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Regional Händel jazzt: Bassist Dieter Ilg gastiert mit seinem Trio
Nachrichten Kultur Regional Händel jazzt: Bassist Dieter Ilg gastiert mit seinem Trio
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15:00 17.05.2019
Dieter Ilg Quelle: r
Göttingen

Dieter Ilg ist der aktuell bedeutendste deutsche Jazz-Bassist. Er spielte u.a. mit Till Brönner, Randy Brecker und Thomas Quasthoff. Gleichzeitig ist er klassisch ausgebildeter Kontrabassist. Seit Jahren spielt er mit dem Pianisten Rainer Böhm und dem Drummer Patrice Herál klassische Musik als Jazz-Trio. Mit dem Programm „Mein Händel“ gastiert er am Freitag, 24. Mai 2019 im Distribo-Logistikzentrum. Das Tageblatt sprach mit dem Künstler darüber, wie aus Barockmusik improvisierter Jazz wird.

Wie kommt ein Jazz-Musiker dazu, sich mit klassischer Musik zu beschäftigen?

Ich bin ja mit klassischer Musik aufgewachsen – diese DNA ist einfach in mir drin. Für mich ist es natürlich, Themen aus dem Musikbereich herauszugreifen mit dem ich ganz früh zu tun hatte. Dies setze ich in meine heutige Sprache des Jazzmusikers um.

Der amerikanische Jazz-Bassist John Patitucci empfiehlt seinen Schülern, Johann Sebastian Bach zu studieren. Was kann man von ihm lernen?

Jeder Musiker kann sehr viel lernen von Bach und Vorgängern wie z.B. Schütz: mathematische Logik, Formenbildung und deren Auflösung oder Stringenz in der Melodieführung sowie dessen Fortführung in der Mehrstimmigkeit.

„Mein Händel“ nennen Sie Ihr Programm für das Konzert in Göttingen. Wie kam es dazu?

Die Händel-Festspiele in Halle und Göttingen haben mich beauftragt, Arrangements zu schreiben für mein Trio mit der Musik von Händel. Gemeinsam haben wir dessen Wassermusik und das Alexanderfest ausgewählt. Aus einzelnen Teilen, Melodien und Fragmenten dieser Kompositionen bauen wir unsere Musik auf. Zusätzlich interpretieren wir auch noch etwas Bach.

Tickets zu gewinnen!

Für „Händel jazzt“ anlässlich der Händel-Festspiele Göttingen verlost das Tageblatt fünfmal zwei Karten. Wer für das „Dieter Ilg Trio“ am 24. Mai, 21 Uhr im Distribo Logistikzentrum Göttingen, Karten gewinnen möchte, kann am Sonnabend, 18. Mai, von 8 bis 20 Uhr, unter Telefon 0137/8600273 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort „Händel jazzt“ auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden informiert, ihre Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden.

Eintrittskarten für die Veranstaltungen der Internationalen Händel-Festspiele (www.haendel-festspiele.de) vom 17. bis 26. Mai sind auch in den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblattes, Weender Straße 44, und des Eichsfelder Tageblattes, Marktstraße 9, Duderstadt, erhältlich.

Wie unterscheiden sich Händel und Bach?

Das Großstadtleben in London hat Händel geprägt – und Händel wiederum hat das Großstadtleben in London geprägt. Man spürt bei ihm, dass er nicht mehr in Deutschland wohnte. Bach mag komplexer sein, aber Händel war populärer. Er ist auf den ersten Blick greifbarer, auch tanzbarer.

Wie übertragen Sie historische Werke auf ein Jazz-Trio?

Ich höre mir die Musik des Komponisten an. Danach wähle ich die Werke aus, die mich vom Bauchgefühl am stärksten ansprechen und seziere Muster heraus, die ich erkenne und mit denen ich arbeiten möchte. Das können Rhythmen wie Taktarten, Melodien, harmonische Fortschreitungen oder eine Instrumentierung sein. Dann mache ich mir Gedanken drüber und entscheide aus dem Affekt heraus.

Sie hatten früher bereits Werke von Beethoven und Wagner bearbeitet. Was macht es leichter oder schwerer sich jetzt in der Barockmusik zu bewegen?

Es wird nur schwerer, wenn man sich selbst in einer Schublade aufhält. Die Melodien Händels und Bachs sind genauso impressionistisch oder romantisch interpretieren wie die sogenannte klassische Musik von Beethoven. Es brauchen nur hier und da ein paar Stellschrauben geändert zu werden. Die Liedstrukturen sind natürlich anders und haben sich im Laufe der Zeit aufgelöst bzw. sind gewachsen, Akkordverbindungen haben sich erweitert, die Farbpalette wirkt anders.

Als Jazzmusiker haben Sie mehr Freiheiten?

Ja und nein. Man verbindet oft Stilrichtungen mit gewissen Gefühlen, Formen, Instrumentierungen – aber das sind letztendlich Schubladen. Historische Aufführungspraxis ist das eine. Selbst der klassische Musiker hat viele Möglichkeiten zu gestalten. Mittlerweile wird wieder versucht, auch in der Klassik das Improvisieren als Stilmittel zu ermöglichen. Wir nehmen dies alles wahr und wirken mit den Werkzeugen des aktuellen Jazzmusikers.

Welches Konzept hat Ihr Trio?

Jeder von uns drei Musikern geht sehr unterschiedlich an die Stücke heran. Das ist die Handschrift des Trios: Jeder bleibt identifizierbar in dem was er spielt. Die Arrangements schränken keinen Musiker in seiner Persönlichkeit ein.

Im Jazz wird viel improvisiert. Wie ist die bei ihren Klassikprojekten?

Mal weniger, mal mehr. Es kommt auf den Augenblick an. Für mich ist wichtig, dass sich Kompositionen und Improvisationen so überschneiden, dass man nicht mehr merkt was komponiert und improvisiert ist. Im Grund genommen ist Improvisieren beschleunigtes Komponieren - und Komponieren eine reduzierte Form der Improvisation.

Das Dieter Ilg Trio mit Rainer Böhm (Piano) und Patrice Héral (Schlagzeug) gastiert am Freitag, 24. Mai 2019 ab 21 Uhr im Distribo-Logistikzentrum, Groner Siekanger 1 in Göttingen. Vorverkauf: Ticketservice des Göttinger Tageblattes, Weender Straße 44, Göttingen und Marktstraße 9, Dudenstadt.

Von Udo Hinz

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