphoniker im PS-Speicher gezeigt.

27.10.2019