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Regional Akkordeonist Goran Stevanovic spielt Keplers „Harmonie der Welt“
Nachrichten Kultur Regional Akkordeonist Goran Stevanovic spielt Keplers „Harmonie der Welt“
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19:30 06.09.2019
Virtuoser Klangzauberer: Goran Stevanovic in der Klosterkirche Nikolausberg. Quelle: Michael Schäfer
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Göttingen

Den Anstoß zu den Musiktagen gab das Buch „Harmonices mundi“ des Astronomen Johannes Kepler, das 1619, also vor 400 Jahren, erschienen ist. Kepler berechnete die Bahnen der Planeten um die Sonne und fand in den Zahlen Proportionen wieder, die seit der Antike auch in der Musik geläufig waren. So konnte er die Planetenbahnen mit musikalischen Intervallen in Beziehung setzen und ermittelte eine „Harmonie der Welt“ – die musste es auch geben, weil Gottes Schöpfungsplan auf nichts anderem als einer göttlichen Harmonie beruhen konnte. Hören freilich, so Kepler, könnten diese göttliche Sphärenmusik nur Gott selbst sowie jene Wesen, die auf der Sonne leben – dort waren nach Keplers Vorstellung die Engel angesiedelt.

Tatsächlich aber lassen sich die Berechnungen Keplers auch in (irdische) Musik umsetzen. Das hat der Göttinger Astrophysiker Frederic V. Hessman getan, der an diesem Abend dem Konzertpublikum die eben zusammengefassten Informationen über Keplers Denken vermittelte. Die „Harmonices mundi“ stand im Mittelpunkt des Konzerts, umgeben von weiteren Musikwerken im Zusammenhang mit astronomischen oder astrologischen Phänomenen.

Meditativ, bisweilen dissonant

Wie tönt die Harmonie der Welt? Das sind kreisende Tonfiguren, die einen langsam in tiefer Lage, den äußeren Planeten entsprechend, über die sich weiteren Tonfiguren schichten, schneller und höher werdend. Die schnellste und höchste Wellenbewegung gehört zu dem innersten Planeten Merkur. Sehr meditativ klingt das, bisweilen dissonant, aber auch immer wieder in entspannte Harmonien mündend, von Stevanovic mit hoher Konzentration dargeboten, sehr farbig, sodass tatsächlich verschiedene Charaktere von Tonfiguren wahrnehmbar wurden. Die Merkur-Bewegungen hatte der Solist zuvor mit elektronischen Mitteln erzeugt und mit seinem Live-Spiel auf faszinierende Weise gemischt.

In diesen Zusammenhang passt auch die „Tierkreis“-Musik von Karlheinz Stockhausen, sehr kurze, einfach strukturierte Stücke, deren Melodien Stevanovic mit einem von der rechten Hand bedienten elektronischen Glockenspiel darstellte, wozu er auf dem Akkordeon mit der linken Hand die Begleitharmonien spielte. Fünf der zwölf „Tierkreis“-Stücke fungierten als Zwischenmusik für die weiteren Kompositionen. Am spannendsten: die Uraufführung einer „Sphärenmusik“ für Akkordeon und Stimme von Feliz Anne Reyes Machais – wobei sich Stevanovic als geübter Obertonsänger entpuppte. Die Obertöne, die gleichsam aus dem Nichts kommen, verschmolzen mit den orgelähnlichen Akkordeontönen zu im wahrsten Wortsinn unerhörten Klängen. Im Vergleich zu dieser Musik wirkte das Jupiter-Stück „Harmonices mundi Iovis“ von Günther Bergmann ein wenig blass und konventionell.

Ganz besonderer Zauber

Das allerdings gilt in keiner Weise für die drei „klassischen“ Werke, mit denen Stevanovic dem Abend besonderen Glanz verlieh. Vor allem sein bravouröses, hochvirtuoses Solo-Arrangement des Satzes „Saturn“ aus der Orchestersuite „The Planets“ von Gustav Holst überwältigte die Zuhörer. Und einen ganz besonderen Zauber entfaltete der Musiker am Anfang und Ende des Konzerts mit zwei Orgeltoccaten des Kepler-Zeitgenossen Johann Jakob Froberger, improvisatorisch angelegten Kompositionen, bei denen man dank des entspannten, dabei genau durchdachten Spiels des Solisten meinen konnte, man sei unmittelbar Zeuge des Entstehens von Musik. Wunderbar.

Weiteres Programm der 5. Nikolausberger Musiktage

Fortgesetzt werden die 5. Nikolausberger Musiktage am Freitag, 6. September, um 20 Uhr mit einem Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters (eventuell Restkarten). Am Sonnabend, 7. September, ist von 10 bis 13 Uhr ein Oberton-Workshop angesetzt, geleitet von Anna-Maria Hefele. Um 17 Uhr folgt ein Konzert des Gamben-Ensembles Orlando Viols (Einführungsvortrag 16.15 Uhr), um 21 Uhr ein Nachtkonzert mit Anna-Maria Hefele (Obertongesang, Nyckelharpa) und Antonius Adamske (Orgel). Dem Festgottesdienst am Sonntag, 8. September, um 10 Uhr schließt sich ein „Begegnungsfrühstück“ mit kurdischen, persischen und arabischen Liedern an, zu dem auch Geflüchtete aus Göttingen eingeladen sind. Kantaten und Concerti von Johann Rosenmüller stehen auf dem Programm des Konzerts um 17 Uhr (Einführungsvortrag 16.15 Uhr) mit den Vokalisten „Gli Scarlattisti“ und der Capella Principale unter Jochen Arnold. Abgeschlossen wird das Festival am Montag, 9. September, mit zwei Konzerten: einem Vortragskonzert um 17 Uhr mit Andreas Düker (Laute) und Manfred Schüssler (Wortbeiträge) sowie einem Konzert des Göttinger Barockorchesters um 19.30 Uhr (Einführung 18.45 Uhr) mit Werken von Vivaldi, Rebel und Telemann.

Von Michael Schäfer

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