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Regional Gunter Hampel mit Tänzer Danilo Cardoso zu Gast im Apex Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Gunter Hampel mit Tänzer Danilo Cardoso zu Gast im Apex Göttingen
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17:59 24.07.2014
Generationsübergreifende Einheit: der Tänzer Danilo Cardoso und Jazzer Gunter Hampel. Quelle: Heller
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Göttingen

Jetzt war der bemerkenswert agile 77-jährige Musiker mit Danilo Cardoso, einem 20-jährigen brasilianischen Tänzer, zu Gast im Apex.

Die Bühne dort nahm an diesem Abend den halben Zuschauerraum mit ein – freie Interpretation braucht Platz.

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Zahlreiche Instrumente stehen am Bühnenrand: Bassklarinette, Querflöte, Vibraphon, Klavier und diverse Trommelinstrumente. Doch schnell wird klar: Alles macht Musik. Ein Stuhl, gedreht, gewendet, geschoben, geworfen passt bei Hampel ebenso in die Stücke, wie das Fußstampfen von Cardoso, das Reiben und Klatschen seiner Hände und das Schnalzen seiner Zunge.

Der ganze Raum verwandelt sich bei dieser Performance in Töne. Gegenständen wird Leben verliehen, menschliche Körper werden entfremdet.

„Hoch dynamischer Dialog voller kraftvoller Kontraste“

Die Kombination aus der Musik, die Hampel auf den Instrumenten intoniert, und der Tanz- und Theaterperformance, die Cardoso gleichzeitig bietet, ist atemberaubend. Ein „hoch dynamischer Dialog voller kraftvoller Kontraste, aber auch zart skizzierter intimer Begegnungen“, wie es im Apex Programm heißt, wird hier entsponnen.

Als das ungleiche Paar auf die Bühne kommt, weckt das Erinnerungen an die Szene des Rattenfängers von Hameln. Hampel mit der Querflöte voran, Cardoso, wie eine Raubkatze auf allen Vieren, hinterher. Der Blick des Jungen ist gebannt auf den Altmeister.

Äußerste Konzentration ist gefordert, denn die Künstler proben nie, müssen sich immer im Hier und Jetzt abstimmen und die Darbietung entwickeln. Darin liegt der Reiz, die Einzigartigkeit dieses Klang-Tanz-Projekts, für Publikum und Künstler zugleich.

Der durchtrainierte Körper des jungen Mannes wird eins mit den Klängen Hampels. Seine Schulterblätter kreisen zum Anschlag auf dem Vibraphon auf beinahe groteske Weise passend zur Musik. Im nächsten Moment, windet sich der Tänzer zu Füßen Hampels und hinterlässt dann mit seinem Körperschweiß Handabdrücke auf dem schwarzen Boden, die der Spur eines Tieres im Schnee gleichen.

Zulassen, dass eine Melodie entsteht

Es ist ein Sich-einlassen und Sich-gehen-lassen, ein Zulassen; Zulassen, dass eine Melodie entsteht, ein Gesang, eine Drehung, ein graziler Sprung, ein krachendes Rumsen. Das Duo wirkt bemerkenswert eingespielt, ist ein generationenübergreifendes Team aus verschiedenen Kulturen. Trotz dieser äußerlichen Differenzen finden sie einen gemeinsamen Nenner und haben zudem sichtlich Freude an der Improvisation.

Sogar die Zuschauer werden an einer Stelle mit einbezogen und bewegen sich überraschend ungeniert mit im Raum. Sie lassen sich von Cardoso zum Tanzen auffordern, verknoten ihre Körper zu einem Knäuel, und einer nimmt sogar den Schlägel des Vibraphons wie eine Rose zwischen die Lippen.

Musik ist immer ein Ort der Begegnung, dieses Konzert bescherte eine besonders bereichernde mit dem vielfach ausgezeichneten Musiker und dem charmanten, wendigen Improvisationstänzer.

Von Sarah Lodder